Montag, 22. März 2010

Leipzig 2010


                          

Es gibt zu viele Menschen und zu viele Bücher in der Welt! Beides wird einem auf der Leipziger Buchmesse so richtig bewusst. Mitten im zweiten Fußgängerstau meines Lebens (der erste war Venedig im Karneval), in der grandiosen Glashalle, zwischen pinken Mangamädchen, einem Typ im Ganzkörperwolfskostüm und genervten Bibliothekarinnen bei gefühlten achtunddreißigeinhalb Grad im Buchschatten erwacht die Sehnsucht nach dem Bergdorf und den Pulverschneehängen. Am Schilift allerdings geht es wohl ähnlich zu.
Hoch motiviert und mit reichlich Werbematerial im Gepäck bin ich auf Jagdzeit-Mission nach Leipzig gefahren. Als mein persönlicher Kampf gegen der traurigen April-Erscheinungstermin, der einen vom wilden Messerummel garstig ausschließt. Das Hexendreimaldrei war am Diana-Stand ausgestellt, allerdings fast erschlagen von den Hera-Lind-Wälzern drumherum. Stolz hat mir ein algerischer Taxifahrer die Autogrammkarte der Dame-Aus-Dem-Fernsehen gezeigt, die er zum Flughafen gebracht hat. Ja, ja, die kenn ich, habe ich geseufzt und ihm das lächelnde Lind-Foto zurückgegeben. Irgendwann mal, vielleicht..., denkt man da und reibt sich die schmerzenden Beine.
Zieht jeder Autor zu seiner ersten Buchmesse eigentlich die falschen Schuhe an? Freitagabend habe ich beim Hauptbahnhof rote Latschen erworben, weil die schicken Lederstiefel mit Absatz mich komplett wund durch die Gegend humpeln ließen. Daran war aber auch das Hotel mit dem 5-10 Minuten Fußweg zur Messe schuld, der in Wahrheit eine halbstündige Asphaltwanderung war*. Merken: Schlechte Hotelrezensionen meist ernst nehmen, gute Buchrezensionen meist nicht!


Mit meinem Agenten Joachim Jessen am Diana Stand



Es war für mich eine Messe der erfreulichen Begegnungen. Zum ersten Mal durfte ich meinen Agenten Joachim Jessen persönlich kennen lernen, ein großer Autoren-, Schleichwege- und Steakkenner, sowie den Agenturchef Thomas Schlück, ein kongeniales und äußerst lustiges Duo der alten Schule! Auch die Diana-Leiterin Britta Hansen, Doris Schuck von den Veranstaltungen und Claudia Limmer von der Presse haben mich am ständig überfüllten Random House Stand freundlich bewirtet. Höchst erfreulich auch das große Montségur Autorentreffen, wo ich endlich Ursula Poznanski ("Erebos"), Thomas Plischke ("Zombies") und Dorit Kostall begegnet bin und gelernt habe, dass sich die Welt in Wahrheit um Oberursel dreht. Auch die Stammtischkolleginnen Berta Berger ("Der Augenschneider") und Anni Bürkl ("Schwarztee") waren da, mit ihnen und Richard K. Breuer ("Brouillé") zusammen haben wir am Vivo! Stand Wiener Süßigkeiten und Schmäh verteilt, wo ich die lieben Büchereulen beowulf und Nachtgedanken, den Twitterer Carsten Tergast, sowie die Katzenmama Natira in persona getroffen habe. Meine große Entdeckung ebendort: Der Märchenerzähler Iko ("Och nö"), der köstliche Märchen und Märchengedichte für Erwachsene schreibt und ganz herrlich vorträgt.


mit Thorsten Kneuer, Karin Fiedler und Ursula Poznanski (v.l.)



Am Samstag drehte sich dann noch alles um die Fantasy. Ich habe meine durch und durch phantastische Kollegin Victoria Schlederer ("Des Teufels Maskerade") am Heyne Stand beim mdr Interview abgeholt, die Lesungen von Nina Blazon, Jeanine Krock und Kai Meyer besucht (beziehungsweise irgendwo am Rande des Massenauflaufs miterlebt), meine lieben LeserInnen Karin Fiedler und Thorsten Kneuer (mit meinem Exlibris-Stempel!) getroffen und dem viel beschäftigten Christian Handel alias Darkstar ein Kurzinterview für die Fantasy News gegeben. Am Abend war ich noch mit den Kettenleserinnen Sarah und Katja beim großen Heyne Fantasyabend in der Bahnhofsbuchhandlung. Danach, völlig erschöpft, konnte ich nur noch vor dem Fernseher Mehrzad und Menowin die Daumen drücken, ehe ich in meinem höllisch quietschenden Bett* unruhig geschlafen habe.


Christoph Hardebusch, Bernhand Hennen, Oliver Dierssen, Moderatorin, Victoria Schlederer und Boris Koch (v.l.) beim Heyne Fantasyabend



Messefazit: 500 Jagdzeit-Lesezeichen unter die Leute gebracht, faszinierende Leute getroffen, Twittaggegessen, Rücken und Füße an die Grenzen getrieben, ein neues Wort gelernt („Cosplay“), zu viele Bücher gesehen, zu viele Bücher gekauft und zum Andenken eine Buchhülle mit der Aufschrift „Schundroman“ erworben. Damit in Zukunft jedes Buch, das ich lese ein bisschen Hegemann ist. ;-)

*KEINE Empfehlung für das Hotel Messeblick!

PS: DAS ist gut gemachte Buch-PR!!! (Oder: Für uns andere Autoren: "Hier könnte IHR Buch stehen!")





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2 Kommentare:

Karin hat gesagt…

...das ist wirklich eine rasante Zeit gewesen. Wie schnell die Mesetage doch rumgehen und wieviele Eindrücke man doch gesammelt hat. War unheimlich schön dich zu treffen.
Viele liebe Grüße
Karin

Natira hat gesagt…

Liebe Claudia! Am Samstag war in den Messehallen ja wirklich Massenauflauf! Inzwischen konnte ich übrigens Deinen Roman "Hexendreimaldrei" incl. lieber Signatur meinen MuM's zeigen und Merlin über seine namentliche Verbindung zu Marlowe aufklären. Ersteres fanden die MuMs toll.

Die Namenserläuterung nahm Merlin wie folgt entgegen: "Ach, wirklich *Krallen beschaut* ? Du schreibst meinen Namen doch vereinfacht, er lautet ja Merlynn!" (Anmerkung: Das ist mit neu!). "Ich glaube nicht, daß Merlynn eine Ableitung ist *noch einmal die Signatur anschaut und schnurrt*"

Meine MuMs, doch Originale :)

Schön, daß ich kennenlernen durfte! Lg Natira

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