Montag, 13. September 2010

Die Internetpartnerbörse


Ein Selbstversuch Teil Eins

Ich glaube nicht an Internetbekanntschaften. Ich glaube an die Magie der Ausstrahlung, die für die chemische Reaktion Liebe verantwortlich ist. Soviel vorab. Dennoch (oder gerade deswegen) habe ich beschlossen, mich einem Selbstversuch zu unterziehen und habe mich bei einer Partnerbörse angemeldet. Diese Anbieter leben, so meine erste Erkenntnis, davon, die Kundschaft in drei Klassen zu unterteilen. Die Gratismitglieder, die Gold-VIPs und die Platin-VIPs. Unnötig anzumerken, dass letztere Services kostenpflichtig sind, dafür Zugang zu diversen Spezialfunktionen und den VIP-Bereich anderer User ermöglichen. Ich habe mich für die Gratisvariante entschieden, wodurch es mir verwehrt bleibt, Bilder in Großaufnahme zu sehen, Nachrichten zu versenden oder perfekte individuelle Partnervorschläge zu erhalten. Aber, wie man im Laden so schön sagt, ich schau ja nur. Also los.
Ich habe alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet und vor allem viel Wert auf meine eigenen Suchkriterien gelegt. Ja, ich bin anspruchsvoll. Nicht zu groß, nicht übergewichtig, nicht zu jung, nicht zu alt, Nichtraucher, eigener Haushalt, kein akuter Kinderwunsch, das sind die Mindestkriterien, danach zählen optische Kriterien (man lese Hexendreimaldrei und Jagdzeit, um näheres darüber zu erfahren ;-) ) und ein gewisser Esprit in der Beantwortung der Persönlichkeitsfragen. Sollte man glauben, nun wäre es ein Kinderspiel, richtig vermittelt zu werden. Irrtum. Schon die Ergebnisliste, die ich mir nach meinen Kriterien anzeigen ließ, lieferte eine Erkenntnis: Wer sucht, der findet erst einmal nicht. Ein, zwei interessante Profile unter hunderten und natürlich genau jene, die schon länger nicht aktiv auf der Seite waren. Dafür beginnt nun das unterhaltsame Spielchen: Wer sucht, wird gefunden, und zwar von den Falschesten unter den Falschen.
Es wäre eigentlich kinderleicht. Unter dem Punkt "Ich suche" stehen meine Kriterien aufgelistet. Deutlich bitte ich auf der Profilseite um Kontaktaufnahme via Nachricht, da ich dem Prinzip des Chattens restlos abgeneigt bin. Ich denke, ich bin zu höflich für diese Kommunikationsform. Ich empfinde es als unhöflich, einfach auszusteigen, da ich aber neben dem Internet immer fernsehe, esse, Tee trinke und so wichtige Dinge wie Augenbrauenzupfen, Bauchmassagegürtelding anlegen, Fotos sortieren und Wohnung putzen erledige, habe ich einfach keinen Nerv, mich auf eine unmittelbare Kommunikation zu konzentrieren. Ich Skype daher auch selten, ungern und nur mit sehr guten Freunden. Außerdem nervt mich diese Chatterunsprache, diese Unfähigkeit, ganze Sätze zu formulieren, die Smileysucht und die Anmaßung von Direktheit.
Wieder zurück in der Flirtplattform. Was passiert? Sobald ich online bin minütliche Chat-Anfragen. Von Rauchern. Von Twens. Von Schwergewichten, von Familienplanern. Wer lesen könnte, wäre im Vorteil. Auch völlige Ignoranz meines umfangreichen Interessenskataloges macht mich staunen. Weshalb kontaktiert mich ein Nichtleser? Ein Sportler? Jemand, der gerne auf Bora Bora im Liegestuhl Urlaub macht? Herrgott, ich lebe fürs lesen und schreiben, ich betreibe keinen Sport, ich will selbständige, starke Männer und ich bin ein Städtetourist der kompromisslosesten Sorte.
Natürlich fragt man sich nach den Gründen. Sind all diese Männer mit ihren unvorteilhaften, lieblos angefertigten Profilfotos so restlos verzweifelt, dass sie einfach jedes weibliche Wesen, das über 13 und unter 60 ist mit Chat-Anfragen attackieren? Denken sie, ihre umwerfende Persönlichkeit wird mich augenblicklich vom Hocker reißen und vergessen lassen, dass sie kettenrauchende Couchpotatoes mit null Interesse an meinen Wünschen, Träumen und Hobbys sind?
Demnächst mehr aus Internetpartnerbörsenwunderland...

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1 Kommentare:

Rhea Schlager hat gesagt…

wie wunderbar ehrlich du schreibst! ich bin schon neugierig auf teil 2!!

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