Freitag, 2. März 2007

London Town

Ich habe einmal gesagt, dass es in meinem Leben die eine große Liebe gibt. Daraus ist, nach einem heftigen Flirt, eine intensive und dauerhafte Beziehung geworden. Das Gute daran ist, wir geben uns alle Freiheiten, legen keinen Wert auf Äußerlichkeiten, finden auch ungeschminkt und schmutzig immer noch Gefallen aneinander und ich kann sagen, dass diese meine große Liebe kein Verfallsdatum hat, denn in guten wie in schlechten Zeiten war sie gleich groß. Diese Liebe heißt London Town. Begonnen hat sie vor vielen Jahren, als ich zum ersten Mal Abends die vielen Treppen vom U-Bahn Ausgang Piccadilly Circus hinaufgestiegen bin und mir die Stadt mit einer Leidenschaft um den Hals gefallen ist, die man mit nichts anderem vergleichen kann. Sicher, sie ist keine prüde Geliebte und bestimmt eine laute, vergnügungssüchtige und unbequeme Gefährtin, aber ich werde diesen Augenblick nie vergessen können, den einen Moment, als der Großstadtpuls auf mein Herz übergesprungen ist, das seitdem mit ihm im Takt schlägt. Dort am Piccadilly ist für mich für alle Zeit der Mittelpunkt der Welt und wenn ich anderswo bin, andere Luft atme, andere Lichter sehe oder andere Pflastersteine unter den Schuhen habe, treu wie der treueste Schoßhund trage ich London unablässig im Blut mit mir herum wie andere ihr Portemonnaie in der Tasche.
Während mein Herz seinen Platz am Piccadilly gefunden hat, zieht mein Kopf den Leicester Square vor, dort, auf der Bank vor Shakespeare’s Statue, ist mein Denkzentrum, dort entstehen Geschichten, dort löse ich Rätsel und lasse mir neue einfallen, dorthin sehnt sich mein Verstand, wenn ein leeres Word-Dokument mit Raubtierkrallen nach mir schnappt.
Wenn Herz und Hirn schließlich im Einklang sind, dann wandere ich nach Covent Garden, wo die Nahrung für die Sinne wartet. Die Markthalle im Sonnenschein, die Gaukler, Sänger und Witzfiguren auf der Piazza, Whittards Tea, Banana Bookshop, Octopus, Disney Store, Wonders, Benjamin Pollock’s Toy Theatres, Eric Snook’s und das Schlaraffenland von Peter Rabbit and Friends. Die Zeit vergeht hier nicht, sie ist konserviert in einer riesengroßen Sanduhr, während das Kind im erwachsenen Menschen durch dieses Disneyland für Junggebliebene stapft und Plastiktüten mit Dingen anhäuft, die man bestimmt nicht braucht, aber unbedingt haben muss. Es mag Frauen geben, die ihr persönliches Wunderland zwischen Calvin Klein und Rubinstein’s finden, manche entdecken es in Schuhgeschäften oder bei Tiffany’s. Das alles lockt mich relativ wenig, aber wenn ich Alice werde und dem Hasen folge, dann lande ich unweigerlich in Covent Garden und bin nur schwer wieder davon zu trennen.
So hat alles seine Funktion, in diesem meinem London-Universum, die Ruhe ist ein Spaziergang am Bankside entlang von der Tower Bridge bis zum Globe, zum Mut machen besuche ich Nelson am Trafalgar Square und Abends, wenn die bunte Welt des West End ihre Türen öffnet, dann lasse ich mich im Publikumsstrom treiben, mal in dieses, mal in jenes Theater, lasse mich in andere Welten entführen und immer neu, immer alt verzaubern von der unglaublichen Macht der Bühne, die nichts ersetzen kann.



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