Mittwoch, 27. April 2011

Totally LOST!

Bevor ich mich dem Leben nach LOST zuwende, muss ich erst einmal meine Erfahrungen in Worte fassen. Diese Worte werden SPOILER enthalten, daher empfehle ich denjenigen, die die Serie nicht kennen und irgendwann sehen wollen, nicht weiterzulesen. Denn was die Faszination von LOST ausmacht, ist der unfassbare Spannungsbogen, und es ist wichtig, das Ende nicht zu kennen.

Zum Ende erst einmal folgendes: Ich bin von diversen Seiten gewarnt worden: Unbefriedigend, schon ab Staffel 4 blöd, schwaches Finale, und so weiter. Ich habe mich trotzdem für LOST entschieden. Und das war gut so. Man kann sowohl vom Lauf der Geschichte als auch vom Ende halten, was man will. Aber es ist auf jeden Fall durchdacht. Unbefriedigend wäre für mich etwas gewesen, bei dem man merkt, dass es an den Haaren herbeigezogen ist oder wo mitten in der Serie Fäden verloren gehen. Klar wird nicht alles im Detail geklärt. Und klar ist es ein Ende, mit dem viele nicht glücklich sind. Aber ich persönlich liebe es ja, wenn mir noch Freiraum bleibt, weiterzudenken. Und den hat mir LOST gelassen. Ich besitze keinerlei religiöse Veranlagung. Darum hätte es meinetwegen auch weniger Katechismus getan. Die Kirche und das Licht, das hätte ich nicht gebraucht. Aber die Idee dieser besonderen Realität, die die Gruppe gemeinsam erschaffen hat, finde ich ein wunderbares Bild für ein "danach", das denkbar ist. Besonders hinreißend auch die Parallele von Anfang und Ende und damit ja eigentlich doch wieder eine andere Realität. Das Thema Selbstopfer ist ja ein Klassiker, kann man ja auch bei den große Fantasyepen Herr der Ringe oder Harry Potter sehen. Einer muss am Ende immer bereit sein, für alle zu sterben. Altbekannt, aber immer wieder gut. Und je länger der Epos - drei Bücher, sieben Bücher oder eben sechs Staffeln - und je stärker die Figuren, desto heftiger erwischt es einen immer wieder von Neuem. Auch Gut gegen Böse ist ein alter Hut, aber ich finde, dass im Gegensatz zur stark eingesetzten Farbsymbolik die Figuren selbst keineswegs schwarz-weiß sind.

Zum Thema Figuren: Selten so gut gesehen. Bei SIX FEET UNDER vielleicht noch besser, aber ansonsten, einsame Spitze. Wunderbar, diese Möglichkeit, die das Medium Film da immer wieder nützt, Rollen mit Schauspielern gemeinsam zu erarbeiten. Das steht einem als Romanautor nicht zur Verfügung und man muss so gut es geht allein zurecht kommen. Da beneide ich die Drehbuchautoren, die so lebendige Menschen vor sich haben. Wenn das, wie im Fall von LOST, so tolle Schauspieler sind wie Matthew Fox, Josh Holloway, Terry O'Quinn, Jorge Garcia oder der beklemmend gute Michael Emerson, dann muss das ein immens befriedigender Job sein. Ich halte die Figur des Benjamin Linus für eine der besten fiktiven Fernsehfiguren, die mir je untergekommen sind und war fasziniert davon, dass die Rolle deswegen so groß wurde, weil die ursprünglich für drei Folgen angelegte Figur so glänzend gespielt wurde. Das zeigt, wie wichtig die Schauspieler tatsächlich sind und welch große Kunst das Schauspiel ist.

Was aber unterm Strich am meisten zählt: LOST hat gewonnen. Ich war von Folge Eins an besessen, hooked, schwer süchtig, ein Junkie ohne Leben abseits des Stoffes. Wenn das einer Geschichte gelingt, hat sie für mich alles richtig gemacht. Und irgendwann in Staffel Drei oder so, habe ich auch kapiert, warum es mich so gepackt hat:

  1. Es könnte von Stephen King sein! Ich glaube, er hüpft wie Rumpelstilzchen, dass das nicht seine Idee war.
  2. Es kommt kein einziger Vampir vor. Auch kein Engel, Dämon, Werwolf oder ähnliches Gedöns. ;-)
  3. Robinson Crusoe, Kings Es und Zeitreisen in einem Topf. Wie geil ist das???
  4. Verschränkte Zeitebenen, multiple Handlungsstränge, Perspektivüberblendungen, Cliffhanger. Muss ich mehr sagen? Das ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zugleich im Ikeakinderparadies mit Champagner, Schokokuchen und Orgasmus. Oder so. ;-)
  5. Siehe 1., 2., 3. und 4. kombiniert mit einem Spannungsbogen, genialen Figuren, toller Cast und Körpern wie Naveen Andrews und Josh Holloway.
So, und jetzt? Ich widerstehe der Versuchung, noch einmal vorne anzufangen, um in der Dramaturgie und Figurenzeichnung zu schwelgen. Das hat bei SIX FEET UNDER schon zu irren Zeit- und Realitätsverlusten geführt. Ich habe schließlich eigene Geschichten zu schreiben. Aber irgendwann einmal möchte ich auch so etwas erschaffen, und sei es nur aus Rache, damit andere mal in ein mehrtägiges Zeitloch fallen. Hehe!


Sonntag, 24. April 2011

Ein spezielles Ostervideo: Meine Top 11 Sexiest Men Alive! :-)



Freitag, 22. April 2011

Soundtrack #1 - Hexendreimaldrei


Ein drittes Mal scheppert es, diesmal so laut, dass ich den Impuls unterdrücken muss, mir die Ohren zuzuhalten. Und etwas Erstaunliches geschieht: Der Märchenprinz, der gerade den Fuß in die Kutsche gesetzt hat, dreht sich um, blickt vage in meine Richtung, dann alarmiert auf das hintere Rad der Kutsche und sagt:
»Habt ihr das gehört?«
Jana sieht ihn mit großen Augen an, der Brautvater blickt verwirrt und meint »Was?«
»Das Geräusch. Es klang wie ... ein Brechen von ... von Metall !«
»Ein Brechen ?«
Janas Gesicht drückt Ratlosigkeit aus, ein paar Gäste neben mir werfen sich augenbrauenhebende Blicke zu. Nur mir, mitten in der Menge, wird mit einem Mal ganz warm ums Herz. Meine Hand tastet nach der gewohnten Stelle an meiner Brust, während Tränen der Erleichterung in meinen Augen stehen. Die Kugel war nie verloren, sie war immer da. Alles fügt sich zusammen wie ein Puzzle mit abertausenden Teilen, das letzte Stück passt, und ich lache glücklich auf, genau in dem Moment, als der Prinz die entscheidenden Worte spricht:
Kutscher, der Wagen bricht !«
Der Urwiener Fiaker sieht ihn ob dieser Aussage nur befremdet an, doch ich stoße mehrere Hochzeitsgäste beiseite, als ich strahlend zur Kutsche laufe, den über alles geliebten Prinzen an der Hand nehme, ihm in die immer noch efeugrünen Augen schaue, und antworte:
»Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als Ihr in dem Brunnen gelegen,
und noch ein Frosch gewesen.«


Freitag, 8. April 2011

Fragen an die Autorin



Dienstag, 5. April 2011

So eine schöne Goldprinz Rezension!!!

Wichtiger Zusatz zu dieser Rezension: 
Auf dem Portal literaturmarkt.info werden Druckkostenzuschussverlage beworben. Ich möchte mich davon klar distanzieren. Ich freue mich über die schöne Rezension und will der Rezensentin keinesfalls Nähe zu Pseudoverlagen unterstellen, aber falls jemand das Portal besucht, sei darauf hingewiesen, dass ich als Autorin keine Werbung für DKZV mache. Ich darf an dieser Stelle besonders zukünftige Autoren auf das Aktionsbündnis für faire Verlage verweisen, deren Arbeit ich voll inhaltlich unterstütze!


Sonntag, 3. April 2011

Neues Video: Accessoires zu meinen Büchern!



Samstag, 2. April 2011

Sehr schönes Interview mit mir in der Leser-Welt!

Liebe Claudia, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst! Wir haben uns bereits im letzten Jahr über deine Arbeit als Schriftstellerin und deine Figur Olivia unterhalten. Nun ist „Goldprinz“, der Abschluss deiner doch ungewöhnlichen Trilogie, erschienen. Bist du froh, dass diese damit abgeschlossen ist?

Ein bisschen schon. Das Ganze hat mich jetzt, seit ich mit dem ersten Band angefangen habe, vier Jahre lang begleitet, und jetzt bin ich froh, dass der Weg zu Ende ist. Deswegen ist ja Olivia nicht zu Ende, denn jede Geschichte geht nach dem Ende weiter. Ich hoffe, dass sie und die Leser auch Freude mit dem Schluss haben. Das war schließlich nicht immer so. Ich fand es immer ganz lustig, als die Leser nach dem ersten oder zweiten Buch meinten „Das Ende ist so enttäuschend und furchtbar“. Ich hoffe jetzt passt es.

Ist denn auch ein wenig Herzschmerz dabei?

Ein bisschen Abschiedsschmerzen habe ich schon. Man muss sich dann halt gleich auf das nächste Projekt und die nächste Figur freuen. Ich verabschiede mich aber auch nicht wirklich, denn Olivia ist immer noch in mir drin.

Auf was darf sich der Leser in „Goldprinz“ freuen? Was erwartet Olivia?

Ich glaube, ihr verrücktestes Abenteuer. Das erste und zweite Buch waren schon ziemlich verrückt, aber diesmal geht’s um die halbe Welt. Es beginnt in Wien und Olivia bekommt den Auftrag, die Welt zu retten. Das Buch hat ein paar Elemente von James Bond - ich bin schon gespannt, ob die James Bond-Fans diese bemerken werden -, und wie James Bond muss sie eine große Reise antreten und in zwei große Städte reisen. Erst geht es nach London und dann nach New York und dort muss sie einem großen Feind, einer großen Verschwörung, gegenüber treten. Es ist diesmal ein richtiger Verschwörungs-Thriller im fantastischen Frauenroman-Bereich – wieder einmal etwas ganz anderes. Ich bin gespannt, wie das Ganze ankommen wird.

So richtig in ein Genre einsortieren lassen sich deine Bücher nicht. Es ist immer von allem ein bisschen drin – Frauenroman, Fantasy, Mystery, Thriller; es ist einfach alles vertreten.

Es lassen sich ja nicht einmal die drei Bücher gemeinsam in ein Genre einsortieren. „Hexendreimaldrei“ war ein fantastischer Märchen-Frauen-Roman, bei dem aber schon die Liebesgeschichte im Mittelpunkt stand. „Jagdzeit“ ist ein Krimi im märchenhaften, fantastischen Bereich und „Goldprinz“ ist ein riesiger Mischmasch aus diversen Sachen; fast ein James Bond in Märchenform.

London ist deine große Liebe. Warst du zu Recherchezwecken für „Goldprinz“ noch einmal dort? Oder war dies gar nicht notwendig?

Man kann immer zu Recherchezwecken nach London fahren. Das Gute ist, wenn man Bücher über London schreibt, kann man jeden London-Aufenthalt steuerlich absetzen [lacht]. Immer wenn ich nach London fahre, sage ich „Das ist Recherche“.
Aber diesmal ist es nicht nur nach London gegangen, sondern auch nach Stratford-upon-Avon, wo ich vorher tatsächlich noch nie war, obwohl ich ein großer Shakespeare-Fan bin. Es ist von London doch ein Stück weit mit dem Zug, man muss schon einen ganzen Tag einplanen und das ist sich bei drei, vier Tagen London-Aufenthalt nie ausgegangen. Aber diesmal habe ich mir extra die Zeit genommen und bin nach Stratford gefahren und dort alle Wege abgegangen. Das hat großen Spaß gemacht.

Bist du auch nach New York geflogen?

Das habe ich sogar angehängt. Ich bin nach London geflogen, bin nach Stratford gefahren und bin dann weiter geflogen nach New York - so, wie Olivia das auch in „Goldprinz“ tut.
New York kannte ich schon vorher, ich war schon zweimal dort. Trotzdem kannte ich es bei weitem nicht so gut wie London, also nicht so westentaschenmäßig, so dass ich schon meine Wege abgehen musste. Ein Großteil spielt im Central Park. Da gibt es so viele tolle Ecken, ich kann das jedem empfehlen – es ist ein Traum! Was dort an fantastischen Geschichten und Verstecken und geheimen Orten drin steckt, das ist schon toll.

Du sprichst mit so viel Begeisterung darüber. Wann kommt dein Reiseführer?

[lacht] Man könnte teilweise meine Bücher als Reiseführer verwenden. Die meisten Orte in London, die in „Hexendreimaldrei“ erwähnt werden, gibt es wirklich, wie zum Beispiel den Brunnen. Und mit „Goldprinz“ kann man durch den Central Park reisen; dort findet man die verschiedenen ‚Landmarks‘ des Central Parks.

Das macht wahrscheinlich auch viel der Atmosphäre in den Büchern aus.

Vielleicht. Diese Karl May-Sache könnte ich ja nicht machen. Ich könnte kein Buch über einen Ort schreiben, an dem ich nicht selbst war. Wenn ich ein Buch an einem bestimmten Ort spielen lassen möchte, dann muss ich dahin reisen. Einfach, um die Atmosphäre zu spüren, es zu erleben und dann einfließen zu lassen.
Es gibt Autoren – das lese ich immer wieder ganz verblüfft -, die mit Google Maps arbeiten. Mit Street View kann man sich mittlerweile Straßenzüge anzeigen lassen, aber das würde mir nicht genügen, weil ich dann nicht wüsste, wie es dort riecht, wie es klingt und welches Gefühl habe ich, wenn ich dort stehe. Ich sage ja auch nicht „So ist London“. Jede Ecke von London ist anders. Und ich hätte nie gewusst, wie ich in „Hexendreimaldrei“ Olivias Weg zum Brunnen hätte schreiben müssen, wenn ich den Weg nicht selbst gegangen wäre. Das war eine ganz verzauberte Stimmung: hohe Luftfeuchtigkeit, Nebel auf dem Weg zum Brunnen, die Glocken haben geläutet – und genau das war für mich die richtige Atmosphäre für diese Szene. Aber das hätte ich mir nicht ausdenken können. Die Ideen entstehen an dem, was man sieht, und nicht nur im Kopf – bei mir zumindest.

Dein nächstes Projekt geht in die Richtung Chick-Lit, ist aber auch wieder ein wenig anders. Spielt es deshalb in Wien, weil du dich dort auskennst und dadurch die Atmosphäre wieder sehr gut transportieren kannst?

Ich habe schon lange überlegt, einen Roman in Wien spielen zu lassen. Das ist der Ort, der mir am nächsten ist, an dem ich geboren bin, wo ich gelebt habe und wo ich alles kenne. Das war ein großer Wunsch. Allerdings werden England und London nicht ganz außen vor bleiben. Es gibt eine Figur, die ein wenig London nach Wien bringt. Das ist ein bisschen mein Anklang an meine London-Liebe.
Der Roman wird Chick-Lit sein, wobei ich den exakten Begriff gar nicht verwenden würde. Das sind für mich immer die Prosecco trinkenden, in Cocktailbars rumhängenden Großstadtfrauen in hohen Schuhen. So also nicht. Es wird eine Geschichte einer sehr realen, sehr echten Frau in Wien sein, die mal eine andere Story erlebt, als normale Chick-Lit-Heldinnen.

Dann dürfen wir ja gespannt sein! Und was ist mit der Tütüfee? Wann bekommt die ihren eigenen Roman?

[lacht] Sie bettelt mich ja immer an und hängt mir dauern in den Ohren: „Ich möchte jetzt meine eigene Geschichte, ich möchte nicht immer nur eine Nebenfigur sein“. Und wo sie so pink ist möchte sie in pinkes Buch, in dem es nur um sie geht. Aber ich glaube, das würde nicht funktionieren. Sie ist schon als Nebenfigur viel zu präsent. Sie würde sich so in den Vordergrund drängen und dadurch keinen Platz mehr für andere Figuren lassen. Das wäre dann ein Monolog der Tütüfee – das ist ja wohl nichts.
Aber es wird – das kann ich versprechen – weitere Tütüfee-youtube-Episoden geben. Die Tütüfee wird mich sicher noch weiter begleiten und mich ab und zu besuchen und vielleicht auch mal andere Bücher von den Kollegen vorstellen. Aber Raum für ein Buch würde ich ihr nicht geben.

Wenn man auf deinem Blog vorbeischaut, findet man öfter Videos mit dir, in denen du aus deinem Buch liest oder Gewinnspielpreise verlost. So auch das letzte, in dem die Tütüfee im Mittelpunkt stand. Ganz abgesehen von der irren Verkleidung: Wieviel Tütüee steckt in dir bzw. wieviel Claudia steckt in der Tütüfee?

Ich stelle fest, wenn ich in diese Rolle schlüpfe oder wenn diese Rolle durch das Kostüm in mir lebendig wird, dass das ganz natürlich kommt. Das ist erstaunlich, weil ich sonst gar nicht so tütümäßig bin. Ich finde es aber wunderschön, auch mal albern sein zu dürfen. Es gibt so viel Ernstes im Leben, es gibt so viel Tragisches in den Nachrichten, das einen betroffen macht, und es ist einfach herrlich, sich dann mal albern benehmen und albern in eine Kamera reden zu dürfen - und eine Tütüfee zu sein. Ich finde, jeder sollte immer ein bisschen Tütüfee in sich haben und sie auch mal raus lassen.

Obwohl das Ganze sehr crazy ist, wirkt es dennoch nicht aufgesetzt, sondern trotzdem unheimlich natürlich. Ich habe mir das Video gerne angesehen und musste sehr viel lachen. Stehst du gerne vor der Kamera?

Das ist auch eine Sache, die ich neu an mir entdeckt habe. Das hätte ich früher gar nicht von mir gedacht, dass ich so gerne vor der Kamera oder vor Publikum stehe. Aber es macht Spaß. Ich beobachte dann auch gerne die Klicks, die mir zeigen, dass sich viele Leute die Videos ansehen, dass sie ihnen gefallen und Kommentare dazu schreiben. Ich finde, wenn man Leuten damit ein bisschen Unterhaltung geben kann, ist das toll. Wenn man sich anschaut, was sich auf youtube tut - auch die Bücherblogger, die Buchrezensionsvideos drehen –, das ist eine ganz tolle Sache, die da entsteht. Das Internet wird dadurch so viel persönlicher. Früher war das Internet ein schriftliches, ein anonymes Medium. Da war irgendein Nickname, hinter dem sich jemand versteckt und in Foren oder sonst wo geschrieben hat. Man konnte sich kein Bild machen. Und mittlerweile trauen sich Menschen eine Kamera einzuschalten und sich davor zu präsentieren. Das finde ich toll. Es ist so viel persönlicher, wenn ich den Menschen sehe.
Nicht jeder kann das sofort, man muss sich erst mal dort hinein finden. Aber es ist so berührend. Eine Freundin hat mir mal den Ausdruck „Die Unwiderstehlichkeit der Persönlichkeit“ genannt; also dass jeder Mensch, jedes Individuum, unwiderstehlich ist, weil jeder einzigartig ist. Und genau das kommt für mich rüber, wenn ich diese Videos betrachte. Das sind alles einzigartige Menschen und das überträgt sich viel mehr, als wenn ich nur einen Nicknamen und das Geschrieben sehe.

Du bist selbst viel im Internet unterwegs: Auf deinem eigenen Blog, auf Facebook, aber auch in Foren, in denen du Leserunden begleitest - so auch ab dem 30.04.11 im Leser-Welt-Forum zu „Goldprinz“. Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt mit deinen Lesern?

Sehr wichtig. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, dass Autoren früher in ihrem Kämmerchen gesessen, ihre Bücher veröffentlicht und nie erfahren haben, wie diese ankommen bzw. nur von irgendwelchen Profi-Rezensenten.
Es ist zwar nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und es kommt auch mal Feedback, bei dem man schlucken muss oder bei dem jemand sagt „Ne, das Buch ist einfach nicht meins“. Das nimmt man dann zur Kenntnis und versteht das auch - man hat ja selbst schon so viele Bücher gelesen, bei denen man sagt „Ist nicht meins“; auch bei erfolgreichen und tollen Beststellern. Es kann nicht jedem jedes Buch gefallen. Aber es gleicht sich dann aus, wenn man so viel positives und tolles Feedback bekommt. Und mir ist es sehr wichtig, das Feedback zu bekommen und Kontakt mit denjenigen zu haben. Das ist ja nicht irgendwer, sondern das sind die Menschen, die meine Bücher lesen und in meine Geschichten eintauchen, die sich Zeit nehmen dafür. Man muss vor jedem Leser den Hut ziehen, denn jeder Mensch hat so wenig Zeit. Ich merke es ja selbst: Ich habe keine Zeit diese ganzen Bücher zu lesen, die ich habe. Deswegen ist mir jeder Leser wichtig, weil jeder Leser sich diese ganzen Stunden, die er braucht, um das Buch zu lesen, nimmt. Das berührt mich. Das ist Lebenszeit, die da jemand investiert. Und das ist mir sehr wichtig.

Wie gehst du mit Kritik um? Ich denke, beim ersten Buch war das noch am Schwierigsten, wenn jemand etwas Negatives dazu gesagt hat. Wächst man mit der Zeit an der Kritik insofern, dass man sich diese nicht mehr ganz so sehr zu Herzen nimmt? Wobei das wahrscheinlich auch darauf ankommt, wie konstruktiv die Kritik ist.

Konstruktive Kritik ist Kritik, die sagt „Mir hat das, das, das gefallen, aber da gibt’s diese Sache, die hat nicht gepasst“. Da konnte ich auch viel annehmen nach dem ersten Buch. Was mich beim ersten Buch immer sehr getroffen hat, wenn jemand schrieb, dass er die Heldin furchtbar naiv oder dumm fand, weil halt sehr viel von mir in ihr steckt. Und das ist sehr hart, weil man das sehr persönlich nimmt. Aber das hört dann in den anderen Büchern auf. Olivia ist zwar immer noch eng mit mir verwandt, aber ich habe nicht mehr so viel von mir privat hineingesteckt. Das steckt alles in „Hexendreimaldrei“.

Das heißt, Olivia ist ein Stück selbstständiger geworden, ein bisschen weniger Claudia?

Sie hat sich wegentwickelt. So wie sie jetzt in „Goldprinz“ ist, so wäre ich vielleicht gerne. Sie ist viel mutiger und stärker geworden. In „Hexendreimaldrei“ war sie noch sehr naiv und auch teilweise sehr blind. Aber für mich war das normal, weil jeder so ist - weil ich auch so bin.

Ist in deiner neuen Figur auch wieder ein Stück Claudia? Bleibt das vielleicht auch nicht aus? Oder ist sie sehr eigenständig?

Ich glaube, um eine Figur zu schreiben, die wirklich lebendig ist, wirklich echt ist, muss schon zumindest ein Stück vom Autor drin sein. Ein Stück von dem, was man selbst erlebt hat, was man selbst fühlen kann. Mir eine Figur auszudenken und dieser irgendwelche Eigenschaften zu geben, die gar nicht mit mir verwandt ist, das würde mir schwer fallen. In jeder meiner Figuren steckt ein Stückchen von mir, und in den Hauptfiguren wahrscheinlich ein Stückchen mehr, weil sie die größeren Rollen haben.
Die neue Figur wird komplett anders sein als Olivia, fast das Gegenteil, aber eben trotzdem ein Teil von mir, weil ein Teil von mir ja auch anders ist als Olivia. Alles, was an Olivia so ein bisschen tussimäßig war - mit Schuhtick und Handtaschen –, das fällt weg. Das ist bei mir nur ein Teil, das habe ich manchmal. An manchen Tagen ziehe ich mich gerne schön an, schminke mich und mach mich zurecht. An anderen Tagen hänge ich gerne im Jogginganzug auf meinen Sofa und schau mir im Fernsehen Sachen an oder lese ein Buch nach dem anderen. Der Teil ist auch in mir. Und in der neuen Figur wird eher eine andere Art von Frau auftreten.

Steht schon fest, wann dieses Buch erscheinen wird? Oder ist das alles noch in den Planungen?

Es sieht nach Sommer 2012 aus. Aber die Planungen laufen gerade erst.

Das heißt, wir müssen gespannt warten?

Wir müssen noch ein bisschen warten, bis alle Sachen unter Dach und Fach sind und alle Titel und Zeitpunkte feststehen.

Bis dahin freuen wir uns darauf. Und ich danke dir, dass ich dir wieder ein paar Fragen stellen durfte.

Ich danke auch.

Hinweis: Dieses Interview wurde live am 19.03.2011 auf der Leipziger Buchmesse geführt.

(Jana Trautmann für die Leser-Welt: Toman, Claudia (2011))



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