Freitag, 20. Juli 2012

Ursula Poznanski - Fünf



Ihr wisst alles und findet nichts!

Ursula Poznanski ist meine Heldin! Nachdem sie mit "Erebos" und "Seaculum" zwei wunderbare Jugendthriller geschrieben hat, ist "Fünf" nun ihr Debüt im Erwachsenengenre. Und was für eines! Ich habe im Vorfeld Stimmen gehört, die meinten "nach Erebos und Saeculum ist man ein wenig enttäuscht" oder "ich hätte es besser erwartet", Stimmen, bei denen ich mich frage: Besser? Wie?

Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger ermitteln in einem Mordfall. Eine Frau, die mit gefesselten Händen von einem Felsvorsprung gestoßen wurde. Auf ihren Fußsohlen: Tätowierte Zahlen. Bald finden sie sich mitten im gefinkelten Spiel eines Mörders, der sie mit GPS-Geräten auf Fährten schickt, um grausame Fundstücke - sogenannte Caches - zu suchen. Geocaching in seiner grausamsten Variante. Doch wer steckt dahinter und welchen Zusammenhang gibt es? Immer tiefer wird Beatrice selbst in das Spiel hineingezogen. Nur warum?

Ich habe viele Thriller gelesen und etwa neunzig Prozent derer, in denen es um einen Serienmörder geht, funktionieren nach Stickmuster zwei-glatt-zwei-verkehrt. Selbstverständlich psychologisch fundiert mittels Serienmörderfachliteratur. Ursula Poznanskis Roman ist der erste seit langem (seit Fitzeks Seelenbrecher und Dorns Trigger, würde ich mich fast zu sagen trauen), der gleichermaßen spannend, überraschend und trotzdem komplett nachvollziehbar ist. Eine so gute Tätermotivation habe ich selten gelesen und allein dafür gebührt der Autorin ein Orden für Verdienste um das Genre Psychothriller. Und der Weg zum Finale ist wirklich spannend. Ich weiß nicht, wie sie es jedes Mal macht. Nicht durch spektakuläre Cliffhanger, nicht durch rasant wechselnde Perspektiven (zum Großteil bleibt sie bei der Ermittlerin Beatrice Kaspary), aber nach und nach entsteht ein unwiderstehlicher Lesesog. Und das Genialste dabei: Etwa zur Hälfte des Romans war ich mir sicher, den Täter und sein Motiv zu kennen. Dann von meinem Irrtum völlig irritiert. Und am Ende, ja, am Ende folgt die große Überraschung. Allein mit diesem Schachzug hat der Thriller mich gewonnen (und mit Moon River, aber das ist eine andere Sache). Chapeau!

Aber um noch einen draufzusetzen (sonst wär sie wohl nicht Ursula Poznanski), das Tüpfelchen auf dem letzten i ihres Namens, den man sich bitte spätestens jetzt gefälligst buchstabierfähig zu merken hat, ist dieses Buch auch noch verdammt gut geschrieben. Geradlinig, klar, flüssig, durchdacht, mit guten Dialogen, Figuren, die Fleisch haben, die Typen sind, ohne zu Archetypen zu werden, die sämtlich lebendig wirken (na gut, bis sie eben tot sind) und nicht zwanghaft versuchen, ohne Klischees auszukommen. Ich mag das. Es sind echte Menschen, keine geplotteten.

Wenn man mir jetzt damit droht, mir wie einst Van Gogh ein Ohr abzusäbeln, wenn ich nicht etwas zu bekritteln finde, muss ich wohl damit beginnen, Sternennächte in Öl zu malen. Da gibt es nichts zu bekritteln! Liebe Frau Poznanski: TFTH!!!


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