Ich bin spursüchtig. Beim Autofahren. Wenn ich vor der Tür ausparke (Punkt A), dann ordne ich mich bereits in diejenige Spur ein, die am potentiellen Ziel (Punkt B) endet. Das ist auch ein Grund, warum ich allergisch gegen Fiaker am Ring bin. Ich weiß, ich muss die nächste rechts abbiegen und kann zähneknirschend mit 5 km/h respektive 2 PS hinterherzuckeln, oder ich muss meine Spur verlassen, was mir Schweißausbrüche und ein böses Zucken in der Magengegend verursacht. Völlig unverständlich ist mir das Verhalten der munteren Spurhüpfer, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, so oft wie möglich Spur zu wechseln, am besten ohne Blinker und mit fröhlichem Grinsen im Gesicht, Mobilofon am Ohr. Schlimmer noch als alles sind Baustellen, Unfälle, Pannen, Radfahrer oder Linksabbieger, die meine Spur blockieren, mich zwingen, sie zu verlassen, nur um dann einem gemeinen Spurkriecher zum Opfer zu fallen. Der gemeine Spurkriecher hat nur ein Ziel. Er geht dabei unauffällig vor und lässt sich nichts anmerken. Erst schleicht er gemächlich dahin, oder, wenn er ganz gefinkelt ist, tut er so, als würde er abbiegen, oder Straßenschilder lesen. Kaum hat man sich entschlossen, ihn auf der Nebenspur zu überholen, gibt er Gas und bleibt so lange auf gleicher Höhe, bis sich bei der nächsten Ampel eine Kolonne bildet und man als Spursüchtiger verzweifelt in den Seitenspiegel schielt und feststellt, daß man nur mit PVV (peinlichem Verkehrsverhalten) wieder zurück in die ersehnte Spur kommt, nämlich durch Blinken und entschuldigende Blicke an vogelzeigende und hupende Zeitgenossen. Da bin ich oft froh über mein BN-Kennzeichen... Bin ich dann endlich wieder glücklich in meiner Spur eingeordnet, schwöre ich bei allem was mir heilig ist, sie nie wieder zu verlassen. Vorläufig.
Wenn man nicht alles …
Vor 2 Tagen

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