Mittwoch, 4. Januar 2012

+++Theaterkritik+++ Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie

Copyright: Reinhard Werner
Burgtheater Wien 4.1.2011
"Ich sterb doch nicht für die Liebe", herrscht Michael Maertens als Andrew seinen vor Liebe rasenden besten Freund Maxwell an. "Ich bin nicht so romantisch veranlagt." 
Woody Allens Mittsommernachts-Sex-Komödie von 1982 ist wie schon Shakespeares ewiger Klassiker ein zeitloses Märchen über zwischenmenschliche Beziehungen. Der Hobbyerfinder Andrew und seine Frau Adrian haben gravierende Probleme im Bett. Adrians Cousin Leopold mit seiner schönen Verlobten Ariel und Andrews bester Freund Maxwell mit seinem G'spusi, Krankenschwester Dulcy, verbringen mit ihnen ein Wochenende auf dem Land. Und schon sehr bald wird das skurrile Sex-tett heftig durcheinander geschüttelt. Andrew kennt Ariel von früher, er hätte sich seinerzeit fast in sie verliebt. Eine verpasste Chance. Maxwell wiederum, der große Junggeselle, verliebt sich zum ersten Mal und auf den ersten Blick in Ariel, während der betagte Leopold ein letztes voreheliches Sexabenteuer mit der freizügigen Dulcy sucht. "Beiß mich, Leopold", stöhnt Dulcy im Gebüsch, "beiß mich!" "Geht nicht, das sind nicht meine Zähne", hört man ihn antworten, ehe er auf dem Höhepunkt... Aber nein, das Ende wird nicht verraten, dazu ist der Weg dahin viel zu unterhaltsam.

Matthias Hartmann, mein ewiger Lieblingsregisseur seit mich mit siebzehn seine "Räuber" verzaubert haben, hat diese Komödie genauso inszeniert, wie man sie inszenieren muss. Als zauberhaftes, skurriles und liebenswertes Schauspielertheater auf einer entzückenden Bühne mit beweglichem Gebüsch und Gehölz verschiedenster Art. Ein fliegendes Fahrrad, ein sexuell aktiver Baumstamm und ein Funken sprühendes, mystisches Kugelgrilldings sorgen für komische Einlagen. Michael Maertens und Roland Koch, dieses kongeniale Duo aus der legendären Bunbury Aufführung im Akademietheater spielen Andrew und Maxwell mit der nötigen Lockerheit und man muss es Maertens hoch anrechnen, dass er Andrew zu seiner eigenen Figur macht und nicht mal ansatzweise Woody Allen kopiert. Mia Farrow wurde einst als Ariel mit der Goldenen Himbeere bedacht, Sunnyi Melles porträtiert sie als sonderbare, aber ungeheuer reizvolle, schillernde Frau, bei der man versteht, dass die Männer ihr allesamt verfallen. Martin Schwab ist ein sehr präsenter Leopold, dessen Urschrei "ich habe Blut vergossen" und anschließendes Herfallen über Esmée Liliane Amuats Dulcy wie die Befreiung aus den Zwängen einer ganzen Generation von intellektuellen Genies wirkt. Und die von mir sehr geschätzte Dorothee Hartinger durchlebt als Adrian die größte Entwicklung, vom etwas verklemmten Hausfrauenklischee über die eifersüchtige Ehefrau, die betrunken taumelnde Gastgeberin bis hin zur von Dulcy geschulten, ihre Sexualität entdeckenden Liebenden Wie in jeder Rolle mit absoluter Perfektion und wunderbar komischen Nuancen.

Ein gelungener, unterhaltsamer Abend über die Liebe, den Sex und die metaphysische Geisterwelt der Leidenschaft.


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