Freitag, 6. Mai 2011

Fangirl Again...



Damit hätte auch niemand gerechnet. Mit meinen reifen zweiunddreißigeinhalb Jahren werde ich tatsächlich noch mal zum Fangirl. Das hatte ich zuletzt zu Beginn dieses Jahrtausends, als im Wiener Raimundtheater Hair aufgeführt wurde und der hinreißende Drew Sarich das Bühnenlicht der Weltkarriere erblickte. Damals stand ich mit klopfendem Herzen vorm Haupteingang, bis endlich Einlass war, stürzte zur Besetzungstafel, um zitternd mein Urteil zu lesen: Spielt er oder spielt er nicht?
Sage und schreibe neun Jahre sind seither vergangen. Mit dreindzwanzig ist so ein Verhalten ja durchaus normal oder zumindest weitestgehend toleriert. Aber jenseits der Dreißig sollte man das Fangirltum hinter sich gelassen haben. Jedenfalls dachte ich das. Bis ER kam.
Ramin Karimloo ist genau elf Tage älter als ich. Und eigentlich habe ich mich in seine Stimme verliebt, als ich im vergangenen Jahr in London "Love Never Dies" gesehen habe, die Fortsetzung vom Phantom der Oper. Die Rolle des Phantoms hat es so an sich, dass das Gesicht des Darstellers weitgehend verunstaltet und mittels Maske verhüllt ist. Die Erotik dieser Figur liegt also ganz allein in Stimme und Charakter, was ja auch Hauptthema der Geschichte selbst ist. Jedenfalls hörte ich die grandios gesungene Version von "Til I hear you sing", eines der besten Lieder, das Webber je komponiert hat, hörte sie wieder und wieder und wieder, hingerissen von Schmerz, Leidenschaft und Männlichkeit in dieser Stimme. Und das alles ohne ein Gesicht dazu vor Augen zu haben. Bis zum Jubiläumskonzert 25 Jahre Les Mis. Für alle, die es nicht wissen: Ich bin ein Enjolras-Girl. In jeder Aufführung warte ich ungeduldig auf den Moment, wo die Studenten zum ersten Mal in Paris auftreten: "Where are the leaders of the land? Where are the swells, who run this show?" In neunzig Prozent der Fälle bin ich enttäuscht, denn Enjolras, dieser Anführer der Revolution, muss förmlich vor Leidenschaft explodieren, er muss die Bühne mit seiner Aura zum Leuchten bringen. Das kommt selten vor. Doch beim Jubiläumskonzert ist es passiert. Mit Donner und Blitz. Da stand ein Mann auf der Bühne, der irgendwie so aussah, als hätte ihn ein böswilliger Gott aus dem Himmel geschubst, weil die anderen Engel befunden haben: Der ist zu schön! Dieser Mann stand plötzlich auf der riesigen Bühne, machte den Mund auf und ich war wieder ein Fangirl.
Das geht doch gar nicht. Es ist eigentlich unanständig. Man kann nicht so aussehen, so eine Stimme haben, so ein Schauspieltalent und dann auch noch ein normaler, netter Typ mit Humor sein.  Hetero auch noch! Seit Tagen bin ich jetzt wild durch Youtube gepirscht, auf der Suche nach irgendeinem Fehler. Ein Pickel auf der Nase oder ein schiefer Ton, ein besoffener Auftritt, ein arrogantes Gelaber, irgendwas. Stattdessen finde ich heraus, dass der Kerl auch noch Lieder für seine Band Sheytoons schreibt, von eigentlich jedem Fan, der je beim Bühneneingang gewartet hat als knuffig, lieb und gentlemanlike beschrieben wird und scheinbar nicht nur zu den talentiertesten, sondern auch zu den beliebtesten Musicaldarstellern alive zählt. Einziges wirkliches Manko: Er ist glücklich verheiratet.
Das zweiunddreißigeinhalbjährige Fangirl macht sich jedenfalls nächste Woche zur vor Ort Recherche auf. Weil das geht so nicht! Dieser Mann ist zu toll als dass es ihn wirklich gibt. Daher werde ich  mich höchstpersönlich am Stage Door von Love Never Dies platzieren, um zu überprüfen, ob er nach der Vorstellung
a. die Flügel ausbreitet und heimwärts gen Himmel fliegt,
b. von den Technikern des Theaters an den Akku gehängt und im Fundus verstaut wird oder
c. womöglich nur eine kollektive Wunschvorstellung der weiblichen Erdbevölkerung ist, die in einem Akt gemeinsamer Law of Attraction Telepathie allabendlich zum Leben erweckt wird.
Der dazugehörige Bericht folgt! tbc...

PS: Rrrrrrrrrrrrrrrrrrramin!!! Lass mich die Maske sein! ;o)



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