Samstag, 28. April 2012

Ü30 und immer noch Pickel!


Kein Held um 3,99 Euro!

Eine Live-Biografie, was ist das denn? Mein lieber Kollege Stephan R. Bellem hat gerade eine solche als eBook veröffentlicht. Wie darf man sich das vorstellen? Wie einen Blog, nur käuflich zu erwerben? So ähnlich. Denn Ü30 ist ein Tagebuch. Gnadenlos ehrlich legt Stephan R. Bellem offen, was es abseits von den Rowlings, Browns und Meyers wirklich bedeutet, die Berufung Schreiben zum Beruf zu machen. Verbunden mit allem, was dazugehört. Schulden, Vorwürfe, Flops, Privatinsolvenz, Scham, Depression, Knieschmerzen, entfremdete Beziehung, Allergien. Und Pickel.

"30 und Strohwitwer. Mit Pickeln. Scheiße. Aber der Hund ist noch bei mir."

Wie lebt man von Hartz IV? Wie kommt man mit 2 Euro am Tag aus, wenn ein Hotdog auf der Buchmesse 3,50 kostet? Warum wird man nicht mal im Laden für Tabletop-Spiele angestellt? Wie fühlt sich eine Beschneidung mit 28 an? Und wie wenig verdient man als Schriftsteller wirklich an einem Buch? Gerade in Zeiten der Urheberrechtsdebatte ist das eine wichtige Sache, dass sich mal einer hinstellt und die Wahrheit sagt. 

"Ich glaube an Karma. Und an den Bellem-Fluch. Letzterer besagt, dass mir nichts Gutes ohne ein vergleichbar großes Übel widerfahren kann."

Und davon hatte Bellem in der ersten Hälfte des Ü30-Jahres wirklich eine Menge. Aber die Art, wie er den Leser daran teilhaben lässt, wie er mit verklärten Autorenmythen aufräumt und ungeschönt die Katastrophen seines Lebens offenlegt, diese Ehrlichkeit macht süchtig. Vielleicht ist es eine Spur Voyeurismus und ein guter Teil Identifikation. Mit Sicherheit aber ist es der grandiose Humor dahinter, die Selbstironie, die ihm nie ausgeht, egal wie grausam das Leben mit ihm umspringt. 

"Wer mich bis hierher für den Helden meiner Geschichte gehalten hat, der wird enttäuscht."

Das wiederkehrende Motiv des Textes ist dieses Bild vom Antihelden. Der schweigt, wenn anderen Unrecht getan wird. Der in der Schule bei den Mobbern war. Der richtig denkt, aber es nicht immer sagt. Wie leicht wäre es gewesen, sich in dieser Biografie zum Opfer zu machen und dadurch der Held der Herzen zu werden. Aber gerade das tut Stephan R. Bellem nicht. Er schont und schönt sich nicht. Darum besitzt sein Text Authentizität. Zu dieser Offenheit gehört Mut. Und mutig sind nur Helden. Also ist er am Ende doch der Held seiner Geschichte? Ich finde schon. Und ich warte gespannt auf die kostenlosen Updates, die es bis zum Ablauf dieses einunddreißigsten Lebensjahres geben wird.

"Und ich bin es mir selbst einfach schuldig, dass ich diesen Traum ein Jahr lang noch voll träume."

Denn als Leser ist man live dabei, was man morgen liest, das passiert gerade erst. Ein spannendes Konzept, ein höchst modernes und eines, das einem erlaubt, den Traum von der Selbständigkeit und Freiheit mitzuträumen. Als Voyeur, Reisebegleiter oder einfach nur neugieriger Leser. Und wer weiß, vielleicht kann man die Handlung ja sogar ein Stück weit beeinflussen. :-)

*****
Und wer nicht genug von ihm kriegt, in Stephan R. Bellems Abendblatt gibt es Hintergründe und weitere Abgründe nach Bedarf. ;-)


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