Mittwoch, 27. April 2011

Totally LOST!

Bevor ich mich dem Leben nach LOST zuwende, muss ich erst einmal meine Erfahrungen in Worte fassen. Diese Worte werden SPOILER enthalten, daher empfehle ich denjenigen, die die Serie nicht kennen und irgendwann sehen wollen, nicht weiterzulesen. Denn was die Faszination von LOST ausmacht, ist der unfassbare Spannungsbogen, und es ist wichtig, das Ende nicht zu kennen.

Zum Ende erst einmal folgendes: Ich bin von diversen Seiten gewarnt worden: Unbefriedigend, schon ab Staffel 4 blöd, schwaches Finale, und so weiter. Ich habe mich trotzdem für LOST entschieden. Und das war gut so. Man kann sowohl vom Lauf der Geschichte als auch vom Ende halten, was man will. Aber es ist auf jeden Fall durchdacht. Unbefriedigend wäre für mich etwas gewesen, bei dem man merkt, dass es an den Haaren herbeigezogen ist oder wo mitten in der Serie Fäden verloren gehen. Klar wird nicht alles im Detail geklärt. Und klar ist es ein Ende, mit dem viele nicht glücklich sind. Aber ich persönlich liebe es ja, wenn mir noch Freiraum bleibt, weiterzudenken. Und den hat mir LOST gelassen. Ich besitze keinerlei religiöse Veranlagung. Darum hätte es meinetwegen auch weniger Katechismus getan. Die Kirche und das Licht, das hätte ich nicht gebraucht. Aber die Idee dieser besonderen Realität, die die Gruppe gemeinsam erschaffen hat, finde ich ein wunderbares Bild für ein "danach", das denkbar ist. Besonders hinreißend auch die Parallele von Anfang und Ende und damit ja eigentlich doch wieder eine andere Realität. Das Thema Selbstopfer ist ja ein Klassiker, kann man ja auch bei den große Fantasyepen Herr der Ringe oder Harry Potter sehen. Einer muss am Ende immer bereit sein, für alle zu sterben. Altbekannt, aber immer wieder gut. Und je länger der Epos - drei Bücher, sieben Bücher oder eben sechs Staffeln - und je stärker die Figuren, desto heftiger erwischt es einen immer wieder von Neuem. Auch Gut gegen Böse ist ein alter Hut, aber ich finde, dass im Gegensatz zur stark eingesetzten Farbsymbolik die Figuren selbst keineswegs schwarz-weiß sind.

Zum Thema Figuren: Selten so gut gesehen. Bei SIX FEET UNDER vielleicht noch besser, aber ansonsten, einsame Spitze. Wunderbar, diese Möglichkeit, die das Medium Film da immer wieder nützt, Rollen mit Schauspielern gemeinsam zu erarbeiten. Das steht einem als Romanautor nicht zur Verfügung und man muss so gut es geht allein zurecht kommen. Da beneide ich die Drehbuchautoren, die so lebendige Menschen vor sich haben. Wenn das, wie im Fall von LOST, so tolle Schauspieler sind wie Matthew Fox, Josh Holloway, Terry O'Quinn, Jorge Garcia oder der beklemmend gute Michael Emerson, dann muss das ein immens befriedigender Job sein. Ich halte die Figur des Benjamin Linus für eine der besten fiktiven Fernsehfiguren, die mir je untergekommen sind und war fasziniert davon, dass die Rolle deswegen so groß wurde, weil die ursprünglich für drei Folgen angelegte Figur so glänzend gespielt wurde. Das zeigt, wie wichtig die Schauspieler tatsächlich sind und welch große Kunst das Schauspiel ist.

Was aber unterm Strich am meisten zählt: LOST hat gewonnen. Ich war von Folge Eins an besessen, hooked, schwer süchtig, ein Junkie ohne Leben abseits des Stoffes. Wenn das einer Geschichte gelingt, hat sie für mich alles richtig gemacht. Und irgendwann in Staffel Drei oder so, habe ich auch kapiert, warum es mich so gepackt hat:

  1. Es könnte von Stephen King sein! Ich glaube, er hüpft wie Rumpelstilzchen, dass das nicht seine Idee war.
  2. Es kommt kein einziger Vampir vor. Auch kein Engel, Dämon, Werwolf oder ähnliches Gedöns. ;-)
  3. Robinson Crusoe, Kings Es und Zeitreisen in einem Topf. Wie geil ist das???
  4. Verschränkte Zeitebenen, multiple Handlungsstränge, Perspektivüberblendungen, Cliffhanger. Muss ich mehr sagen? Das ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zugleich im Ikeakinderparadies mit Champagner, Schokokuchen und Orgasmus. Oder so. ;-)
  5. Siehe 1., 2., 3. und 4. kombiniert mit einem Spannungsbogen, genialen Figuren, toller Cast und Körpern wie Naveen Andrews und Josh Holloway.
So, und jetzt? Ich widerstehe der Versuchung, noch einmal vorne anzufangen, um in der Dramaturgie und Figurenzeichnung zu schwelgen. Das hat bei SIX FEET UNDER schon zu irren Zeit- und Realitätsverlusten geführt. Ich habe schließlich eigene Geschichten zu schreiben. Aber irgendwann einmal möchte ich auch so etwas erschaffen, und sei es nur aus Rache, damit andere mal in ein mehrtägiges Zeitloch fallen. Hehe!


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3 Kommentare:

BlueNa hat gesagt…

Ich wäre völlig dabei, wenn du uns mal sowas in Buchform schenken würdest!!!! :-*

Buchstapel hat gesagt…

LOSt war geil. Es war genau die richtige Entscheidung es zu schauen. Ich hoffe, dass du auch noch mal nach vielen vielen Jahren an diese Serie denken wirst. ich habe das ganze immer noch nicht so ganz verkraftet :D
:P

Kevin

Stefan (bücherplausch) hat gesagt…

Namaste! Ich WUSSTE, dass dir LOST gefallen würde. Für mich immer noch das TV-Phänomen seit Twin Peaks, nur viel konsequenter umgesetzt. Kann mich auch noch sehr gut an unsere Loststammtische seit Season 4 erinnern und auch daran, dass keiner von uns nach dem Finale je ein Wort darüber verloren hat. Wir alle haben uns angesehen, gewusst, dass wir sechs Jahre unseres Lebens in einen unglaublichen Stoff investiert haben, und das wir alle etwas eigenes davon wegtragen werden. Ich werd auch jetzt nicht sagen, was ich vom Ende halte, nur soviel: Wir hatten echt nicht damit gerechnet. Eine traumhafte Serie, und unglaublich beeindruckend in ihrer Ausführung.

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