Samstag, 21. Mai 2011

Ich hatte ein Ticket für den Weltuntergang, aber er wurde abgesagt!


Judgement Day sagen die Engländer dazu. Der 89-jährige Harold Camping hat die Bibel analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Welt am 21. Mai 2011 um 18h der jeweiligen Ortszeit untergeht. Dabei kommt es zur "Entrückung" - gläubige Christen werden bei dieser Gelegenheit gerettet, alle anderen müssen auf der Erde bleiben und enden 5 Monate später in der Hölle, bei dreihundert Grad mit Aufguss oder so.
Ausgestattet mit der passenden Henkersmahlzeit - Frappuccino und Chocolate Caramel Shortbread - sowie dem perfekten Weltuntergangssoundtrack (Les Misérables - One day more) bin ich daher um 17:30 Greenwich Time zum Piccadilly Circus gepilgert. Fein, dachte ich, dass ich grad in London bin. Wenn man mich nämlich fragen würde, an welchem Platz ich am Liebsten untergehen möchte, dann wäre das der Piccadilly Circus, der für mich sowieso immer der Mittelpunkt der Welt war. Da saß ich nun, inmitten gackernder Französinnen, bei traumhaftem Sonnenschein, während zwei Afro-Europäer im Schweiße ihres Angesichts trommelten. Ich aß mein letztes Shortbread und trank meinen Henkersfrappuccino und wartete.
Etwas Eigenartiges geschah: Ich war wirklich bereit. Es gab nichts, das ich bedauerte, nichts, das ich mir vorzuwerfen hatte, nicht mal Dinge, die ich noch unbedingt hätte machen wollen. Ein Lebensdrittel ist zu Ende gegangen. Ich war komplett mit mir im Reinen. Ein komisches, ungewohntes Gefühl. Schließlich gibt es immer so viel, das man sagen, tun, erleben, erreichen, lernen und verstehen möchte. Doch heute um Punkt achtzehn Uhr hätte die Apokalypse ruhig stattfinden können.
Sie tat es natürlich nicht. Warum sollte die Welt auch auf die Zahlenspielereien eines alten religiösen Fanatikers hören? Während der wunderbare R.K. zu einem mitreißenden "One more day before the storm" ansetzte und die Französinnen weiterflatterten, ging das Jüngste Gericht unspektakulär vorüber. Ich knipste ein Erinnerungsfoto und wollte schon aufbrechen, als ich das Foto auf dem Display sah. Und so seltsam das klingt: Ich hab den Sinn des Judgement Day verstanden. Es geht nämlich nicht darum, dass irgendwer auf einem Wölkchen oder im Feuerchen landet. Es geht nicht um Belohnung und Strafe, Tod oder Wiedergeburt. Worum es geht, ist nur der Zustand des in sich Ruhens. Es geht um den Mensch selbst und seine Erkenntnis. Von all den Slogans und Werbebotschaften, die die Reklamewand des Piccadilly Circus zu bieten hat, bekam ich am 21.5. um 18:00 folgende Botschaft:


In diesem Sinne habe ich jetzt ein Motto für die nächsten zwei Drittel meines Lebens.
Danke Harold Camping! Ich hoffe nur, Sie sind nicht zu enttäuscht, wenn Sie morgen Früh in Ihrem Bett aufwachen statt an der Himmelspforte. Ich für meinen Teil bin zufrieden. :-)



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4 Kommentare:

Melear hat gesagt…

Schön!

Claudia Toman hat gesagt…

:-)

Jeanine hat gesagt…

Eine sehr vernünftige Einstellung ;-)

pieks hat gesagt…

Und vor allem auch das 'We will either find a way, or make one' darunter... (:

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