Montag, 31. Oktober 2011

Entzauberung

Nimm die Schmerzstiche
und die Blutkrusten!
Nimm das Augenrot
und das Herzschwarz!
Nimm die Salzhaut
und die Nägelbisse!

Pack sie gut in Watte,
Wickel sie fest in Folie,
Tauche sie tief in Klebstoff!
Dann hülle sie in Papier,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Nimm den ersten Zweifel
und die letzte Sorge!
Nimm den lautesten Schrei
und den leisesten Seufzer!
Nimm die bitterste Stunde
und die süßeste Täuschung!

Lege sie Schicht auf Schicht,
Immer Kante an Kante,
Lass keinen Abstand dazwischen!
Dann wirf das Papier obenauf,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Nimm die Farbe seiner Lippen
und seiner Liebe!
Nimm die Tönung seiner Haare
und seiner Worte!
Nimm die Schattierung seiner Haut
und seiner Lügen!

Mische sie gut mit den Tränen,
Gieße sie sanft in den Eimer,
Damit die Wut sich entzündet!
Dann ertränke alles in Feuer,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Wasche deine Hände in Asche
und dein Herz in Feuer!
Lass den Regen es löschen
und den Wind beides verwehen!
Dann dreh dich um und geh
In die entgegengesetzte Richtung!

(inspired by M.)


Sonntag, 23. Oktober 2011

+++Konzertkritik+++ Eine Nacht mit dem Phantom

Ramins Stern steht derzeit enorm hoch am Musicalhimmel. Trotzdem hat er sich an einen Stern nicht herangewagt.  Und das ist vielleicht gut so. Aber von Anfang an...


Dinge, die man zum ersten Mal im Leben tut. Zum Beispiel für ein einzelnes Konzert nach Manchester fliegen. Ziemlich genau ein Jahr begleitet mich Ramin Karimloo nun. Er tauchte als Enjolras beim 25er Les Misérables Konzert mit geballter Faust und wehender Fahne auf und entführte mich als Phantom der Oper nach Coney Island und in Tiefen der Kellergewölbe des Gehirns eines autistischen Genies, wie es Laroux' Erik eigentlich ist. Das große Finale dieses Jahres, das mich zu den Wurzeln meiner Theaterliebe zurückgeführt hat, fand schließlich am 2.10. in London beim 25er Phantom Konzert statt. Aber ich habe einen anderen Abschluss gewählt, um noch einmal alles Revue passieren zu lassen: Ramins Konzertreise "A Night with the Phantom". Dafür ist selbst ein so hässlicher Ort wie Manchester eine weite Reise wert.
Ist es das? Ich weiß zumindest jetzt wieder genau, warum ich solche Konzerte eigentlich nicht mag. Songs, aus dem Zusammenhang gerissen, aneinander gestöpselt, durch Orchestereinlagen künstlich in die Länge gezogen, durch Gastauftritte "bereichert" und bei fragwürdig gepfuschter Ton- und Lichttechnik in Sälen, die nicht für Mikrofongesang gebaut wurden: All das spricht gegen entsprechende Veranstaltungen. Und nichts davon blieb mir in der Manchester Bridgewater Hall erspart. Ganz ehrlich und bei aller Liebe zu den Technikern des Theaters: Ein Tontechniker, der den Mikroeinsatz verpennt, sodass die ersten gesungenen Worte des Abends "Some enchanted evening" nicht hörbar sind, gehört gefeuert. Aber so was von. Und noch ehrlicher: Ich finde es ja lobenswert, dass Teenager von den Jurys dieser Welt zum singen animiert werden, aber wer um Himmels Willen Britain's got Talent Teilnehmerin Olivia Archbolds Version von "In the arms of an angel" bei einem Programm namens "A night with the Phantom" gebraucht hat, weiß ich nicht. Wenn sie die Bacharach Nummer, die sie als zweites gesungen hat, nicht so arg versemmelt hätte, hätte ich sie womöglich einfach nicht erwähnt (Kinder und drollige Tiere kritisieren ist böse), aber selbst wenn sie ein Zwergpudel wäre, der mit Bällen jonglieren kann, hätte sie keinen Sinn gemacht.
So viel zur Kritik. Das Welsh Concert Orchestra unter der Leitung von David Shrubsole verbreitete gute Laune und klang schön bei der Ouvertüre von SOUTH PACIFIC. Also konnte es eigentlich losgehen. Allerdings dauerte es etwas. "Some enchanted evening", "If ever I would leave you" und "If I loved you" sind zwar Lieblingsnummern von mir, Kultklassiker, aber Ramin tat sich schwer damit, warm zu werden. Ich glaube, das kann man allgemein sagen: Ramin gehört auf eine richtige Bühne, in ein richtiges Stück. Seine große Kunst ist die Verkörperung, nicht das Nachsingen von Oldies but Goldies. Denn das können andere besser. Sogar Alfie Boe. 
Speaking of Alfie: Großen Mut und zugleich große Weisheit beweist Ramin mit der gravierendsten Programmänderung des Abends. Er wollte sich an einer Rolle in LES MISÉRABLES versuchen, die er noch nicht gesungen hat. Und traf die richtige Entscheidung. Es gehört Mut dazu, sich mitten im Alfie Boe Hype in eine Konzerthalle zu stellen und "Bring him home" zu singen. Aber das angekündigte "Stars" hätte einen viel gefährlicheren Vergleich nach sich gezogen. Also sang Ramin Jean Valjean und endlich war er da, der begnadete Stern des West End. Endlich spürte man die emotionale Intelligenz dieses großen Künstlers und er sang den ganzen Opern-Alfie an die Wand, weil er Gefühle vibrieren lassen kann. Großes Kino. Ich zweifle nicht daran, dass er der nächste große Valjean wird. Dermaßen beschwingt schwebte er auch durch die MISS SAIGON Nummern "Why, god, why" und das Duett "Last night of the world". Man merkte, dass er die Rolle gesungen hat und er brachte sie glaubwürdig rüber. Die Duettpartnerin des Abends war Celia Graham. Sie fühlte sich aus irgendeinem Grund dazu berufen, zwischendrin Jazz und Judy Garland zu singen. Nött. Synonym für nett aber nö. Ich habe sie als Christine in Love Never Dies wirklich geliebt, aber ihre Stimme ist nicht die größte aller und ihr verhuschtes Auftreten weit von einer Leading Lady entfernt, daran ändern auch vier verschiedene Kleider und mehrere Frisuren im Lauf des Abend nichts. Nött halt. Völlig überflüssig war das Finale des ersten Teils. Wer auch immer auf die glorreiche Idee gekommen ist, dass sich "Do you hear the people sing" dafür eignet, von einem Enjolras in Begleitung von ein paar Background-Vocals konzertant gesungen zu werden, sollte strafweise Barrikadendienst verrichten. Zwar war der französische Einstieg wieder witzig, aber besser aussprechen kann er es immer noch nicht. Peuple klingt bei Ramin weiterhin wie etwas, das eine Ziege als Kommentar zu saurem Gras fallen lässt. ;-) Sein verzweifelter Versuch, das Publikum schließlich zum Studentenchor zu machen, ist grandios gescheitert. Eine Art peinliches Unding kam heraus. Als die besonders piepsige blonde Backgroundsängerin "The blood of the martyrs will water the meadows of France" kiekste, dachte ich: WTF? statt WDF! (Insider!).

- Pause -

Der zweite Teil startete mit SUNSET BOULEVARD. Ein erklärtes Lieblingsmusical, sowohl von Ramin als auch von mir. Er brauchte wieder etwas, um in den Titelsong reinzukommen. Kaltstart liegt ihm einfach nicht. Und "Too much in love to care" war fein, auch wenn ich bereits erste Symptome einer übernöttung hatte, als Celia Graham in Kleid Nummer drei und Frisur zwei(einhalb?) die Bühne betrat. Nachdem der talentierte britische Teenager dann mit Bällen oder Tönen jongliert hatte, wurde es endlich spannend. Ramin kündigte zwei komplett neue Songs an, die im Jänner auf seinem Album erscheinen werden. "Constant Angel" und "Coming Home". Und ich muss sagen: I like. Ganz viel sogar. Es sind durchaus Songs "im Theaterstil", die Ramins Stimme entgegenkommen, zuckersüße Melodien haben und mit Orchester super klingen. Das lässt Vorfreude aufkommen! Und dann war es endlich so weit. Die Nacht mit dem PHANTOM wurde eingeläutet. Nach einem Orchestermedley starteten Ramin und Celia mit dem Hauptduett. So kurz nach Sierra Boggess und Sarah Brightman ist das für mich schwer. Aber sie hat es ganz ok gemacht. Nett. Sogar ohne ö. Und dann hat Ramin den Vergleich doch noch heraufbeschworen, als er sich an "All I ask of you" wagte. Und nein, er wird nie ein guter Raoul sein. Nicht mal ein recht guter. Falls das zu beweisen war, hat er es jetzt bewiesen. Ich hatte andere Bilder vor Augen und andere Klänge im Ohr dabei. Nach den Sternen greifen ist einfach nicht gut für Ramin. ;-)
Und dann ist es passiert. Die ersten paar Töne des Coney Island Walz und die Tränen waren da. Fort die sarkastische Distanz, fort die geistreichen Bonmots und fort sogar der eingebildete Vicomte de Chagny. Weil die Liebe plötzlich wieder unsterblich war. Und ich tragischerweise erkannt habe, dass mein Herz immer noch auf Coney Island weilt. Und die Sehnsucht so groß ist, so groß. LOVE NEVER DIES hat mir so viel bedeutet. Und ich werde immer stolz und dankbar sein, dass ich es bis zum bitteren Ende erleben durfte. Celia sang das Titellied grandios. In dieser Rolle wächst sie über sich hinaus, die ist der perfekte emotionale Gegenpart zu Ramin, ein flatterndes, zögerndes, schlagendes und schmelzendes Herz inmitten von einem riesigen Klanggebäude. Das verlorene Kind, zerrissen zwischen Liebe und Liebe. Und dann, am Ende, brilliert das Phantom mit den beiden großen (und vielleicht größten) Arien, "Til I hear you sing" und "Music of the night". Ja, dafür reist man nach Manchester. Dafür könnte man auch einmal um die ganze Weltkugel reisen. Weil es so ein Phantom nicht so schnell wieder geben wird. Ja, es gibt andere. Und manch einer ist auch wirklich gut. Aber Ramin ist mehr als das. Er ist - im wahrsten Sinn des Wortes - PHANTASTISCH. Und auch wenn er die Maske abgelegt hat, wird er sie für mich immer tragen. Verbeugung und aus. It's endgültig over now, the music of the ...





Freitag, 14. Oktober 2011

self-discipline (14.10.11)

the inconvenient truth
pulls the trigger
of my fake smile
in self-defence.

you must never hear
the sound of my love-you‘s
dripping from my mouth
in self-pity.

i let you go now
and dispose of my rusted heart
on a scrap heap
for pure sustainment.

and then I breathe.
and then I breathe deeper.
and then no more.


Samstag, 8. Oktober 2011

+++Theaterkritik+++ Phantom 25

video
So also fühlt es sich an, bei einem Jahrhundertereignis dabei zu sein. Sogar jetzt noch, während sich das Erlebnis schon nach und nach von mir entfernt, bekomme ich eine Gänsehaut bei Ramins Beginn von "Wandering Child". Aber ich fange besser vorne an.

Seitdem Les Misérables das Vierteljahrhundert gefeiert hat, ist Ramin Karimloo für mich der absolute und uneingeschränkt leuchtendste Star des West End. Er hat einfach alles, was es braucht. Bildschön, charmant, mit einer phantastischen Stimme, die man unter tausenden wieder erkennt und dazu eine Gabe, eine Rolle so perfektionistisch einzustudieren, dass es nicht mehr Schauspiel, sondern Genie ist. Mit einem kurzen Wort: Ramin ist ein Gott der Bühne. Als es im Frühjahr hieß, dass er die Rolle seines Lebens, das Phantom, beim 25th Anniversary in der Royal Albert Hall ein letztes Mal singen wird, war für mich längst klar, dass ich dabeisein muss, egal, was es kostet und egal, wie kompliziert es wird. Dass das Wochenende der Jubiläumskonzerte ausgerechnet mit dem jährlichen Montségur Autorentreffen und meinem Probenbeginn in der Oper kollidiert ist, hat es dann tatsächlich so schwer wie möglich gemacht. Aber es war nicht denkbar, nicht hinzufahren. Schließlich liebe ich dieses Musical seit ich 9 Jahre alt bin.
Also habe ich gebucht und bin innerhalb von nur 15 Stunden von Frankfurt nach London und von London nach Wien geflogen. Und all das hätte ich auch ohne Hadley gemacht. Aber nur durch Hadley ist es dann tatsächlich ein Jahrhundertereignis geworden. Aber ich fange besser mit Hadley an.

Ebenfalls beim Les Mis Jubiläum fiel ein junger Mann als Grantaire auf. Der Name: Hadley Fraser. Ramins bessere musikalische Hälfte, Partner in Crime bei ihrer gemeinsamen Folkband Sheytoons. Es ist wahrscheinlich die schwierigste Sache der Welt, neben seiner Göttlichkeit Ramin zu glänzen und Hadley ist für mich erst durch Twitter so richtig aus dem Schatten in die Sonne gewandert. Dort brilliert er nämlich durch Eloquenz, Witz und Sprachkunst. Beispiel gefällig? Iggy Pop is made entirely of old walnuts. Apart from his hair, which is half lion-mane, half mithril. Das ist Hadley. Als Hadley nun von besoffenen Studenten zum bulldoggigen Inspektor aufgestiegen ist und der neue Javert des West End wurde, war ich neugierig. Wie wird sich der komische Hipsterkauz in dieser von mir hochgeschätzten, schwierigen Rolle schlagen. Ich mache es kurz: Er schlug sich so, dass es für mich fortan Hadley schlug. Und jetzt, werte Leser, fängt das Märchen an.

Denn aus unerfindlichen Gründen hatte Phantom 25 keinen Monat vor der Aufführung noch keinen Raoul. Nicht, dass das für mich von großer Relevanz gewesen wäre, ich konnte diesen faden Vicomte noch nie ausstehen, der da völlig zu Unrecht am Ende die Frau kriegt, obwohl man ihn schon vergisst, während er noch All I ask of you säuselt. Ein ähnlich gearteter Fall wie Marius in Les Mis (Victoria, ich höre den Protest, ich ignoriere ihn aber weiterhin), arroganter, blasser Adliger ist einfach nicht mein Typus, ich mag die Helden, die Monster, die Tragöden und Bösewichter sämtlich lieber. Dann aber passierte das Unfassbare: Nach einer gut zweiwöchigen Geheimniskrämerei wurde tatsächlich Hadley Fraser als Darsteller von Raoul bestätigt. Hätte ich nicht schon Karte und Flugticket besessen, jetzt hätte ich sie mehrfach erworben. Und endlich fängt nun das Jahrhundertereignis an.

Um 15:20 Ortszeit ist unser Flieger in London gelandet und Victoria und ich sind direkt zur Royal Albert Hall gefahren. Dort haben wir uns mit Anja und Pia getroffen. Übermüdung und Anreisestress waren spätestens weg, als wir endlich in der gigantischen 5000 Menschen Halle standen, wo es nicht nur dank der Pyrotechnik vor lauter Erwartung und Begeisterung geknistert hat. Einer von diesen Momenten eben, wo man weiß, dass gerade Geschichte geschrieben wird und man mittendrin ist. Unsere Plätze waren zwar weit oben, aber eigentlich gar nicht schlecht, zumindest waren wir näher an der Bühne (und an Loge 5!) dran als ich zu hoffen gewagt hätte. Die Stimmung im Saal war toll. Nach einer spitzen Auktionsszene mit niemand geringerem als Earl Carpenter als Auktionator, wurde der Luster, der schön authentisch zwar nicht wie sonst üblich auf der Bühne liegend sondern bereits hängend von einem Tuch verhüllt war, illuminiert. Ta-ta-ta-taaa-tata. Gänsehautus totalus. Phantastisch die Hannibal-Probe, bei der offensichtlich das halbe West End auf der Bühne stand, inklusive eines Christine-Ballettcorps, der vielleicht noch ein paar Tanzproben gebraucht hätte, aber dafür ein herrliches Rebus-Rätsel für den Insiderzuseher bot. Die Produktion in der Albert Hall war ja als "Fully Staged" angekündigt, also keine konzertante Version wie bei Les Misérables. Mit Sierra Boggess als Christine und Liz Robertson als Madame Giry standen neben Ramin noch zwei Premierenstars von Love Never Dies, Webbers tragisch gescheitertem Sequel, auf der Bühne. Ein schönes Zeichen, fand ich als überzeugte Vertreterin von LND-Forever. Beiden merkte man an, dass ihre Rollengestaltung durch die Fortsetzung eine viel größere Dimension angenommen hat, die Figuren mit dem Wissen um Coney Island zu erleben, war etwas ganz Besonderes. Herrlich das Operndirektorenduo Barry James und Gareth Snook. Zwei Komiker der Extraklasse. Wunderbar auch die Carlotta von Wendy Ferguson und der Piangi von Wynne Evans. Ganz gut aber etwas blass war für mich die Meg von Daisy Maywood, aber vielleicht kommt mir das nur so vor, weil Meg in Love Never Dies so viel präsenter ist.
Ausgezeichnet dann Think of me interpretiert von Sierra, sie ist nicht nur eines der schönsten Musicalgesichter derzeit sondern vor allem auch eine traumhafte Sängerin mit genau dem nötigen Brightman-Operntimbre, aber weit mehr Körper und Kraft als die gute Frau Brightman einst. Wishing you were somehow here again hat sie wie von einem anderen Stern gesungen, nie habe ich es besser gehört!

Dennoch waren meine Augen natürlich auf die Loge gerichtet, von wo aus der Vicomte de Chagny seine Jugendliebe anhimmelte. Und mein Gott, Hadley sah natürlich aus wie Hadley nur irgendwie schöner. :o) Unglaublich, mit welcher Präsenz er in jeder Rolle auftritt. Sein Raoul ist kein blasser Warmduscheradliger, sondern ein arroganter, von sich selbst eingenommener, glutheißer Jungspund, der sich Christine in den Kopf gesetzt hat und sein Ziel verfolgt. Nicht liebenswerte Trotteligkeit sondern brutaler, kaltintellektueller Siegeswille liegt in seinem Blick, wenn er Christine ansieht. Nicht mit fadem Trost umarmt er sie in All I ask of you, nein, was sie zu ihm hinzieht ist die Kompromisslosigkeit und eitle Intelligenz eines Mannes, der weiß, dass er alles bekommt, was er haben möchte. Und das macht ihn annähernd unwiderstehlich und erstmals zu einem echten Gegner fürs Phantom.

Womit wir bei Ramin wären. Es ist schon so viel zu Ramin gesagt worden und ich möchte das Viele nur um eines ergänzen: Ob das Phantom jung oder alt ist, hübscher oder hässlicher, beweglicher oder schwerfälliger, das ist Geschmacksache. Aber es hat mit Sicherheit kein Phantom gegeben und wird vermutlich auch keines mehr geben, das all die Schichten, Aspekte und emotionalen Tiefen dieser Figur so überzeugend und so bedingungslos echt ausschöpft wie Ramin Karimloo. Jede Geste und jeder Ton ergeben ein herzzerreißendes Ganzes, das so viel mehr ist als Ramins hübsches persisches Gesicht, so viel mehr als eine einfache Bühnenrolle. Ramin ist das Phantom unserer Zeit und aller Zeiten, der verkörperte Schmerz des Hässlichen angesichts von Schönheit. Die Schönheit, die in Musik steckt, oder in Liebe. Erst Ramins Phantom hat mich das vollständig verstehen lassen. Und seinetwegen werde ich jetzt nie mehr an dieser bittersüßen Tragödie des menschlichen Herzens zweifeln: Dass Sehnsucht und Begehren die Bedingung für die Kunst sind, die aus Schönheit und Schmerz entsteht.
Point of no return und Final Lair waren schließlich wie ein Traum, den ich atemlos und am Ende weinend verfolgt habe. Wie mir immer wieder das Herz bricht, wenn das Phantom Christine gehen lässt und mit dünner Stimme und feuchten Wangen zum Klang der Spieluhr singt. Was Ramin dabei macht, das kann man nicht beschreiben. Das muss man sehen.

Als am Ende nach einer wunderbar emotionalen Ansprache von Andrew Lloyd Webber und zwei Phantomquintetten +Brightman als Zugabe das Licht in der Albert Hall anging, war alles ein bisschen voller und leerer, ein bisschen schlimmer und besser. Nachdem wir uns restauriert hatten, die Spuren der Tränen entfernt waren, haben wir am Stage Door auf die Helden des Abends gewartet. Ein Autogramm von Hadley haben wir ergattert und Victoria ist es sogar gelungen "You were truly magnificent" zu sagen. Ramin und Sierra blieb nichts übrig als in ein Auto mit laufendem Motor zu springen und abzufahren, sonst hätte sie die wartende Meute wohl wie Süskinds guten Grenouille einfach aufgefressen. Es war auf jeden Fall ein Abend, den ich nie vergessen werde. So endet die Musik der Dunkelheit. Danke Ramin. Danke Hadley. Danke Victoria und Anja, meine Mitreisenden, Mitleidenden, Mitweinenden.




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