Dienstag, 27. Juli 2010

Über die Liebe zu Katzen...



Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.

Was für ein schönes Zitat von Rainer Maria Rilke. Eines, das dazu geführt hat, dass ich über diese spezielle Liebe nachgedacht habe. Die Liebe zu Katzen. Menschen, die keine Haustiere haben, neigen dazu, einem mit verständnislosen Kopfschütteln den berühmten Satz "Naja, aber es ist doch nur eine KATZE!" entgegen zu halten, wenn man tränenüberströmt in einer stürmischen Nacht mit der Futterschüssel in der Hand laut Kosenamen rufend durch die Nachbarschaft rennt, über Stacheldrahtzäune klettert, unter Brennesseln und Buschwerk kriecht, auf der Suche nach einem Lebenszeichen, einem leisen "Griau".
Nur eine Katze. Was genau bedeutet das? Dass die Katze weniger wert ist als der Mensch? Ja, werden mir die Zitierer des Satzes antworten. In einer Welt, wo Kinder verhungern, Frauen missbraucht und Soldaten und Zivilisten in Kriegsgebieten grausam ermordet werden, was zählt da schon das Leben eines Tieres? Herrje. Ich bin weiß Gott kein Tierschutzfanatiker, der Tiere höher achtet als Menschen, aber gleich, liebe Zitierer und Schützer der Menschenwürde, gleich achte ich sie sehr wohl. Leben ist Leben.
Noch schlimmer sind die Vergleicher, die in so einem Fall das schlechte Beispiel bemühen "Es ist ja nicht so, als ob es dein KIND wäre." Doch, sehr wohl! Meine Katze ist ein vollwertiges Familienmitglied. Sie hat das gleiche Recht, auch als solches behandelt zu werden. Und Tiere sind in vieler Hinsicht genauso hilflos wie Kinder. Wiederum zur Klarstellung: Ich bin nicht der Meinung, dass ein Katzenleben wichtiger ist als ein Kinderleben. Aber warum sollte es unwichtiger sein? Es gibt Berichte von Katzen, die nach Monaten und gar Jahren den Weg nach Hause gefunden haben, riesige Distanzen überwinden, Entbehrungen in Kauf nehmen, um heimzukehren. Wer will diesen Wesen den Sinn und Zweck eines Zuhauses absprechen: Familie, Liebe und Wertschätzung.
Jedes Happy End, wenn das geliebte Tier nach Tagen wieder da steht, aber auch jede Tragödie, wenn es im eigenen Arm endgültig einschläft haben mir diesen Wert beigebracht. Es gibt keinen Menschen, auch nicht die engsten Angehörigen, mit dem ich so viel Zeit verbringe und mit dem ich so eng zusammen lebe. Selbstverständlich liebe ich das Lebewesen wie jedes andere, das mir nahe kommt, ob Mensch oder Tier. Ich würde mir einfach wünschen, die mitleidigen oder herablassenden Blicke nicht sehen zu müssen, wenn ich wieder einmal besorgt meine Runde drehe. Die Blicke, die sagen: "So ein Zirkus wegen einem TIER!". Ihnen möchte ich gerne sagen: Lernt erst einmal das LEBEN zu respektieren, jedes Leben, bevor ihr beurteilt, was wert und was nicht wert ist geliebt zu werden.



Freitag, 23. Juli 2010

Der Mozartautomat



Wiener Kammeroper 2012

Es wird aufgeführt!!! Vor 5 Jahren habe ich in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Paul Hertel ein Opernlibretto geschrieben. Gedacht war es für das Mozartjahr 2006. Damals war allerdings alles bereits völlig überflutet von Mozart, sodass wir es liegen gelassen haben und auf den richtigen Zeitpunkt gewartet haben. Und der Zeitpunkt ist jetzt. Die Neue Oper Wien hat sich für die Geschichte interessiert und sie wird 2012 tatsächlich in der Wiener Kammeroper aus der Taufe gehoben. Ich bin fasziniert! :-)

Die Geschichte ist das, was manche gerne 'Faktion' nennen:
Alle im plot angegebenen historischen Daten sind erwiesen oder entsprechen in Grenzbereichen der aktuellen Forschung. Allerdings lässt das teilweise etwas gröbere Netz der gesicherten Daten so manchen Freiraum für blühende Fantasie.
Zentral ist die Idee, dass der Magnetiseur Franz-Anton Mesmer, ein Günstling von Josef II, glaubt durch seine Kunst das Genie Mozart geschaffen zu haben. Als Mozart stirbt möchte er alle Spuren verwischen, damit erstens niemand sein Geheimnis entdeckt, und zweitens niemand mehr ein weiteres Genie dieser Art erschaffen kann...



MESMER – DEYM – MOZART DER MOZARTAUTOMAT EINE HISTORISCHE HYPOTHESE Wolfgang Amadeus Mozart war ein Musikgenie. Welches Geheimnis steckt dahinter? Was hat Mesmer damit zu tun? Wir beginnen mit der Untersuchung zur Zeit von Mozarts Tod. Franz Anton Mesmer (1734-1815), Begründer der Lehre vom animalischen Magnetismus, hat den jungen Wolfgang Amadeus Mozart magnetisch behandelt. Seine Lehren erleben Höhen und Tiefen, bis er schließlich aus der Mode kommt und sich an den Bodensee zurückzieht. Sein Leben nach 1784 ist unstet, insbesondere nach der Französischen Revolution von 1789. Im Juli 1791 kommt er nach langer Abwesenheit wieder nach Wien, um die Hinterlassenschaft seiner im Jahr zuvor gestorbenen Frau zu regeln. Im Dezember 1791 stirbt Mozart. Der ehrgeizige Besitzer der Wiener Kunstgalerie Graf Deym nimmt die Totenmaske ab. Er ahnt Mozarts Bedeutung und will sie konservieren. In unserer Oper wird die durchaus mögliche Hypothese aufgestellt, dass Mesmer dafür sorgt, dass die sterblichen Überreste Mozarts vernichtet werden und somit der Nachwelt nicht erhalten bleiben. Warum? Das wird sich zeigen. Fest steht: Der genaue Ort der Grabstätte, sowie der Verbleib des Skeletts Mozarts, geben bis heute Rätsel auf. 1792 ist Mesmer wieder in Paris und 1793 zurück in Wien. Manche vermuten, dass es Graf Deym gelungen ist, mit Hilfe der Maske einen lebensechten Mozartautomaten herzustellen, in dem Mozarts Geheimnis konserviert ist. „Im Gesicht steht der Charakter und steht die Genialität des Geistes“. Muss Mesmer diesen Automaten zerstören, um zu verhindern, dass der Nachwelt erkennt was hinter dem Geheimnis von Mesmers Idealgenie Mozart steckt? Kein Abbild soll überleben, sondern die reine, körperlose Schönheit. Die Totenmaske Mozarts, sowie jede Art von Büste oder Gipsabdruck sind tatsächlich bis heute verschollen, einzig eine umstrittene Bronzemaske fand sich 1948. Franz Anton Mesmer jedenfalls wird 1793 im Zusammenhang mit der „Wiener Jakobinerverschwörung“ kurzzeitig verhaftet und dann in seine Bodenseeheimat abgeschoben. Ist seine Mission erfüllt, ist Graf Deyms Lebenstraum ist zerstört und bleibt Mozarts Geheimnis unentdeckt? Am 6.Oktober 1901 wird in der Verwaltungskanzlei der Hyrtl’schen Waisenhausstiftung in Mödling vom Kurator Joseph Schöffel ein Skelettschädel an den Salzburger Gemeinderat Dr. Hermann v. Vilas feierlich übergeben. Es handelt sich dabei um den im Nachlass des Anatomen Joseph Hyrtl aufgefundenen sogenannten Mozartschädel. Seine Echtheit konnte bis heute weder bewiesen noch widerlegt werden, doch es gibt beeindruckende anthropologische Forschungsansätze, die vermuten lassen, dass es sich tatsächlich um den Schädel von Wolfgang Amadeus Mozart handelt...



Ich habe dem Mozartautomaten jüngst den Zusatz "eine Clockpunk-Oper" gegeben. Das ist ein völlig neuer Versuch, literatische Genres und musikalische Genres zu vereinbaren. Ich als Librettistin sehe die Geschichte natürlich literarisch, und in diesem Sinn ist das Genre ganz klar Clockpunk. Ich bin schon unglaublich gespannt, wie es sich weiter entwickelt!



Sonntag, 18. Juli 2010

Love Never Dies






London, 14.7.2010

[ACHTUNG SPOILER]

Viele, viele Jahre habe ich die Geschichte des Phantoms mit mir herum getragen. Seit ich es als Kind zum ersten Mal gesehen habe, war es ein Übermusical für mich, eines der ewigen Glanzstücke eines Genres und ein magisches Werk, hochromantisch, tragisch und bittersüß. Was habe ich mich jedes Mal durch diese Story geträumt, was habe ich sie geliebt! Natürlich war mein Interesse groß, nun die Fortsetzung "Love Never Dies" zu sehen, mit der Andrew Lloyd Webber laut eigener Aussage jahrelang schwanger ging. Mit gemischten Gefühlen saß ich schließlich im Adelphi Theatre. Vor allem der erste Teil war, trotz teilweise wunderschöner Melodien ein dramaturgischer Reinfall. Phasenweise hatte ich das Gefühl, Herr Webber hätte sich in die Welt der Fanfiction verirrt und da ein paar Phantasien ausgelebt, die besser für immer in seinem Kopf geblieben wären. Ausgerechnet das Wiedersehen von Christine und Phantom nach zehn Jahren gerät zur lyrischen Farce. In denkbar grauenhaften Teenager-Kitschtexten wird zu belanglosen Melodiechen über die eine gemeinsame Nacht (oh no!!!) parliert, es ist schlichtweg grauenhaft. Dabei konnten der hinreißende "Coney Island Waltz" am Anfang (mit fast Heller'scher Bühnenshow) und die umwefende Phantom-Arie "Til I hear you sing" wirklich überzeugen und dann das! "And I touched you. And embraced you. And I felt you. And with every breath and every sigh. I felt no longer scared. I felt no longer shy. At last our feelings bared beneath a moonless sky." Würg! Einzig das Finale von Teil 1 konnte ein wenig retten, denn das ungewöhnliche, rockige und schräge Duett zwischen Phantom und Gustave "The Beauty Underneath" ist ein Bühnenspektakel und wirklich spannend und mitreißend. Leider kommt dann wieder die Fanfiction durch und Gustave stellt sich als (uah!) leiblicher Sohn des Phantoms heraus. (ja, ja, die eine Nacht!)

Überhaupt, das Phantom: Diese Figur hat durch den Zauber gelebt, der mehr durch die Abwesenheit von Körperlichkeit entstand. Eine Stimme im Dunkeln, ein Schauder, den man mehr spürt als sieht, das macht ihn aus. In Love Never Dies gerät er viel zu menschlich, steht unter der Fuchtel der Girys und benimmt sich über weite Strecken wie ein verknallter Halbstarker. Das ist schade und raubt so manche Illusion.

Wo das Stück endlich Fahrt aufnimmt, ist, nach einem eher faden Song von Raoul, in dem er sich die Frage stellt, die jeder wahre Phantom Fan seit Ewigkeiten stellt, nämlich warum zum Teufel sich Christine für IHN entscheidet, die Konfrontation zwischen Phantom und Raoul "Devil Take the Hindmost". Erstens ist es eine super Nummer und zweitens kommt endlich Spannung auf, die sich in den Plädoyers der beiden vor Christines Auftritt weiter steigert. Schön ist danach eine der wenigen musikalischen Anspielungen auf Teil 1, als Christine sich wieder zwischen zwei Stühlen befindet und die Reprise von Devil. Es wird wirklich dramatisch: Singt sie das Lied oder singt sie es nicht, wobei man natürlich vom Score her weiß, dass sie es natürlich singt, ist ja nicht umsonst komponiert. Und das tut sie. "Love never dies" ist die Hauptnummer des Stückes, aber dennoch nicht das Herzstück, zu belanglos sind Text und Melodie, zu austauschbar, wenngleich live on stage durchaus ein großes Glanzstück für die Sängerin der Christine.

Nachdem ich vor der Aufführung nur eine sehr knappe Inhaltsangabe kannte, wusste ich nicht, wie es endet. Die Überraschung war groß, aber eigentlich im positiven Sinn. Kein Happy End. Christine entscheidet sich für das Phantom, wird aber von der eifersüchtigen Meg Giry dafür erschossen. Das Phantom verschwindet mit Gustave. Und eigenartigerweise funktioniert das Ende gut. Ein letzter Kuss erzeugt tatsächlich Rührung, es ist nicht lächerlich, nicht zu plakativ, sondern auf einer Ebene extrem berührend und entschädigt für vieles.

Ach ja, ansonsten waren da noch die Ensembles (entbehrlich), der Prolog (völlig fehl am Platz als Einstieg), Megs Nummer "Bathing Beauty" (satirisch gesehen wohl ganz witzig, aber eigentlich schwach) und ein paar wirklich schöne Licht-, Video- und Bühneneffekte. Ich bin unterm Strich froh, dass ich es gesehen habe und werde es wohl auch ein zweites und drittes Mal sehen und drei, vier Nummern haben es sogar aufs IPhone geschafft. Nach anfänglichen schweren Griffen ins Dramaturgie-Klo gelingt im zweiten Teil doch noch eine rettende Wende und so hinterlässt das Stück tatsächlich ein schmerzliches Gefühl in der Herzgegend. Ein bisschen Kitsch braucht man anscheinend doch. ;-)




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