Dienstag, 28. September 2010

Das Ideal


Ein Selbstversuch Teil Acht

Ich bin immer noch frustriert. Meine jüngste Eroberung, im wahrsten Sinn des Wortes, ist DeJa_VU, 23, in Worten dreiundzwanzig, der ankündigt, Spaß mit mir haben zu wollen. Auf meinen dezenten Hinweis, dass ich Spaß genug habe und was Ernstes Erwachsenes suche, schreibt er mir doch tatsächlich "Ich hoffe du findest was du suchst, aber bis dahin könntest du MEHR spass haben. Könnten uns mal treffen, würde niemanden was schaden. Was hast du heute nacht vor?" Na toll. Ich könnte also meinen Wohlfühl-Nici-Anzug, die Flauschsocken, die Six Feed Under DVDs und mein Einpersonennachtmahl bestehend aus Vollkornbrot, Humous und Rohkost zurück lassen, um mich mit einem zehn Jahre jüngeren Typen zu treffen. Ich könnte eine wilde Nacht lang die vereinsamende Großstadtdreißigjährige mit Katze und die vernünftigen Kräuterteemischungen hinter mir lassen und all das nachholen, was ich offensichtlich als Twen versäumt habe.
Das Problem ist: Ich mag nicht. Die Couch ist so bequem. "Spaß", das klingt irgendwie bedrohlich! Die Vorstellung, die Wohlfühlsocken gegen High Heels zu tauschen, mich eine Stunde im Bad zurechtzuschrubben, -zupfen, -kleistern und -fönen und dann womöglich billigen Fusel zu trinken, um die kreativen Turnübungen einigermaßen locker duchzuliegen, macht mir Angst. Lieber lege ich die nächste DVD ein, gieße mir ein Glas von meinem teuersten Umathum Rotwein ein und döse mit der Katze auf dem Bauch langsam weg.
Ich bin mir darüber bewusst, dass ich bereits äußerst flirtplattformfeindliches Verhalten an den Tag lege. Aber verdammt noch mal, warum kann sich nicht ein normaler Mann in den Dreißigern bei mir melden, der mich in sein kuscheliges Lieblingsrestaurant ausführt, wo er mit mir über Literatur, Musik und eine neue Weltordnung plaudert, mit mir danach wildromantische aber unsportliche Liebesakte vollzieht, um sich dann sein Fledermauskostüm überzuwerfen, um für Recht und Ordnung im nächtlichen Wien zu sorgen, während ich seufzend an ihn denke und mich der gemütlichen Single-Katze-TV-Schreibnacht widme?
Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Drei Hoffnungsträger gibt es noch in Datingnetzwerkwunderland. Mal schauen ob einer davon sich als Batman in Disguise entpuppt. Falls ja, berichte ich umgehend!



Mittwoch, 22. September 2010

Flirtdepression


Ein Selbstversuch Teil Sieben

Der verflixte siebente Tag? Ich habe heute irgendwie einen Flirtdurchhänger. Erstens hat sich niemand von Bedeutung bei mir gemeldet, abgesehen von mopsfan, der es mit dem etwas lahmen hallo!! du schaust ja mal ganz nett aus versucht und tirolerbua82, der forscher via servus fesche maus! auf sich aufmerksam macht. Dabei hatte ich gestern sehr netten Kontakt zu einem Historiker mit Brille und Locken aus Salzburg. Doch die Antwort auf die Frage nach der literarischen Figur ist er mir schuldig geblieben. Das scheint überhaupt der Stolperstein zu sein. keinahnung etwa machte seinem Namen alle Ehre und hat es trotz Bedenkzeit nicht geschafft, einen Vergleich mit einer literarischen Figur zu liefern. Dabei wäre ich bereits am Weg zu ihm, hätte einer endlich den Mut und die Idee, mit "Aragorn", "Sirius Black" oder gar "Bill Denbrough" zu antworten. Selbst ein "Elias Alder" oder ein verwegenes "Siddartha", ein naheliegendes "Leo Leike" (etwas durchschaubar zwar, aber prinzipiell interessant), ein unerwartetes "Simon St. James" oder ein klassisches "Benedikt, ein Edelmann aus Padua" würde mich entzücken. Ganz zu schweigen von den Weltrettern "Batman" oder "Superman". Outete sich gar eine Mischung aus "Stu Redman" und "Larry Underwood", es könnte sein, dass ich zu großen Dummheiten imstande wäre.
Aber: Fehlanzeige. Ratlosigkeit in der Männerwelt. Was will die Komische aus Wien mit dieser Frage? Mein Bildungsniveau testen? Den Grad des Intellekts herausfinden? Oder mich gar psychologisch auf die Probe stellen? Nicht mit mir!
Die Folge ist eine generelle Flirtdepression. Ich klicke mich durch die Ergebnisliste, die mir die Plattform nach meinen Suchkriterien liefert und studiere die traurige Gesichteransammlung. Etwa fünfundneunzig Prozent der Fotos sind Müll. Warum präsentiere ich mich bei dieser wichtigsten Entscheidung des Lebens wahlweise lieblos, unvorteilhaft oder schlichtweg zum davonlaufen? Warum nicht einmal die mindeste Mühe um so eine wichtige Sache wie das eine Bild, das über Interesse oder Desinteresse entscheidet? Besonders beliebt bei Männern sind Gipfelkreuzfotos, wo man zwar die hübsche Landschaft erkennt, davor jedoch nur vage jemanden, der sich in eine Windjacke hüllt und dunkle Sonnenbrillen trägt. Wer sagt, dass der optische Eindruck nicht zählt, der lügt. Selbstverständlich ist das nicht alles, aber selbst wenn Mann kein Adonis ist, lässt sich durch vorteilhafte Fotokunst so einiges aufpeppen. Aber selbst diese winzige Herausforderung ist zu groß.
Was soll ich dort in dieser Plattform? Ist das nicht alles von vornherein total sinnlos? Ich brauche jetzt erst einmal einen White Russian. Extra stark.



Montag, 20. September 2010

Wo ist Herkules?


Ein Selbstversuch Teil Sechs

Na toll. Kalinka1980 schickt mir eine Einladung zum Flirt im Chat. Kalinka1980 ist eine Frau. Ich weiß nicht genau, was an der Angabe "Ich suche", "Punkt 1: Mann" so unmissverständlich ist. Wenn es auf dieser Welt jemanden gibt, der Heteroer als Hetero ist, dann bin das ich. Ich bin nicht einmal besonders frauenfreundlich. Die längsten und tiefgründigsten Gespräche meines bisherigen Lebens hatte ich zum überwiegenden Teil mit Männern. Die Männer unter meinen Freunden wissen bis auf wenige Ausnahmen weit mehr über mich als die Frauen. Wenn ich mit Frauen lange Gespräche führe, dann meist über Männer. Wie also kommt jemand auf den Gedanken, mir ein gleichgeschlechtliches Angebot zu unterbreiten? Ich finde gleichgeschlechtliche Paarungen super, aber ich persönlich bin dafür nicht mal nach zwanzig Aperol Spritzern zu haben. No way.
An der Männerfront gab es nichts Neues. Kennt wirklich in diesem Land fast keiner "Six Feet Under"? Der neue Pianist an der Oper, Amerikaner, ist sofort in Begeisterungsstürme ausgebrochen als ich die Fishers erwähnt habe. Ich sollte eine Erweiterung meiner Suche auf den amerikanischen Kontinent erwägen, zumal ich heute so ein tolles Mail eines Fans aus Ohio (Deutschlehrerin!) bekommen habe. Hey, ich habe einen Fan in Ohio!!! (Hi Kristina!!!) Ein begeisterter Skydiver, der die Beantwortung der 25 Fragen nicht für nötig hält "weil man sich da eh nur falsch einschätzt" beweist mit der Beantwortung der drei Fragen, dass so eine Einschätzung dringend notwendig ist und verlässt sofort den Posteingang in hohem Bogen mit dreifachem Loop. Dafür habe ich ein langes Mail des singenden Rauchers erhalten. Stellt sich heraus, dass da noch ein anderer heikler Punkt hakt. Zudem schüchtere ich ihn anscheinend mit meinen hohen Erwartungen ein. Oje. Wo sind die Helden heutzutage, singe ich verzweifelt in meine Karaoke-Maschine. "Where have all the good men gone and where are all the gods?" Das Problem hat mir erst gestern eine Kollegin klar gemacht, die mich mit kugelrunden die-ist-von-allen-guten-Geistern-verlassen Augen angeschaut hat, als ich ihr im Ernst erklärte, dass ich im Idealfall einen intellektuellen Kreativen suche, der Nachts im Batman Kostüm die Welt rettet. Was leider auch irgendwie stimmt. Schlechte Voraussetzungen für so etwas wie eine Flirtplattform. Also doch Kalinka? Öh, nein, dann doch lieber noch einen Aperol Spritzer und Karaoke: "It's gonna take a Superman to sweep me off my feet!" Oh yeah!



Sonntag, 19. September 2010

Die Hürde


Ein Selbstversuch Teil Fünf

Da sich die unaufgeforderten Anfragen in meinem Posteingang zwar nicht türmen, aber immer mehr werden und ein Großteil der Herren der Schöpfung zu faul ist, die von der Flirtplattform vorgegebenen 25 Fragen zu beantworten oder gar ein Abbild ihrer großen Schönheit hochzuladen, habe ich mir selbst drei Fragen ausgedacht, die ich den Interessierten zukommen lasse. Bisher sind alle daran gescheitert. Dabei sollte es nicht so schwer sein.
Frage 1: Welche literarische Figur ist dir ähnlich und warum?
Frage 2: Was erwartest du dir von einer Beziehung?
Frage 3: Welche dieser Frauen spricht dich an und warum: Carrie Bradshaw, Hermione Granger, Claire Fisher.
Das ist doch ein ziemlich breites Feld sollte man denken und für mich relevant, den wen keine der Frauen anspricht, wird mit mir nichts anfangen und wer sich zum Beispiel mit Dan Browns Robert Langdon identifiziert obwohl er offensichtlich nicht Tom Hanks ist (dem verzeiht man das, der muss Geld verdienen), mit dem werde ich nichts anfangen. Und die Beziehungsfrage zeigt, ob jemand einen Funken Eigenständigkeit im Denken hat oder nur die faden Kriterien Sicherheit, Geborgenheit, Treue und Ehrlichkeit runterbetet. Wichtige Dinge, aber man kann sie auch anders verpacken. Kurz gesagt, ich suche einen Mann, der wie ich in der Welt der Fiktion daheim ist und genug Witz und Esprit besitzt, sich in einer Art auszudrücken, die ihn zu etwas besonderem macht. Wenn er dabei noch Brillenträger ist und den gewissen Zug um den Mund hat, strike!
Wenn man Claire Fisher googelt, kommt übrigens als erstes Ergebnis ein Model mit Kosmetikfirma. Die Fähigkeit zu googeln zeigt zwar, dass man(n) etwas Mühe investiert, allerdings lässt die Wahl des ersten Ergebnisses darauf schließen, dass die Mühe begrenzt ist. Die beiden ersten Damen sind fiktionale Charaktere. Die dritte Dame auch. Models und Kosmetik sind nicht meines.
Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich setze nicht voraus, dass jemand (vor allem ein männliches Wesen) SatC, HP und SFU kennt und mag. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass keiner der bisherigen Hoffnungsträger meines Lebens alias Märchenprinzen einschlägig gebildet gewesen wären. Aber jemand, der wirklich Interesse hätte, würde entweder gut recherchieren oder sich mit Charme aus der Affäre ziehen. Nicht mit "Igitt, Harry Potter" oder "Carrie, diese Tusse aus der Frauenserie?" Ich denke, ich werde den Fragenkatalog noch ausbauen. Er ist ein ziemlich aufschlussreiches Mittel! :-)



Freitag, 17. September 2010

Freakshow


Ein Selbstversuch Teil Vier

Wie man die Verrückten auf sich aufmerksam macht? Man präsentiere sich mit einem adretten Foto in einer Partnerbörse und warte ab. Es dauert nicht lange. Besonders spät nachts sind sie unterwegs, wie die Fledermäuse, hüpfen gierig von Profil zu Profil, um dann ihre wirkungsvollsten Anmachsprüche via Flirtattacke loszulassen. Manche sind sehr direkt wie hansibaer136 (gibt es tatsächlich irgendwo auf dieser Welt verteilt 135 andere hansibaeren oder ist das ein Rechenfehler?): "Du bist hübsch. Darf ich deine VIP Rechte haben?", andere, wie der hexenbändiger geben nicht auf und versuchen es subtil auf Basis von Selbstmitleid "Klar, warum sollte auch die Schönste hier mit mir chatten wollen?" Aber als wohl größter Freak hat sich Maik_Peine entpuppt. Maik_Peine schrieb mir (sic!) "Okay okay, ist klar wie so Du dich nicht meldest, aber naja wirst u.a auch andere gründe haben, Liegt nicht darann das Ich zu nett oder einer der wenigen Engel hir bin. Ja ich bin seit fast einem jahr vergeben... und das glücklich, haben und gerade ein neues Auto gekauft.... ups sorry wird dich nicht wirklich interessieren!!! Naja aber so haben wir was zu plaudern .. fals Du trozdem magst, obwohl ich vergeben bin. naja ebend nur plaudern mehr nicht, und wer weiß das schon, wie lange es hält..(inn momment Bombig ;-))
Auf meinen dezenten Hinweis, dass er ein besonders lustiges Kerlchen ist, dessen Freundin man ob des Hinweises "wer weiß, wie lange es hält" sicher gerne sein mag, kam dann ein ganzer Freakschwall retour. Ich zitiere:
"najasie ist leider alkeholikerrin.. und trinkt jeden tag. und in sachen sex, ist sie Total langweilig (sorry) denn sex gibs nur wenn sie besoffen ist und nur die missionar stellung... kein streicheln, keine lieben worte nix.. das mich mich selisch fertig... verstehst Du?? ich darf sie nicht im schritt streicheln oder massieren.. beim sex kein küsschen.... nur eine frau die sich nicht mahl bewegt da bei... sorry aber eine Gummi pupe hat da vorteile... die sauffen nicht und hacken permanent auf dehn partner rumm. Und ich bin mir Sicher!!! Wenn Du wüstest wie lieb ich bin und sein kann, würdest Auch Du Liebend gerne meine freundinn sein...
:-O Ja, klar Maik. Habe meine erste Usersperre ausgesprochen. Wer will denn so was wissen?
Auch hansibaer der 136igste gibt, zunehmend verzweifelt sein Bestes, als ich ihn darauf hinweise, dass sein Profil quasi unbeschrieben ist, was mein Interesse so gar nicht weckt. Er argumentiert ":-) hi, für das schreiben bist ja du zuständig. wir haben einen ähnlichen beruf ;-) ich bin im musikbereich tätig. hab sogar mal klavier gelernt. Na das ist natürlich was anderes! Ein gelernter Klavierspieler, das Ziel meiner Wünsche, der ultimative Fiebertraum meiner schlaflosen Nächte. Womöglich kann er mit sogar "Für Elise" vorspielen, wenn ich Glück habe sogar zweihändig! Dagegen ist Gurpreet ja harmlos, der mir einfach ohne viel fackeln oder Kommentar seine Handynummer schickt.
Auf der positiven Seite hat sich noch wenig getan. Ich habe 39 Euro für ein Monat gelöhnt, um Nachrichten verschicken zu können, worauf mranybody zwar mein Profil besucht aber kein weiteres Interesse angemeldet hat. Naja, wer nicht will, der hat schon. Ich ent-mranybody mich hiermit offiziell und lösche ihn von der Favoritenliste. Ätsch. Dafür hat mir der interessante Raucher geantwortet, durchaus spannend, wir haben Realexistenzen getauscht, ich schrieb nett zurück, aber seit über einem Tag kam da nichts weiter. Womöglich hat er inzwischen meine Bücher gelesen und fürchtet sich jetzt zu Tode, dass ich ihn in einen Frosch verwandle oder so. Nun ja, schade, der kann nämlich sogar richtig gut singen. Das ist besser als Klavier spielen, sorry hansibaer!



Mittwoch, 15. September 2010

Sie haben eine Nachricht erhalten!


Ein Selbstversuch Teil Drei

Dritter Tag des Experiments Flirtplattform und heute gab es mal eine Veränderung: Jemand mit durchaus interessantem Profil hat mich angeschrieben. Ein Raucher, der kein Haustier will, aber davon abgesehen sehr ansprechend wirkt. Was tun? Man hat ja so seine gewissen Punkte festgelegt. Die wenigen Raucherküsse meines bisherigen Lebens waren leider echt nicht gut (Aschenbecher, bei aller Liebe, aber es kann einfach nichts!), und ich könnte auch nicht dauernd Rauch um mich haben. Ab und zu, in Gesellschaft, ist es schon ok, aber nicht permanent. Nun, und die Entscheidung, mein Leben immer mit einer Katze zu teilen, habe ich schon vor langem getroffen. Es heißt abwarten.
Interessante Erkenntnis jedenfalls: Die Steinböcke sind es, die mich finden. Das ist faszinierend. Fast jeder, der mich anschreibt, ist Steinbock. Nicht, dass ich extrem fixiert auf Sternzeichen bin, aber ein Großteil der wichtigen Männer meines Lebens waren Steinböcke, das lässt sich nicht verleugnen. Ist da also doch etwas dran? Gibt es nachweislich Gemeinsamkeiten?
User Pete72 rät mir dafür, meine "Suchkriterien noch etwas zu optimieren". Rätselhaft. Wie viel lässt sich bei Wiener, 35 bis 45, Nichtraucher, ledig, kinderlos, dunkelhaarig, helläugig, nicht zu groß, nicht zu füllig noch optimieren? Vielleicht meint Pete (übrigens Krebs), der 1.90 groß ist und Vater eines Kindes, dass ich das zu eng sehe, zumal seine eigenen Suchkriterien lapidar lauten: Frau zwischen 25 und 40.
Petes Nachricht für mich im Wortlaut: Männer mit Kinder haben auch eine Daseinsberechtigung. Und bringen Erfahrungswerte mit, die nicht zu unterschätzen sind. Lass dir das durch deinen Kopf gehen.
Gute Nacht und schöne Träume von dem Mann, der immer ein Traum bleiben wird. Wer anderes behauptet, belügt sich selbst.

Das hat er gut erkannt. Ich liebe es zu träumen und mich selbst zu belügen. Nur so habe ich bisher das Leben bekommen, das ich wollte. Warum nicht auch irgendwann den Mann, den ich will? Man sollte sich nicht mit den Petes dieser Welt begnügen, meine Damen. Man sollte nach nichts Geringerem als nach dem Ideal streben. Die Unwiderstehlichkeit des Individuums wird ohnehin dafür sorgen, dass wir chemisch entzündet Kompromisse machen. Das heißt aber nicht, das man von Haus aus wenig Ansprüche stellt. Tja, sorry Pete, aber ich weiß eben vor allem, was ich nicht will. Was ich will, das werde ich schon noch herausfinden. ;-)



Wo ist mranybody?


Ein Selbstversuch Teil Zwei

Kruzifix! Da gibt es in dieser ganzen Flirtplattform ein Profil, das sowohl von Foto als auch Beschreibung total ansprechend ist, aber der dazugehörige User war seit über 10 Tagen nicht online und reagiert nicht auf Kontaktaufnahme. Es ist irgendwie wie im richtigen Leben. Der, der einem gefällt ist nicht verfügbar. Willkommen in meiner Welt! Dabei dachte ich zu Beginn irrtümlich, dass so eine Flirtplattform ein bisschen wie ein Supermarkt ist. Produktpalette und zugreifen. Aber es ist viel fieser. Die Partnerbörse ist ein Versandhauskatalog, bei dem die interessante Ware permanent "out of stock" ist. Man kann sich die Objekte der Begierde zwar anschauen, Beziehungstyp und Hobbys mit den eigenen Ergebnissen vergleichen, zu dem Schluss kommen, dass man perfekt zusammenpasst und schaut dann doch durch die Finger. Oder, wie ich von derhexenbändiger so treffend angechattet wurde "Passt! Dich nehm ich!". Sorry hexenbändiger, wird wohl nix. Aber wo zum Teufel steckt mranybody?



Montag, 13. September 2010

Die Internetpartnerbörse


Ein Selbstversuch Teil Eins

Ich glaube nicht an Internetbekanntschaften. Ich glaube an die Magie der Ausstrahlung, die für die chemische Reaktion Liebe verantwortlich ist. Soviel vorab. Dennoch (oder gerade deswegen) habe ich beschlossen, mich einem Selbstversuch zu unterziehen und habe mich bei einer Partnerbörse angemeldet. Diese Anbieter leben, so meine erste Erkenntnis, davon, die Kundschaft in drei Klassen zu unterteilen. Die Gratismitglieder, die Gold-VIPs und die Platin-VIPs. Unnötig anzumerken, dass letztere Services kostenpflichtig sind, dafür Zugang zu diversen Spezialfunktionen und den VIP-Bereich anderer User ermöglichen. Ich habe mich für die Gratisvariante entschieden, wodurch es mir verwehrt bleibt, Bilder in Großaufnahme zu sehen, Nachrichten zu versenden oder perfekte individuelle Partnervorschläge zu erhalten. Aber, wie man im Laden so schön sagt, ich schau ja nur. Also los.
Ich habe alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet und vor allem viel Wert auf meine eigenen Suchkriterien gelegt. Ja, ich bin anspruchsvoll. Nicht zu groß, nicht übergewichtig, nicht zu jung, nicht zu alt, Nichtraucher, eigener Haushalt, kein akuter Kinderwunsch, das sind die Mindestkriterien, danach zählen optische Kriterien (man lese Hexendreimaldrei und Jagdzeit, um näheres darüber zu erfahren ;-) ) und ein gewisser Esprit in der Beantwortung der Persönlichkeitsfragen. Sollte man glauben, nun wäre es ein Kinderspiel, richtig vermittelt zu werden. Irrtum. Schon die Ergebnisliste, die ich mir nach meinen Kriterien anzeigen ließ, lieferte eine Erkenntnis: Wer sucht, der findet erst einmal nicht. Ein, zwei interessante Profile unter hunderten und natürlich genau jene, die schon länger nicht aktiv auf der Seite waren. Dafür beginnt nun das unterhaltsame Spielchen: Wer sucht, wird gefunden, und zwar von den Falschesten unter den Falschen.
Es wäre eigentlich kinderleicht. Unter dem Punkt "Ich suche" stehen meine Kriterien aufgelistet. Deutlich bitte ich auf der Profilseite um Kontaktaufnahme via Nachricht, da ich dem Prinzip des Chattens restlos abgeneigt bin. Ich denke, ich bin zu höflich für diese Kommunikationsform. Ich empfinde es als unhöflich, einfach auszusteigen, da ich aber neben dem Internet immer fernsehe, esse, Tee trinke und so wichtige Dinge wie Augenbrauenzupfen, Bauchmassagegürtelding anlegen, Fotos sortieren und Wohnung putzen erledige, habe ich einfach keinen Nerv, mich auf eine unmittelbare Kommunikation zu konzentrieren. Ich Skype daher auch selten, ungern und nur mit sehr guten Freunden. Außerdem nervt mich diese Chatterunsprache, diese Unfähigkeit, ganze Sätze zu formulieren, die Smileysucht und die Anmaßung von Direktheit.
Wieder zurück in der Flirtplattform. Was passiert? Sobald ich online bin minütliche Chat-Anfragen. Von Rauchern. Von Twens. Von Schwergewichten, von Familienplanern. Wer lesen könnte, wäre im Vorteil. Auch völlige Ignoranz meines umfangreichen Interessenskataloges macht mich staunen. Weshalb kontaktiert mich ein Nichtleser? Ein Sportler? Jemand, der gerne auf Bora Bora im Liegestuhl Urlaub macht? Herrgott, ich lebe fürs lesen und schreiben, ich betreibe keinen Sport, ich will selbständige, starke Männer und ich bin ein Städtetourist der kompromisslosesten Sorte.
Natürlich fragt man sich nach den Gründen. Sind all diese Männer mit ihren unvorteilhaften, lieblos angefertigten Profilfotos so restlos verzweifelt, dass sie einfach jedes weibliche Wesen, das über 13 und unter 60 ist mit Chat-Anfragen attackieren? Denken sie, ihre umwerfende Persönlichkeit wird mich augenblicklich vom Hocker reißen und vergessen lassen, dass sie kettenrauchende Couchpotatoes mit null Interesse an meinen Wünschen, Träumen und Hobbys sind?
Demnächst mehr aus Internetpartnerbörsenwunderland...



Donnerstag, 2. September 2010

Manuskriptparty 1.9.2010


Ein rauschendes Fest...

Gestern Abend habe ich die Fertigstellung des dritten Manuskripts im engsten Freundeskreis mit einer Party gefeiert. Es gab eine Lesung mit Musik, ein Gewinnspiel mit Quiz und Karaokewettsingen, Würstchen, Cocktails, Kuchen und jede Menge Spaß. Seltsamerweise spielten sich die wichtigen Dinge allesamt in der Küche ab, was bestimmt nicht den vegetarischen Seitanwürstchen zuzuschreiben ist. Danke, dass ihr dabei wart Elli, Lissi, Sonja, Stephan, Dina, Karin, Michael, Sabine K., Sabine D., Victoria, Katzi, Richard, Pebo und Herbert! Ihr wart ein super Publikum und noch superere Karaoke-Sänger! Und The Winner Takes It All, nicht wahr, Herbert?
Hier ein paar Impressionen (nein, ich arbeite nicht für die Firma Mackintosh!) und, als absolutes Special Preview, eine kurze Leseprobe aus dem dritten Olivia Roman.





(...)
Mein Blick fällt auf mein eigenes Spiegelbild im zerbrochenen Spiegel über dem kleinen Waschbecken. Das Mondlicht lässt meine Haut fahlblau aussehen, meine Lippen sind ängstlich zusammen gekniffen, Wind und Regen haben jeglichen Versuch einer Frisur erfolgreich vernichtet. Dunkle Ringe unter meinen Augen erinnern mich daran, dass düstere Träume seit geraumer Zeit jeden Schlafversuch unterbinden. Mit gerunzelter Stirn nähere ich mich dem Becken. Es wirkt fast so, als wäre die Verwüstung mitsamt dem Wasser einfach aus dem Hahn geronnen. Die Frage jedoch, die mich beschäftigt, ist eine andere: Was hat das Wasser daran gehindert, wieder abzufließen? Immer noch steht eine beachtliche Menge davon im Becken, obwohl ich den Hahn bereits vor Minuten zugedreht habe.
Schaudernd greife ich in das eisige Wasser und taste nach dem Verschluss. Es ist keiner vorhanden, dafür eines dieser Plastikgitterchen, in dem Haare aufgefangen werden. Ich zerre daran. Zuerst bewegt es sich gar nicht, dann aber, nach einigem hin- und her, kann ich es nach oben ziehen. Doch zu meiner Verblüffung kommt noch etwas anderes zum Vorschein. Denn an dem Gitter hängt, mit dünnem Draht befestigt, ein Plexiglasröhrchen, etwa vom Durchmesser einer Euromünze und vielleicht zehn Zentimeter lang. Das fest verschraubte Gefäß dient offensichtlich dazu, etwas wasserdicht aufzubewahren. Nebenbei hat es den Wasserabfluss gehörig blockiert. Ein geniales Versteck, ein Versteck, das Adrian Alt angemessen ist. Ohne die Überschwemmung wäre ich nie im Leben auf diesen Gedanken gekommen. Triumphierend halte ich das Röhrchen in der Hand.
In dem Moment höre ich die Stimmen. Mindestens zwei. Männerstimmen, draußen vor dem Fenster. Mein Einbruch ist nicht unentdeckt geblieben. Was leuchte ich Hornochse hier auch wild mit der Taschenlampe herum? Höchstwahrscheinlich hat jemand von gegenüber die Polizei verständigt. Jetzt sitze ich in der Falle.
Aber die Polizei kommt durch die Tür, nicht durchs Fenster!
Ich erstarre. Die Stimmen werden lauter, auch wenn ich nicht verstehen kann, was sie sagen. Möglicherweise sind es die Einbrecher. Vielleicht haben sie alles beobachtet und nur darauf gewartet, dass jemand das findet, was sie übersehen haben. Sie werden es mir abnehmen und dann wasweißichwas mit mir anstellen. Am ganzen Körper zitternd weiß ich, dass ich nur eine einzige Chance habe. Hektisch schraube ich das Plexiröhrchen auf und entnehme ihm den Zettel, der sich klein zusammengefaltet darin befindet.
Kleeblattgasse 1b, steht in krakeliger Schrift darauf. Darunter Folge der Spindel!!! mit drei Rufzeichen und wieder darunter der wohl seltsamste Teil der Nachricht: Principum Amicitias!
Ich wiederhole die Worte mehrmals, stecke anschließend den Zettel, wie ich das schon oft im Fernsehen gesehen habe, in den Mund und versuche, ihn zu schlucken. Während ich noch trocken würge und den Brechreiz mit tränenden Augen unterdrücke, passieren mehrere Dinge gleichzeitig. Die Stimmen vorm Fenster stoßen laute Rufe aus, Beine in roten Overallhosen werden durch den von mir geöffneten Spalt geschoben, und die Wohnungstür, gegen die ich mich würgend gelehnt habe, schwingt auf.
(...)

Fortsetzung folgt!




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