Gekränkt schüttelt der Tanzbär
Seinen flohzerfressenen Bärenkopf.
Er verweigert neuerdings das Tanzen
Seit er Sartre und Camus gelesen hat.
Stattdessen will er sich inskribieren
Und universitär Soziologie studieren,
Damit das kultivierte Bärentum fortan
In diesem Lande Einzug halten kann.
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Farbradierung: Susanne Smajic. |
Auch gewerkschaftlich organisiert
Ist er zur Ausübung seines Tanzberufes
In keinem Falle wieder zu bewegen.
Sieht er doch ganz neue Perspektiven
Intellektueller und auch kultureller Art.
Das Bärsein selbst als Forschungsobjekt
Zieht er referierend von Stadt zu Stadt,
Als gerngesehener Talkshow-Akrobat.
Das Buch des Bären mit dem Titel
„Die soziologische Bärevolution“
Führt seit nunmehr zwanzig Wochen
Die nationalen Bestsellerlisten an.
Und mittlerweile werden Rufe laut,
Der Bär sei noch zu Höherem berufen.
Das hat der Kanzler rasch erkannt
Und ihn zum Bärenminister ernannt.
Dem Bären selbst war mittlerweile
Der Hang zum Künstlertum erwacht
Sowie, zur allgemeinen Überraschung,
Die Liebe zu der Bärendame Frou-Frou,
Star des Zirkus „Pallawatsch und Sohn“.
Vergessen war die Politikkarriere
Auch Sartre, Camus und die Soziologie.
Doch es heißt der Tanzbär tanze gut wie nie.
(c) Claudia Toman 2004


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