Donnerstag, 27. Januar 2011

Immer schön cool bleiben!


Im Mai, pünktlich zur Badetaschen-Zeit erscheint das Brigitte Sommerlesebuch "Immer schön cool bleiben". Darin enthalten ist mein "Sommerabendtraum", eine Geschichte über Leni, die am Tag vor ihrer Hochzeit mit Amor persönlich ein riskantes Spiel spielt. Kann sie ihre Liebe zurückgewinnen?

Eine kurze Leseprobe habe ich natürlich auch ganz exklusiv für euch. :-)

Warum heiraten eigentlich alle im Sommer? Was bleibt von der zarten, geblümten Seidenromantik, wenn man in beinahe afrikanischer Hitze darum kämpft, in einer viel zu engen Korsage Luft zu bekommen? Der Schweiß, der aus jeder Pore tropft, vernichtet kunstfertige Frisuren ebenso wie hübsche Gesichtsbemalung und sorgt im schlimmsten Fall dafür, dass man einander nicht mehr riechen kann. Und genau da, bei der olfaktorischsten aller Fragen fängt mein Problem an.

Ich hyperventiliere und zerre am Verschluss des Kleides. Meines Hochzeitskleides, das ich im Winter auf dem Höhepunkt meiner erfolgreichen Glyx-Diät gekauft habe und in das ich zu diesem Zeitpunkt auch mit Müh und Not hineingepasst habe. Das war, bevor der Vorbereitungsstress losging, der eine normale Ernährung verhindert hat. Das war auch vor den zahlreichen Feierlichkeiten, denn aus einem unerklärlichen Grund haben fast alle in meiner Familie zwischen April und Juni Geburtstag. Die Bäckerei unseres Vertrauens gibt uns schon seit Jahren einen Torten-Großeinkaufsrabatt, und die Firma Rennie verdankt uns das berühmte Wiener Frühsommerhoch. Den Todesstoß erhielt mein Hochzeits-Outfit schließlich, als meine Freundinnen am Polterabend ein Cocktailwettmixen veranstalteten, das man nur überleben konnte, wenn man sich dabei mehrere Kilogramm Salz und Fett in Form von Kartoffelchips zuführte.

Es hilft nichts. Es ist der Abend des achtzehnten Juli, keine zwanzig Stunden trennen mich noch von meiner Trauung, und mein letzter Versuch, das Hochzeitskleid probeweise anzuziehen, ist offiziell gescheitert. Die Luft in meiner Neubauwohnung steht. Es hat bestimmt dreißig Grad, daran ändert auch der unermüdliche Fleiß meines USB-Ventilators nichts. Dieses dekorative, aber nutzlose Teil hat mir meine beste Freundin und Trauzeugin Minna zur Beförderung geschenkt. „Meiner hitzigen Leni. Für einen kühlen Kopf im Blätterdschungel“, stand in ihrer schiefen Schrift auf dem Kärtchen. Damals fand ich das witzig. Schließlich arbeite ich als Redakteurin für die zweitpopulärste österreichische Tageszeitung praktisch rund um die Uhr am Computer. Tim lacht jedes Mal, wenn die Rotorblätter des Miniaturventilators sich größte Mühe geben, die Röte aus meinem Gesicht zu fegen.

Ich werde nämlich immer rot. Ich werde rot, wenn ich mich ärgere, wenn ich mich freue, wenn ich mich schäme, beim Sex, in der überfüllten U-Bahn, auf dem Crosstrainer und eben auch wenn ich mich konzentriere.

„Tomatenkopp“, sagt Tim dann immer und weiß ganz genau, wie ich es hasse, wenn er seine norddeutsche Herkunft raushängen lässt.

„Das heißt bei uns Paradeiserschädel, merk dir das, du Affe“, pflege ich ihm zu antworten. Dann legt er lächelnd die Hand an meine Stirn, als würde er Fieber messen, und schüttelt sie anschließend jaulend, als hätte er sich verbrannt.

Tim, denke ich, während ich mit einem Ruck das Kleid nach unten ziehe, Tim, dieser nervende, lächerliche, unerträgliche Kindskopf. Tim mit dem ewigen Babyface und der frisurresistenten Strubbelmähne. Tim, der treffsicher jedes verfügbare Glas umstößt, besonders wenn es eine Substanz enthält, die Flecken macht, die nie mehr rausgehen. Tim, der von jedem Besuch bei Mutti eine Reisetasche voller Tupperware mitbringt, gefüllt mit den schlimmstmöglichen Fischspeisen, damit der arme Junge in Ösiland nicht verhungert. Tim, der Socken drei Tage trägt, wenn man ihn nicht mit gezücktem Küchenmesser daran hindert. Tim, den man zu romantischen Liebesfilmen nicht ins Kino mitnehmen kann, weil er von Anfang bis Ende lauthals lacht und blöde Kommentare loslässt. Tim, der am liebsten fettige Hühnchenflügel mit den Fingern direkt aus der Pfanne isst. Tim, den ich morgen Nachmittag heiraten werde.

Mein Spiegelbild in weißer, einschneidender Satinunterwäsche gräbt sich die Fingernägel in die Oberschenkel, bis sie rote Halbmonde hinterlassen. Nein, das ist kein Albtraum. Das ist eine Scheißkatastrophe! ...

("Ein Sommerabendtraum" in: "Immer schön cool bleiben", Diana Verlag, Mai 2011)



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5 Kommentare:

Saendra hat gesagt…

Danke für den Tipp, Claudia!
Das Buch kommt auf jeden Fall auf meine Urlaubs-Liste! :)
Solche Geschichten sind perfekt für den Strand, da kann ich dank der Hitze meist eh nicht so viel am Stück lesen.
Deine Leseprobe hat mich sehr unterhalten! Ich bin gespannt, welches Spiel Leni mit Amor treibt :)

Liebe Grüße von
Sandra

sweetharmony hat gesagt…

Finde ich spitzenmäßig! Ich habe dieses ganze Prozedere schon hinter mich gebracht. War echt anstrengend so den ganzen Tag in dem schweren Hochzeitskleid herumzulaufen. Aber es war es einfach wert! Und wir hatten großen Spaß und so wie sich der Auszug liest, wird auch das Buch zum Schmunzeln anregen! Freu mich schon drauf!

dropsdrops hat gesagt…

Das sieht doch sehr nach "bekannten Situationen" innerhalb einer Beziehung aus. Das muss ich einfach haben! Ich werde mich da bestimmt wiederfinden! ;-)

soni hat gesagt…

Der Titel klingt schon mal sehr spannend! Mal schaun, was das Buch so an Schmöckereien bereit hält!

Anonym hat gesagt…

... da freu ich mich schon darauf, unterhaltsame Kost für freie Tage. Werde mir das Datum im Kalender vermerken.
LG Riky

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