Dienstag, 25. März 2008

Über Figuren

Ein bisschen Gott spielen...

Nachdem ich meine Romanfigur gemeezt habe, sprich ein klares optisches Bild vor mir sehe, geht es an die Figurenbiografie. Das ist ein Vorgang, der für mich einerseits etwas von "Gott spielen" an sich hat, andererseits viel Zauberei ist. Regel gibt es keine dafür, Figurenbios passieren einfach, oder, besser gesagt, sie sind immer da und ich bin nur der Bildhauer, der die Skulptur frei legt, die ohnehin im Stein drinnen steckt. Mein Meissel ist ein Kugelschreiber, mehr nicht, denn diese Tätigkeit mache ich lieber handschriftlich, um den Bewusstseinsstrom nicht durch Tippfehler oder ärgerliches scrollen zu behindern. Natürlich habe ich davor schon einige Zeit über die Figur nachgedacht. Ich habe so lange mit der Meez Figurine herum gespielt bis ich zufrieden war, ich habe meine Haltung zu der Figur und ihre wichtigsten Charaktereigenschaften gespürt und, wichtigster Punkt, ich habe der Figur einen Namen gegeben. Bevor der Name nicht feststeht, kann ich keine Biografie schreiben. Man darf sich das nicht so vorstellen wie die Namensfindung für ein Baby, da es ja um Vor- und Nachname geht und außerdem, wie die ganze Biografie, auch dieser Name schon in der Figur steckt. Hat man ihn gefunden, dann fühlt er sich richtig an, wie ein Puzzlestein, der passt, etwas rastet ein und man ist bereit, all das aufzuschreiben, was dieser Name einem verrät. Die Herkunft, das Alter, die Familiengeschichte, die Talente, die schlechten Eigenschaften, die Beziehungen zu anderen Menschen, einfach alles. Magie ist sicher dabei und wenn es gute Magie ist, dann hat man am Ende eine Figur, die dem Leser plastisch, real, liebenswert, verachtenswert oder hässlich scheint, zu der er aber, in jedem Fall, eine Beziehung für die Dauer seiner Lektüre aufbaut und die ihn, im besten Fall, tief berührt.



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3 Kommentare:

Sonja hat gesagt…

Dazu fällt mir etwas ein, daß Stephans Schwester einmal gesagt hat, wie sie noch klein war: Aber wie weiß denn der Bildhauer welche Figur im Stein ist? ;)

Sonja hat gesagt…

Und einen Rechtschreibfehler hab ich natürlich auch gleich eingebaut - als eifrige Kämpferin für das scharfe ß rutscht es mir manchmal ein bißchen zu oft raus...

Claudia hat gesagt…

Gute Frage, wie sie eigentlich nur einem Kind einfallen kann! :-)
Ich denke, der Bildhauer schaut den Stein an und sieht schon die fertige Skulptur. Und das ist der ganze Unterschied. ;-)

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