Montag, 30. Dezember 2013

Danke 2013

Inspiriert von Sarah möchte ich auch ein paar Worte sagen, ehe das Jahr zu Ende geht und ich nicht mehr dazu komme. 2013 war ein hartes Jahr. Eines, in dem ich um so vieles kämpfen musste. Um das Wichtigste überhaupt, meine Liebe, um die Geschichte, die ich erzählen sollte, um das Überleben ohne fixen Job und ganz oft um meine Lebensfreude. Wenn ich zurückdenke, kommt es mir so vor als ob 2013 zehn Jahre lang war und hunderttausend Kilo auf die Waage bringt. Ohne Spaß.

Zum Glück gab es Menschen, die für mich da waren und bei ein paar davon, bei denen, die am Meisten mitgekriegt haben, möchte ich mich auch mal kurz bedanken, einmal noch, einmal mehr. Weil ich sie liebe.

Philipp, was du in diesem Jahr mir mir durchlebt hast, spricht für eine riesengroße Elefantenseele. Du warst immer für mich da, auch wenn du oft am Rand deiner Kräfte warst. Und du hast mich nicht losgelassen, auch wenn dir noch so sehr danach war. Und am Ende, irgendwann, hast du ich liebe dich gesagt und gewusst warum. Für jemanden wie dich lohnt sich alles, durch dich bin ich ein besserer Mensch geworden, in mir drin, und hab so vieles erst jetzt verstanden. Mit dir möchte ich alt werden, weil du der eine bist, bei dem ich mich immer zuhause fühlen werde.
Victoria und Thomas, die beiden Menschen, die ungefragt mit Wein und Schokolade vor der Tür stehen, wenn man weinend am Boden liegt. Bessere beste Freunde kann man nicht haben. Und egal wie oft ich es euch schon gesagt habe und wie wenig ihr selbst zeitweise dran glaubt, ihr seid die zwei besondersten Menschen, die mir je begegnet sind und die zwei ohne die die Welt ein ärmerer Ort wäre. Ich möchte nicht mehr ohne euch sein müssen.
Sonja, dein Jahr war so viel härter und trauriger als meins. Du hast so viel verloren. Und trotzdem warst du die ganze Zeit da, hast zugehört, hast nachgefragt, hast Trost angeboten. Du bist ein Hufflepuff aus tiefster Seele. Ein so herzensguter Mensch, nie aufdringlich, immer da, mit offenen Armen und Türen. Da gehört Stephan genauso dazu, aber dieser Absatz ist mal ganz für dich, für die Freundin, die du bist.
Mascha, Steffi, Sarah, Nicole, Smü, Pebo eure Freundschaft bedeutet mir viel. Ich weiß oft nicht, wie ich es zeigen soll. Ich hab oft das Gefühl, ihr kommt zu kurz, wenn ich Pärchen bin. Und sogar jetzt nenne ich euch alle in einem Absatz, dabei habt ihr jeder euren eigenen verdient. 
Mascha, wie weit weg du auch bist, es tut so gut, dass ich weiß, dass du immer da bist. Du fragst immer nach und dein Trost ist immer ein optimistischer. Das macht dich so besonders, so klug, so stärkend. 
Steffi, egal wie weit wir anderen weg sind, wir werden immer für dich da sein. Ich möcht dich oft in den Arm nehmen und dir sagen, dass Freundschaft einfach IST, ohne Grund, ohne Bedingung, ohne Rücktrittsversicherung. 
Sarah, du hast so viel durchgemacht. Und warst das Herz des Schreibexils, ohne dich wäre nichts im Lot gewesen. Du warst das Zuhause für uns alle in Großgmain. Und das ist eine Gabe, die nicht viele Menschen haben. Eine Gabe, die so viel mehr über dich erzählt als alles andere! 
Nicole, wenn ich nicht hundertprozentig wüsste, dass wir nicht verwandt sind, hätt ich dich so oft für eine Schwester gehalten. Du bist so stark und schwach zugleich und immer so eine gute Zuhörerin, Versteherin und Verschwörerin. 
Smü, wir kennen uns eigentlich erst so kurz, aber oft denk ich, wir kennen uns viel länger. Weil ich nicht glauben kann, das so viel Spaß in so kurzer Zeit stattgefunden hat. :-) 
Und Pebo, auch wenn du so oft als letzter genannt wirst, ich weiß, dass du ein enorm gutes Herz hast und so ein verletzliches noch dazu. Pass gut drauf auf!
Rotraut, es gibt kaum jemanden in meinem Leben, der mich so gut kennt und schon so vieles miterlebt hat. So oft haben wir ganze Abende lang geredet und am Ende hab ich mich besser verstanden, war mehr bei mir, voller Ideen und Hoffnung. Es gibt so wenige Menschen, die das Talent haben, für andere so eine große Bereicherung zu sein. Du warst das immer schon und jedes Treffen ist eigentlich zu kurz...
Julia, auch wenn es dir so vorkommt als gäbe es zu wenig Zeit, die, die wir haben, ist mir immer sehr viel wert. Das Glück zu sehen, das du hast, lässt mich so oft an das Mädchen in der Schulbank neben mir denken. Das Mädchen mit den vielen gut verschlossenen Wunden, das mir mal gesagt hat, dass mein Schweigen grade richtig war. Und mir damit so viel mehr gegeben hat als sie weiß. Es tut so gut, dein Happy End zu sehen und ich fühle mich selten so frei und wohl und entspannt wie da mittendrin.
Iris, ich bin so froh, dass du wieder in meinem Leben bist. Du hast mir schrecklich gefehlt in den Jahren dazwischen. Und es hat kaum einen Tag gegeben, wo ich nicht an dich gedacht habe. Du bist die älteste Freundin, die ich habe. Und du warst nie die leichteste. Ich auch nicht. Aber du warst immer so bemerkenswert ehrlich und frei und konsequent und voller Leben. Das bereichert mich enorm.
Elli, es tut mir oft so leid, dass du dich zurückziehst, wenn du es schwer hast. Ich hab ganz oft Angst, dass ich nicht genug da bin, nicht genug hinhöre, eine bessere Freundin sein sollte. Du warst so oft da, hast so oft zugehört und nimmst andere Menschen so wichtig. Vergiss nicht auf dich selbst!
Kerstin, dieser Tag bei dir war so wunderschön, so ermutigend, so bereichernd, so zauberhaft. Das werde ich nie vergessen, das kommt irgendwo ans Herz tätowiert und bleibt immer da, zum erinnern für die grauen, schlechten Tage.
Markus, es ist so erstaunlich und wunderbar, dass Freundschaft auch so funktioniert, dass man sich monatelang nicht sieht, kaum hört und es dann jedes Mal so ist, als gäbe es keine Unterbrechung. Die vielen, langen Gespräche, deine Ideen, deine Kreativität, deine Begeisterungsfähigkeit, deine Großzügigkeit, all das macht dich zu einem der besten Freunde, die ich habe, ganz egal wie weit wir oft entfernt sind.
Susanne, auch für dich wär ich gern mehr da. Treffen sind rar und schön und haben immer so ein wunderbares Gefühl von Weihnachten. Großer Vorsatz für 2014: Ich komm wieder öfter nach Graz!
Gabi, ich freue mich so unendlich über dein Glück. Wie viele Nächte haben wir gemeinsam geweint. Es ist schön, dass du jetzt strahlst und lebst und rundum zufrieden bist. Ich hab es dir so sehr gewünscht!
Hannah, du hast mir so viel anvertraut. Und du hast es so schwer gehabt. Und mehr als jedem anderen Menschen wünsch ich dir, dass es bald so ähnlich ist wie bei Gabi. Dass ich dich bald strahlen sehen kann. Das würde mir viel bedeuten.
Bärbel, Sarah, Mendel, Moni, ihr seid für mich schon längst Familie. 
Dr. Andrea Müller, ohne die ich nicht schreiben könnte.
Und dann noch Janko, ich wäre nicht der Mensch, der ich bin ohne dich. Du hast alles verändert und das vergess ich nie.

Es ist unmöglich, auch all die anderen wichtigen manchmal kleinen, manchmal großen Begegnungen, Gesten, Gedanken aufzuzählen, die mir in diesem Jahr Kraft gegeben haben. All die Facebook-Freunde, die mir so ans Herz gewachsen sind, manche, die ich meine, längst zu kennen, ohne dass wir uns je begegnet sind. Wie Kossi. Wie Nadine. Wie Tanja. Die ich endlich kennenlernen durfte. Wie Silvia Helene. Wie Deana. Wie Ursi. Wie Sandra. Wie Katrin und Claudia. Wie Nina, deren Mondspielerin und Lavendelzimmer mich in diesem Jahr so tief berührt haben. Wie Zoë. Die motivierenden Leser-Feedbacks. Wie von Corinna, Michi, Rici, Anka, Erika, Katrin und den lieben anderen. Die wunderbaren Autorenfreunde, Axel, Antje, Beate, Berta, Carlo, Christine, Gabriella, Marion, Nancy, Stefan, Theresa, Tom, Wolfgang und besonders Ursula und Wulf. Ach Gott, und alle, die ich jetzt sicher vergessen hab in meinem Chaos. Ich bin so dankbar, euch alle in meinem Leben zu haben, das Schreiben zu teilen, das Lachen, das Weinen. Ich sage danke mit einem meiner Songs des Jahres. Für euch alle! 




Montag, 9. Dezember 2013

Top Ten Songs 2013

Es ist vielleicht noch etwas früh für Rückblicke, aber bevor alle loslegen, hier meine Top Ten Songs, die mich in diesem Jahr begleitet, verblüfft, vom Hocker gerissen oder einfach tief berührt haben.

1. Sunrise Avenue - Angels on a Rampage
Wenn man einen Song fünfmal hintereinander über Youtube am iPhone abspiele kann, während man im Auto unterwegs ist und restlos darin aufgeht, dann ist das der Song des Jahres. Punkt. 



2. Imagine Dragons - It's Time
Streng genommen mein Song des vorigen Jahres, hat aber auch in diesem Jahr nichts von seiner Wirkung auf mich verloren.



3. Glen Hansard/Marketa Irglova - Falling Slowly
Ein Dauerbrenner. Ich bin aus tiefstem Herzen davon überzeugt, dass man, hat man sich einmal in dieses Lied verliebt, den ganz besonderen Klang nie wieder aus den Ohren bekommt. Sicher mein häufigster Ohrwurm und eine der schönsten Liebeserklärungen aller Zeiten.




4. Mumford&Sons - Hopeless Wanderer 
Einfach geil. Einfach obergeil. Ein Lied, das einen nicht nur im übertragenen Sinn vom Hocker reißt. Wer hier sitzen bleiben kann, ist selbst schuld. Unfassbarer Hook. Mein Kopf wird ewig bangen.



5. Jupiter Jones - Wir sind ja schließlich nicht Metallica
Was soll ich sagen? Wenn jemand den Soundtrack meines Lebens komponieren sollte, dann nur Jupiter Jones. Diese Texte. Diese Stimme. Diese Wärme im Bauch bei ihren Liedern. Und mit diesem hier lang nach Mitternacht heulend auf dem Feld draußen Sterne suchen gehen und Abschied üben.



6. Frank Turner - The way I tend to be
Dieser Refrain hat mich auf eine Art gepackt, die ich schwer beschreiben kann. Ein Fall von Repeat-Repeat-Repeat. Mitsingalarm.



7. Mrs. Greenbird - Shooting Stars and Fairy Tales
Mein Antidepressivum. Wirkt zuverlässig. Zauberhafteste Musik seit Katie Melua. Höre ich immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Ausnahmslos.



8. Bosse - Kraniche
Bosse ist ein Poet. Das ist Musik für Herbsttage, ein Lied, das sich so anfühlt, wie frisch gefallenes Laub unter Gummistiefeln und riecht wie ein winterliches Meer.



9. James Blunt - Bonfire Heart
Ich liebe seine Stimme schon seit Jahren. Aber Bonfire Heart war das richtige Lied zur richtigen Zeit. Anders kann ich es nicht sagen. Es hat mich innendrin irgendwo gekitzelt...



10. The Lumineers - Stubborn Love
Berührend auf eine Weise, die schwer zu erklären ist. Ich bin so ein Textmensch, mich faszinieren Lieder, die Geschichten erzählen und tolle lyrics haben. Und das hier ist so einer. Einer zum Augen schließen und treiben lassen.



Donnerstag, 21. November 2013

Drei Dinge, die ich von Stephen King gelernt habe ...

Mit Freundin&Kollegin Nicole Makarewicz kurz vor Start
... als ich mit ihm in einem Raum war. Es war so eine kleine, gemütliche Location namens Circus Krone in München, pi mal Daumen zweitausend-fünfhundert Mitwisser, und es war der 19.11.2013. Nachdem der Zirkus voll, das Licht erloschen war und der gemeine deutsche Bürger wieder mal bewiesen hatte, dass es zwei Sorten von Menschen gibt, diejenigen, die sich für ihren Helden zwei Stunden bei Kälte und Regen in der Schlange anstellen und die anderen von rechts, betrat mein Idol die Manege. Und nach den ersten Tränen war es sehr schnell so, als säße ich tatsächlich, wie ich es mir immer zusammenphantasiert habe, mit ihm an der Theke einer etwas abgewirtschafteten Autobahnraststätte irgendwo in Maine bei einem Bier (er alkoholfrei, wegen der AA und so) und hörte mir seine Geschichten an.

1. Demut. Und in Demut steckt das Wort Mut. King ist in so vielen Hinsichten ein role model für mich. Nicht nur weil er die besten Bücher geschrieben hat, die ich je gelesen habe. Auch weil er Demut vor und Mut zum Leben hat. Mut zu sagen, ich bin Alkoholiker. Mut, der zu sein, der er sein möchte. Keine Angst vor dem Tod, der jeden von uns erwartet. Und Demut vor den Lebenden, die er erschaffen hat. Nicht Figuren. Nicht Charaktere. Freunde. Was ist aus Danny geworden? Das hat ihn nie losgelassen. Spoken as a true creator.

2. Was würde Stephen King in "Needful Things" kaufen? H.P. Lovecrafts pillow, to see, if there were any dreams in there that I could steal. Spoken as a true inventor.

3. Fucking iPad! :-) Spoken as a true narrator.

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Und die Frage, die ich nicht gestellt habe, weil ich a. scheu bin und b. eine aus der Schlange, keine von rechts, ist diese: Ich liebe Bill Denbrough seit ich lieben kann. Und ich habe mir immer gewünscht, ein Rad wie Silver zu besitzen. Haben Sie so ein Fahrrad, Herr King oder einen sonstigen Gegenstand, mit dem sie den Teufel besiegen können? Und welcher ist das? Und jetzt, wo ein halber Lebenstraum erfüllt ist, bleibt mir noch ein bisschen Zeit, mir die andere Hälfte zu erfüllen: Eines Tages eine Antwort kriegen. Und einen Händedruck. Und ein Rad. Hi Ho Silver, Away!

PS: Ach ja, Denis Scheck war auch da. Hat kaum gestört.

Ein Scheck, ein King. (c) Claudia Toman





Sonntag, 17. November 2013

Zart besaitet.


 

Hochsensibel? Ich? Nein, bestimmt nicht. Das habe ich immer gesagt, wenn Menschen mir Links zu entsprechenden Tests geschickt haben. Ich habe doch keine extreme Sinneswahrnehmung, bin äußerst schwer zu erschrecken und muss nicht mal Sonnenbrillen tragen, auch nicht an den grellsten Sommertagen. Weil das war alles, was ich mit dem Begriff verbunden habe. Klassischer Vorurteilsfehler. Denn seit ich so einen Test gemacht habe, weiß ich, dass es nicht nur um die äußeren Sinne geht, sondern dass man auch innen drin empfindlich sein kann. Und da gab es eine Menge Fragen, die ich mit "stark zutreffend" beantworten musste. 


188 Punkte. Nicht extrem, weil ich ja viele Sinnesfragen mit nein beantworten konnte. Aber auch eine Anregung, über einige Dinge nachzudenken, die immer so selbstverständlich Teil meiner Welt waren, dass ich nie überlegt habe, woher sie kommen. Ja, sie oft als Fehler und Schwächen verstanden habe, weil ich oft gesagt bekommen hab "sei doch nicht so empfindlich" oder "du bist ja langweilig!"

Hier eine Liste. Für euch da draußen, weil man oft gar nicht weiß, warum andere einen so schwer verstehen können. Oder so rücksichtslos agieren. Weil man dazu neigt, sich anzupassen und gerade wenn man sie stark empfindet, den Bedürfnissen der anderen immer eher nachzugeben als den eigenen.

- In Gruppen kann ich mich nie entspannen. Gar nicht. Weil meine Antennen die ganze Zeit in alle Richtungen ausgefahren sind. Ich versuche, jemandem zuzuhören, der mir gerade was wichtiges erzählt, kriege aber zugleich den Großteil des Gespräches daneben mit, sehe, dass jemand, der in der Gruppe noch neu ist, gerade allein dasitzt und versuche, demjenigen ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, fühle mich schuldig, weil ich ihn mitgebracht habe und er jetzt keinen Anschluss hat, sehe im selben Moment, wie ein Glas umfällt, spüre, dass jemand sich nicht wohlfühlt, müde ist, niest wegen den Katzenhaaren überall, oh Gott, ich hätte besser putzen sollen, nicke und versuche, eine gute Antwort für den Gesprächspartner zu finden... So geht das die ganze Zeit. Und in meiner Brust ist ein Wespennest voll flirrender Gedanken. Und sie stechen, stechen, stechen.

- Ich weine viel. Jede traurige Geschichte auf Facebook, jede emotionale Filmszene, das Ende von Romanen, glückliche Menschen in Castingshows, alles bringt mich zum weinen. Es ist, als ob permanent ein Zug voll Herzdampf durch mich durchfährt, und ich verausgabe mich total in den Gefühlen, bis ich mich manchmal ganz leer fühle. Bis der nächste Zug kommt.

- Abschiede sind besonders schlimm. Natürlich von Menschen. Das ist ein Strom, der kein Ende findet. Und obwohl ich zugleich schreckliche Schamgefühle hab, in der Öffentlichkeit zu weinen und oft versuche, es hinter großen Sonnenbrillen zu verstecken, weine ich maßlos, untröstlich, immer wenn ich damit konfrontiert bin, mich zu verabschieden. Egal ob für eine Woche, ein Monat, ein Jahr, ein halbes Leben. Ich komme nicht damit zurecht. Auch von Orten trenne ich mich so schwer. Ich entwickle starke Bindungen zu Plätzen, die mir etwas bedeuten. Als Kind habe ich den geschmolzenen Schnee aus meinem Schiort in einem leeren Shampooflakon mitgenommen und ein Jahr lang aufbewahrt. Obwohl er nach Shampoo roch. Abschiede von London sind ganz schlimm, wenn ich meine letzte Runde drehe, einmal noch Piccadilly, einmal noch Shakespeare am Leicester Square, letzte Blicke, letzte Gerüche, das nimmt mich extrem mit. Da ist keine Freude, dass ich da war. Kein Baldwieder. Da ist nur Abschiedsschmerz, immer aufs Neue. 

- Wenn es geht, reise ich lieber allein, weil es mich zerreißt, allem gerecht zu werden. Meinen Wünschen und Bedürfnissen, den Wünschen und Bedürfnissen der anderen. Ich war noch nie eine gute Gruppenreisende, weil ich es nicht schaffe, das Ich und das Außen zu trennen. Ich lächle dann viel und sage "ja, das ist super", sehne mich aber gigantisch nach nur einer Stunde allein mit mir und den Sehenswürdigkeiten.

- Diskotheken, große Partys, Menschenansammlungen mit lauter Musik haben mich immer schon in schrecklichen Stress versetzt. Das ist wie die berühmte Bohrmaschine im Kopf. Und jahrelang habe ich mit dem Gedanken gelebt, ein entsetzlich langweiliger Mensch zu sein, weil ich nie mitgehen wollte. Aber es gibt kaum was Schlimmeres für mich als ständig angestupst zu werden, gleichzeitig ein Glas in der Hand, die Tasche an mich gepresst zu haben, kaum was vom Gespräch zu verstehen, das alles erzeugt ein gigantisches Unwohl- und Unruhegefühl in mir. Ich halte betrunkene Menschen auch nur dann aus, wenn ich sie sehr, sehr liebe oder selbst betrunken bin. Fremde betrunkene Menschen sind mir ein Graus. Und alles rempelt. Und schwitzt. Ist laut. Und dröhnt. Ich möchte mich dann immer gern auf dem Klo einsperren und heulen. Aber ich setze meine Maske auf und mache mit, weil das eben gesellschaftliche Konvention ist.

- Ich fürchte mich vor neuen Situationen, Menschen und Orten. Wenn es geht, informiere ich mich vorher immer ganz genau, bis hin zu Fotos und Lageplänen der Örtlichkeiten, um die Angst zu reduzieren.

- Ich rufe nicht gern wo an. Ich habe Angst, andere zu stören und bekomme schweißnasse Hände, wenn ich wo telefonisch reservieren oder bei Hotlines nachfragen muss.

- Kleidung engt mich oft ein. Sobald ich daheim bin, muss ich raus aus allem und kann nur weite Hosen und leichte Shirts am Körper haben. Ich fühle mich oft wie in einem Korsett eingeschnürt, wenn ich BH, Hose, Gürtel, Pullover und Jacke trag. Unbequeme Schuhe machen mich total fertig. Die Schmerzen sind höllisch. Ich fühle mich permanent unwohl in Kleidung.

- Ich fürchte mich davor, Gäste zu haben, die bei mir wohnen, weil ich dann nie für mich sein kann, keine Tür zumachen kann, immer gesprächsbereit sein muss, weil ich es nun mal nicht abstellen kann, dass ich dauernd drauf achte, wie es dem anderen geht.

- Der Großteil meines Lebens spielt sich in meinem Kopf ab, ich träume andauernd, phantasiere mir Dinge zusammen, versetze mich in Erinnerungen und Emotionen. Musik ist wie die Klaviatur dieser Gefühle.

- Ungerechtigkeit ist ganz schlimm für mich und kann mich tagelang quälen. Oft überwinde ich sie nie.

- Ich bin nicht multitaskingfähig. Sobald zwei Dinge gleichzeitig zu tun sind, reißt mich das auseinander und ich werde total unruhig, ungeduldig, fahrig.

- Ich zerbreche viel, Dinge neigen dazu, mir auf die Zehen oder aus der Hand zu fallen. Manchmal laufe ich auch mit dem Kopf wo dagegen, weil ich gerade in Gedankengängen bin.

Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Wichtig und der Grund dafür, warum ich diesen Blogbeitrag überhaupt schreibe, ist, dass man mir das alles sehr selten anmerkt. Ich habe ein sehr gut gearbeitetes Schutzkonzept entwickelt über all die Jahre. Das Meiste auf dieser Liste spielt sich lediglich in mir drinnen ab. Und gegen Tränen helfen große Sonnenbrillen. Nur nicht schwach sein. Immer für andere da sein. Immer zuhören. Immer mit dabei sein. Alles mitmachen. Nichts anmerken lassen. Nichts anmerken lassen. Und dann kommt so ein Test und nimmt einem die Illusion, dass man dadurch ja genau so ist wie alle anderen... Aber das ist man nicht. Man ist zart besaitet.



Freitag, 15. November 2013

Stephen King - Doctor Sleep


Mr. King, the trouble you're getting me into...

Das ist schwierig. Ich liebe King-Romane seit ich denken kann, bin mit ihnen aufgewachsen, habe durch sie gelernt, was Geschichten ausmacht und hätte ich "ES" nie gelesen, mehrfach, wer weiß, ob ich derselbe Mensch geworden wäre, der ich bin. Der Club der Verlierer hat mich geprägt. Für immer. Und jetzt habe ich Doctor Sleep zugeklappt und suche so gut ich kann nach diesem Gefühl. Nach dieser Welt in mir. Aber sie ist nicht da. Es war einfach ein gutes Buch. Ab ins Regal, was kommt als Nächstes dran? Her damit! Keine Träne, keine Sehnsucht, nicht ein bisschen Wehmut.

Was schreibe ich also? Dass es ein wie immer gut geschriebener Roman ist. Dass darin sehr viel persönliche Aufarbeitung des Alkoholikers steckt, die sich nicht in Andeutungen hüllt sondern laut und deutlich wie bei den vielen erwähnten AA-Meetings "Mein Name ist Stephen, ich bin auch Alkoholiker" ruft. Dass die Spannung funktioniert und man das Buch kaum aus der Hand legen kann, sobald man die lange Introduktion geschafft hat. Dass es ums Erwachsenwerden, ums Trockenwerden und um Wut und Gerechtigkeit geht. Puh. Und dass eine Menge Anspielungen drin sind. Auf Shining natürlich. Auf Herr der Ringe, Harry Potter und sogar - wer hat es bemerkt? - aufs "Schweigen der Lämmer". Der neue King ist auch total up-to-date mit der modernen Technologie. Na ja. Fast. Und dass … Hm …

Jetzt wird es schwieriger. Ich bewundere den Mann so sehr. "On Writing" ist meine Bibel. "The Stand" mein Jahrhundertroman, wie fasse ich das jetzt in Worte? Was schreibe ich nicht? Ich schreibe nicht, dass dieses Buch nur halb so lang ist, wie es sein müsste. Eine Story wie diese, die eigentlich die gesamte Menschheitsgeschichte umfasst, die eine größere Cast hat als jeder Tarantino, die einen dermaßen klassischen Heldenreise-Plot in sich trägt, die muss auf etwas über 480 Seiten zu kurz kommen. Ich schreibe nicht, wie er mir fehlt, der detailreiche, geniale Figurenzeichner, der einen an der Hand durch Derry oder Castle Rock führt und dessen Darsteller immer liebevoll gezeichnete Unikate waren. Dass so jemand dermaßen blasse, leblose Stereotype wie John, Lucy oder Dave (allein die Namen, meine Güte!) schreiben und so viele geniale Typen wie Crow Daddy, Billy oder Concetta nur streifen kann, ist mir ein Rätsel. Und Azzie, mein Gott, wie viel mehr hätte es da gegeben … Wie viel zu erzählen. Wie viele Biografien zu erleben. Wie viele Köpfe zu besuchen. Wer zur Hölle braucht John? Aber das schreibe ich nicht. Ich schreibe auch nicht, dass die Haupthandlung, also der Kampf von Abra und Dan gegen die so herrlich aufgebaute Truppe von True Knot voll glücklicher Fügungen, hastiger Entscheidungen, Logikfehlern und viel zu hindernislos ist. Was war das für ein Battle in The Stand. In Needful Things? Was für ein Ende in ES? Was war das für ein Weg jedesmal. In Doctor Sleep habe ich zu keinem Zeitpunkt Zweifel am Ausgang. Ob ich Recht hatte, das verrate ich natürlich hier nicht und zugegeben, etwas hat mich im Showdown schon überrascht, immerhin. Auch was Wichtiges, durchaus. Aber die große Enthüllung, auf die zugesteuert wird das, that which was forgotten, das war mir schon seit der ersten Anspielung klar. Aber das zu schreiben wäre wirklich eine Frechheit. Also tu ich es nicht. Weil es hier um ein Denkmal geht und Denkmäler holt man nicht vom Sockel. Und weil es ja doch ein gutes Buch ist. Wirklich.

Was bleibt mir also noch zu schreiben? Doctor Sleep ist wie schon Joyland ein Roman für diejenigen King-Fans, denen "Es" oder "The Stand" oder gar "Dark Tower" zu episch und langatmig sind. Die selbst "Under the Dome" für zu geschwätzig halten? Die eine spannende, großteils rasante Geschichte mit einer originellen Idee lesen wollen. Vielleicht solche, die Duddits mochten? Die beiden Hauptfiguren Abra und Dan sind gut erzählt, besonders Abra hat ansatzweise auch eine kingsche Doppelbödigkeit, die ich mag, Dan, nun ja, ist kein Jack Torrance, aber wer sich für AA-Hintergründe und -Slogans interessiert, wird viel Material finden. Ein King-Roman wird nie ein schlechter Roman sein. Es wird ein guter Roman sein. Wirklich. Aber mir genügt das nicht. Ich will die Welt in mir. Ich will selbst in die Köpfe von Figuren rein, nicht von außen zusehen, wie sie gegenseitig in ihre Köpfe tauchen auf sehr widersprüchliche, die Logik oft biegende Art und Weise. Wem wie ich das Ende in "The Stand" zu rasch gekommen ist, wer fassungslos "ES" zugeklappt und dann erst bemerkt hat, dass aus Sommer Herbst geworden ist und wer Romane wie "Love", "Rose Madder", "Bag of Bones" oder "Misery" für ihre Figuren geliebt hat, der wird nicht so recht glücklich werden, fürchte ich. Aber was schreib ich da? Das schreib ich nicht! Lest Doctor Sleep, hört ihr? So wahr ihr steamheads seid!


Mittwoch, 13. November 2013

Wir Quijoteseelen...

Salvador Dalí - Don Quijote

Ich habe mich vor fast einem Jahr zum ersten Mal mit dem Thema Depression beschäftigt. Wer es nachlesen möchte: Wir Mängelexemplare... Nun hat mich heute jemand auf einen anderen Aspekt aufmerksam gemacht. Auf das große WARUM hinter dem ständigen Nichtgenuggefühl. "Weil du es eigentlich nicht akzeptierst und nicht akzeptieren willst. Dein Wunsch wäre, dass es anders ist, und dir fällt es leichter, zu wünschen als zu akzeptieren." Und da war auf einmal dieses Bild in meinem Kopf, das Bild von Don Quijote, der den Spiegel vorgehalten kriegt, damit er endlich die Welt so sieht, wie sie wirklich ist. Und daran zerbricht.

Und plötzlich war mir etwas klar: Das ist nicht einfach ein Mangel wie bei einem Mängelexemplar. Kein Produktionsfehler im psychischen Gewebe und auch kein Riss in der Seele. Wir sind bloß Quijoteseelen. In deren Innerem aus klapprigen Pferden edle Rösser, aus Windmühlen gefährliche Riesen und aus Wirtshausdirnen schöne Burgfräulein werden. In deren Wunschvorstellung es immer um Perfektion, Schönheit und Idealisierung geht. Und wenn die Realität dieses Ideal einholt, kommen wir damit nicht mehr zurecht und sind besiegte Ritter auf dem Totenbett. Gebrochen und unserer ganzen Welt beraubt. Und irgendwann auf Psychopharmaka.

Natürlich ist nicht jeder Depressive eine Quijoteseele und es kann tausend Gründe geben, warum man sich in sich verkriecht. Aber ich will versuchen, mir ein paar Gedanken zu machen, mit denen sich der eine oder andere womöglich identifizieren kann.

Ich glaube, es gibt drei verschiedene Gruppen unter uns Menschen. Einerseits die Quijoteseelen, mit ihren Wünschen, Träumen, der Realitätsverweigerung und der Idealisierung. Dann die Pansaseelen, die zwar selbst in der Realität leben, aber die Quijotes wohlwollend und ein bisschen sehnsüchtig durchs Leben begleiten, ihnen zur Seite stehen, liebend, und vielleicht ein kleines bisschen darauf hoffen, ein Abenteuer zu erleben am Ende ein Stück Paradies für sich zu bekommen. Und dann sind da noch die silbernen Mondritter, die stets wortgewaltigen, lauthalsigen, nicht selten sehr treffend ironischen Zeitgenossen, die es sich zur Aufgabe und zum hehren Lebensziel gemacht haben, den Quijotes den Spiegel vorzuhalten, ihnen die Utopien auszutreiben und die fehlgeleiteten Träume zu nehmen. Die Aufzeiger, die Dringlichkeitspiraten und die Fingerheber. Weil die Welt eben nicht so ist, wie man sie gern hätte und weil es diesen und jenen Grund dafür gibt, dass man sich mit all den schrecklichen Dingen befassen muss, die man sieht, anstatt ständig alles in einer Traumwelt zu erleben. Vermutlich gibt es auch Mischformen, aber diese drei Extreme habe ich in meinem bisherigen Leben sehr oft kennengelernt.

Jetzt bin ich eine Quijoteseele, wie äußert sich das? 

"Zu viel Vernunft mag Wahnsinn sein. Und der größte Wahnsinn von allen: Das Leben sehen, wie es wirklich ist und nicht wie es sein sollte." (Cervantes "Don Quijote") 

1. Meine Wünsche stehen immer über den Tatsachen. Ich will etwas aus tiefstem Herzen und erreiche es entweder oder verzweifle daran. Das ist-eben-so liegt nicht in meiner Natur. Und je weiter das Ziel oder der Wunsch von der Realität entfernt ist, desto größer und schöner erscheint er mir. Dinge, die unmöglich sind, gibt es für mich nicht. Und in gewissen, sehr positiven Phasen, kann ich genau das nützen, um gemäß des Gesetzes der Anziehung positiv zu denken und erstaunliche Erfolge zu erzielen. In schlechten Zeiten dreht sich die Spirale gegen mich und alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Murphys Gesetz. Dann stellt die Realität Stacheln auf und ich zerreiße mir all meine Illusionen daran.

2. Alles, was ich tue, folgt viel stärker meiner inneren Logik als den äußeren Gegebenheiten. In mir drin gibt es eine eigene Welt mit Regeln und Gesetzen, ein kompletter Seelenkodex, der stets voraussetzt, dass nichts Äußeres schiefgeht. Sprich wenn dann Hindernisse auftauchen oder jemand genau gegensätzlich agiert, funktioniert das System nicht mehr und Chaos bricht aus. Ein Beispiel: In meiner persönlichen Quijotewelt ist Loyalität enorm wichtig. Einem Freund wird Unrecht zugefügt, Konsequenz: Wer immer daran schuld ist, ist disqualifiziert. Aber in der Realität läuft es nicht immer so. Erstens ist man ganz oft damit konfrontiert, dass so eine Disqualifikation böse Konsequenzen für einen selbst hat. Zweitens ist es durchaus möglich, dass eben der unrecht behandelte Freund sich wieder versöhnlich zeigt, was fortan zu einem großen inneren Konflikt wird, weil meine Disqualifikationen für gewöhnlich endgültig sind. Und drittens kann es sein, dass Disqualifizierte einem immer wieder über den Weg laufen, womöglich in Machtpositionen. 

3. Burgfräulein: Es gibt zahllose Beispiele in meinem Leben, wo ich Menschen, Dinge, Orte oder Situationen idealisiert habe. Frösche wurden nicht einfach zu Prinzen, sondern zu überlebensgroßen, seelenverwandten Sonnengöttern. Es war mir nie und ist mir meist auch Jahre später nicht möglich, dieses Bild loszulassen und mich der Realität dahinter zu stellen. Realität wird konsequent verleugnet, auch wenn sie sich durch die Handlungen der derart Erhöhten deutlich manifestiert. Und wenn dann mal so ein böser Kratzer in den Sonnenlack kommt, dann bricht für mich eine Welt zusammen und versinkt wie Atlantis im Tränenmeer. Und diverse Mondritter haben es ja immer schon gewusst und gesagt. Bloß Quijote sang bis zu letzt in völliger Verzückung...


4. Windmühlen: Mein Gott, was habe ich in meinem Leben schon gegen böse Riesen gekämpft. Und doch waren die meisten davon bloß Windmühlen. Und egal wie schmerzhaft oder fast tödlich der Kampf für mich geendet hat, ich bin mit gezückter Lanze ins Feld gezogen, auch ganz alleine, um alle Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die meine ideale Welt gefährden konnten. So ein Quijote sagt auch immer, was er denkt, ohne Überlegung, er trägt sein Herz auf der Zunge und denkt nicht nach, ehe er attackiert. Manchmal hat man das Glück und einen klugen Sancho Pansa neben sich, der einen festhält, bis die Riesen sich verzogen haben. Manchmal hat man keinen.

5. Last but not least zeichnet die Realitätsflucht eine Quijoteseele aus. Zu gern versenke ich mich in fremde Welten, Bücher, Filme, Theaterstücke, Serien, doch nichts zu Realistisches. Nichts Historisches, nichts Sozialkritisches, sondern Phantastisches, Gruseliges, Romantisches. Ein bisschen Realität ist in Ordnung, aber nicht zu viel. Nur in homöopathischen Dosen. Früher konnte ich ganze Sommer in einer erfundenen Scheinwelt verbringen, in ausgedachten Rollen leben, mit Musik Tagträume inszenieren und noch beim Einschlafen aktiv wunschträumen. Als Teenager habe ich etwa drei Viertel meiner Zeit auf diese Art verbracht. Ich war nicht in Diskotheken, in Clubs, in Bars, auf Partys, im Rauchereck, an den voll besetzten Tischen der Aula, meine Freunde waren zum Großteil fiktive Figuren, ich vermied Menschenansammlungen und versammelte lieber Wunschmenschen in meinem Kopf. Oft schrieb ich darüber, so fing das alles mit den Geschichten an. Nach außen war ich introvertiert, scheu, pflichtbewusst und unzugänglich. Manchmal bin ich das auch heute noch, wenn ich mich unter vielen Fremden finde oder in Situationen, die mir Angst machen. Dann träume ich mich immer noch gern weg, setze Kopfhörer auf oder packe auch mal ein Buch aus, als letzten Rettungsanker. Am Geborgensten fühle ich mich in meinen vier Wänden, mit der Katze im Arm oder unter sehr engen Freunden. Und auch das ist möglich. Andere Quijoteseelen finden und mit ihnen die Milchstraße am Feld suchen...

All das beruht natürlich auf meinen eigenen Erfahrungen. Und Quijoteseele ist auch nicht gleich Quijoteseele. Ich kenne welche, die durchaus sehr politisch sind, sehr, sehr logisch denken oder sich in diversen Situationen ganz anders verhalten als ich. Aber generell glaube ich, dass es gut ist, wenn man weiß, dass man so ein Quijote ist. Weil die Mondritter immer wieder versuchen werden, uns zu vermitteln, dass wir scheitern, hoffnungslose Träumer sind oder uns das Gefühl geben wollen, dass unsere Illusionen keine Berechtigung haben. Und oft werden wir auch scheitern. Aber zu verstehen, wer man ist und wie man funktioniert, ist ein wichtiger Schritt dahin, sich nicht zu verkriechen, wenn man mit den Spiegeln und Stacheln der Realität konfrontiert ist. Man kann auch als Quijoteseele glücklich sein. Und andere glücklich machen. Weil:



Montag, 28. Oktober 2013

Tandem - Woche 35

Tandem der Woche ist ein gemeinsames Projekt von Elsoron und mir. Montag ist Tandem-Tag, jede Woche gibt es ein Fundstück zu entdecken, sei es ein Bild, ein Zitat, ein Video oder ein Song, zu dem wir unabhängig voneinander jeder einen kurzen Text schreiben werden.


Fabel von Fuchs und Auerhahn

Herr Fuchs, ich sag es unter Tränen,
Ihr habt da etwas in den Zähnen,
Das, wenn mein Auge mich nicht trügt,
Sich nahtlos an mein Beinkleid fügt.

Kathrrrrrr, kathrrrrrr, kathrrrrrr.

Ich balzte grad um Hühnchen Paule,
Als Ihr mit Eurem großen Maule
Mein schönes Federkleid zerstört.
Ganz Euer Stil, wie man so hört.

Kathrrrrrr, kathrrrrrr, kathrrrrrr.

Dabei könnt beim Gesangsbewerbe
Kein Tier, so wahr ich demnächst sterbe,
Euch streitig machen den Gewinn,
Wie gut, dass ich die Jury bin!

Kathrrrrrr, kathrrrrrr, kathrrrrrr.

Die kehlige Joe-Cocker-Reibe,
Die wird Euch nicht gerecht, beileibe.
Ein Michael Jackson aus euch klingt,
Wenn Ihr zum Casting Thriller singt.

Kathrrrrrr, kathrrrrrr, kathrrrrrr.

The Voice of Germany muss singen!
Und alle Welt zum Weinen bringen.
Als Star lebt Ihr in Saus und Braus.
Ich fleh Euch an, lasst ihn heraus!

Kathrrrrrrr, Kathrrrrrr, Kathrrrrrriller
Thriller at night
You're fighting for your life
Inside a killer
Thriller tonight!

So brach es aus des Fuchses Innern.
Er war noch nie bei den Gewinnern.
Der Hahn, er flog, nicht einzuholen.
Und Fuchs probiert es jetzt bei Bohlen.




Sonntag, 27. Oktober 2013

+++Theaterkritik+++ Love Never Dies, Wien

Foto: Rolf Bock

Liebe stirbt nie. Liebe vergeht nicht. Eines war klar, eine Wiener Aufführung wird es schwer haben. Es hatte schon die nahezu perfekte Australische Aufführung schwer, weil für mich dieses Stück, das mich wie kaum ein zweites durch und durch gepackt hat, für immer mit der Londoner Inszenierung verbunden sein wird.
Dennoch...
Dreimal hat es mich ins Wiener Ronacher gezogen, um wieder in Andrew Lloyd Webbers phantastische Musik einzutauchen. Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von Koen Schoots brilliert wieder einmal. Es schimmert und schillert in jedem Takt auf Coney Island, da wurde großartig gearbeitet, präzise und mit Liebe zu jeder Melodie. Hut ab. Das gilt leider nicht so ganz für die deutsche Übersetzung von Wolfgang Adenberg. Zu viel geht an Platitüden verloren, und nein, "I'll always feel no more than halfway real, till I hear you sing once more" lässt sich nicht mit "Ein halber Mann, den nichts erlösen kann, bis du wieder singst für mich" adäquat übersetzen. Da passen Herzen und Schmerzen und Not und Tod einfach wieder mal zu gut zusammen als dass es an die lyrische Kraft des Originals von Glenn Slater heranreichen könnte.
Worum geht es überhaupt? Na ja, böse Zungen (ich nicht!) behaupten ja, Webber hätte sich seine eigene Fanfiction geschrieben, als er sein Phantom und Christine zehn Jahre nach dem allseits bekannten Ende ausgerechnet im Rummel von New Yorks Coney Island wieder aufeinandertreffen lässt. Samt klassischer Dreiecksbeziehung, fraglicher Vaterschaft und höchst eifersüchtigen Angestellten. Ich sage: Man darf dieses Stück einfach nicht am Phantom messen oder es als "Fortsetzung" sehen. Es ist eine Sache für sich und zwar eine mit den verflucht geilsten Melodien, die Webber seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten gelungen sind.
Über die halbszenische Regie von  Andreas Gergen  lässt sich nur sagen, dass sie nicht Fisch und nicht Fleisch ist und wenn Fleisch, dann ganz schön fettes, süßliches. Das geht bis zur großen Seifenoper bei "Beneath a Moonless Sky", das - ein echtes Ärgernis! - mit einem minutenlangen Kuss beginnt. Wenn wir Autoren so aus unseren Figuren ausbrechen würden, wie es sich sie Herren und Frauen Regisseure gelegentlich erlauben, würde uns keiner mehr ernst nehmen. Das Phantom mag in "Love Never Dies" noch so angepasst sein, er ist ein Sozio- und Psychopath an der Grenze zum Autismus. Da passt der patente Liebhaber nicht dazu, zumal davon gesungen wird, dass er nur in "Rabenschwarzer Nacht" hingebungsvoll war und beim ersten Lichtschein abgehauen ist, aus Angst, Christine könnte sein Gesicht sehen. Und zehn Jahre später gibt es Dallasküsse im Hotelzimmer bei Tag? No way. Davon abgesehen, warum halbszenisch und dann keine Maske? Die ist so sehr Teil dieser Figur, der Verzicht darauf mag zwar modern sein, lässt aber die Distanz und Glaubwürdigkeit schwinden. Zu sehr menschelt dieses Phantom permanent.
Was aber bestimmt nicht an Drew Sarich liegt, der ist absolut hinreißend. Und wenn ihm die Regie nicht seltsame Seifenopern-Umarmungen aufzwingt, ist alles da, was Phantom braucht. Bedrohlichkeit, Unbeholfenheit bei Berührungen, das ewige Künstlerkind mit der autistischen Seele. Und eine Stimme, die wie für diese Rolle gemacht ist. Wenn er bei den kleinen Phantom-Zitaten den Engel der Lieder anstimmt, Raoul einen impertinenten Laffen schimpft oder Christine droht, dann seh ich ihn jetzt schon auf der Bühne von Her Majesty's Theatre. Und mein Gott, das wäre das Phantom des zweiten Jahrtausends. Stimmlich, darstellerisch, ich freu mich einfach mal drauf, dann klappt das schon! ;-)
Die Christine von Milica Jovanovic ist süß. Sie singt auch hübsch. Bloß... Hätte ich nicht schon drei bessere Christines mit Sierra Boggess, Celia Graham und Anna O'Byrne gehört, dann hätte ich lauter applaudiert. So aber gelingt es ihrer Stimme nicht so ganz, mich vom Hocker zu reißen, wenn die Arie am Ende nur so halb explodiert. Dünne Luft da oben, dünne Luft. Gar jung ist sie auch und ich bin immer noch unentschlossen, was sie bei der Arie gespielt hat. Ich tippe auf "Töne treffen", weil diese geniale innere Zerrissenheit, die diese Szene ausmacht, von der war auch aus der zweiten Reihe vorn nur wenig zu spüren. Aber ansonsten hat sie gut gespielt und war echt zum verlieben, zuckersüß.
Zuckerlrosa war die Meg von Barbara Obermeier. Ob es jetzt eine Hommage an "Natürlich Blond" ist, das sie zeitgleich im Ronacher singt oder einfach ihr Style, es war eine Menge Elle Woods, etwas Barbie, aber keine Meg. Sie singt es wirklich ausgezeichnet, keine Frage, aber Meg, das ist ein abgehalftertes Revuegirl am Ende ihrer geistigen Kräfte, kein Glamourtaum in pinken High Heels. Bis ganz zum Schluss glaub ich ihr nicht, was sie tut. Ich erwarte dafür dauernd, dass sie einen Chihuahua aus der Tasche holt und beschließt, in Harvard Jus zu studieren, um das Phantom für sich zu begeistern. Hm.
Leonid Sushon ist ein reizender Gustave, vielleicht einer der besten, die ich gehört habe. Ist schon ganz schön heftig, so zehn Tage lang jeden Abend mit Drew Sarich zu rocken, aber der junge Mann macht seine Sache gut, spielt sehr natürlich und macht Freude.
Was man von Julian Loomans Raoul nicht behaupten kann. Selten war es so glasklar, für wen Christine sich entscheiden muss. Warum sie da so lang rumüberlegt, keine Ahnung, echt! ;-) Es war immer schon falsch, Raoul mit zu jungen Sängern zu besetzen. Wird aber oft gemacht. Frisch vom Konservatorium? Also gleich mal Marius oder Raoul, kein Problem. Aber der Witz dieser Story, die ja prinzipiell schon eher seifenoprig daherkommt ist eben das klassische Thema: Frau zwischen zwei Männern. Einer der unnahbare, geniale Künstler, der andere der arrogante, selbstgefällige Schönling. Ganz alte Story, die aber nur funktioniert, wenn beide gleich stark sind. Wer sehen will, wie sowas geht, sollte sich "Rush"  im Kino anschauen. Aber nicht Sarich gegen Looman, weil da nämlich null Spannung aufkommt. Aber gut. Hübsch war er auf jeden Fall.
Bleibt noch Maya Hakvoort als Madame Giry. Bloß: Warum??? Ja, klar, toll sie zu hören, aber mein Gott, ist diese Frau überqualifiziert! Madame Giry singt ja kaum. Aber ich beschwer mich nicht, lieber zu gut als zu schwach besetzt, nicht wahr? Vom Ensemble sei noch gesagt, dass mir Katja Berg  als Fleck außerordentlich gut gefallen hat, sehr präsent!
So, um zum Ende zu kommen: Jetzt hab ich wieder Sehnsucht nach Coney Island. Und am Ende immer noch Tränen in den Augen. Und bisher kein einziges Mal Ramin Karimloo erwähnt. Na gut, okay, einmal. Aber nötig war's nicht. Verbeugung, Herr Sarich, Verbeugung! :-)




Montag, 7. Oktober 2013

Tandem - Woche 34

Tandem der Woche ist ein gemeinsames Projekt von Elsoron und mir. Montag ist Tandem-Tag, jede Woche gibt es ein Fundstück zu entdecken, sei es ein Bild, ein Zitat, ein Video oder ein Song, zu dem wir unabhängig voneinander jeder einen kurzen Text schreiben werden.


Der Gummipaul

"Gib Gummi!", bellt Frau Nachbars Paul
Und fletscht die Zähne, breit das Maul.
"Ganz wie du willst", ruft kreidebleich
Der Mann von UPS sogleich.

Und lässt beim Tritt aufs Gas zurück
Vom Hinterreifen bloß ein Stück.
Der Wagen schlingert, kracht mit Schwung
Ins Schild an einer Gabelung.

Der UPS-Mann ist gleich tot.
Sein Blut, es fließt, die Straße rot.
Und was hat Paul nach Haus gebracht?
Ein Stückchen Gummi, Nummer acht!



Montag, 30. September 2013

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"Das ist mal herzhaft zum Lachen wie beste Comedy, mal spannend wie ein nicht allzu harter Krimi und immer, ohne peinlich zu wirken, am Puls der Zeit. Denn egal, ob Facebook oder Twitter: Nichts hat die Autorin vergessen, und doch kommt 'Naschmarkt' nie bemüht "up to date" daher... Ein lustiges und kluges Buch zum sommerlichen Zeitvertreib!" Buch-ticker.de, 10.08.2012

"Wenn man dieses Buch einmal in die Hand genommen hat, legt man es nur ungern zur Seite. Anna Koschka [...] hat eine witzige, kluge, wortgewandte Geschichte erzählt, die ihresgleichen sucht. Und wer nicht gerne dumm angesehen wird, wenn er laut loslacht, sollte dieses Buch, mit einem Hund und einer Katze neben sich, auf der heimischen Couch lesen." SingleCityNews.de, 07.08.2012

"Rundum ein wirklich gelungenes Buch, nicht nur für `Mauerblümchen´. Spannung, Unterhaltung und tiefere Einsichten in das urbane Leben und die Suche nach Liebe, wo immer man sie finden mag." Pagewizz.de, 20.05.2013


"Dem Buch haftet ein unerklärlicher Zauber an, frau (und hoffentlich auch Mann) bekommt Lust, die Rezepte nachzubacken, die eingestreuten Links wecken die Entdeckerinnen in uns und das Flair, das Anna Koschkas Geschichten umgibt, ist einfach unbeschreiblich - das kann ich nicht rezensieren, das kann ich euch nur ans Herz legen zu lesen." isshoo.net, 10.01.2014


"Bridget Jones? Sex and the City? Nein. Viel besser. Viel authentischer. Viel charmanter. Die Wienerin Anna Koschka hat mit ihrer Heldin, der Literaturkritikerin Dotti, eine unvergleichlich originelle und liebenswürdige Figur geschaffen, die man zwangsläufig ins Herz schließen muss. Und so ist auch der Nachfolger von NASCHMARKT ein absoluter Lesegenuss, von dem man einfach nicht genug bekommt. Ein Buch zum Verlieben!" buch-ticker.de, 19.12.2013


"Fruchtig und bitter, gehaltvoll und mit Zucker bestäubt: Der Roman MOHNSCHNECKE hat einiges zu bieten. Fruchtig, die Liebe mit all ihren schönen Seiten, bitter, die Enttäuschungen, die jeder verkraften muss. Gehaltvoll, der Roman mit endlosen Ideen und Verkettungen, mit Humor und einem wunderbaren Schreibstil. Und mit Zucker bestäubt? Weil doch noch irgendwas nach einem Happy End kommt." Schwäbische Post/Gmünder Tagespost, 15.02.2014




"Der Debütroman der Wienerin Claudia Toman ist ein Märchen mit viel Ironie." 
Peter Pisa, Kurier
"Claudia Toman ist ein Lachgarant mit weisen Zwischentönen gelungen." 
Christa Nebenführ, Die Wienerin
"Ein absolut märchenhafter Roman, der immer wieder überrascht. Durch die unvorhersehbare Handlung, die spannenden Wendungen und die Verweise auf große Literaten kann man das Romandebüt von Claudia Toman nicht mehr aus der Hand legen." 
Neue Welt für die Frau
"Frauenroman mit hohem Unterhaltungswert und Anspruch!“
LEA
"Für mich ist dieses überaus lesenswerte Buch von Claudia Toman ein Buch für große Menschen, die innen drin Kind geblieben sind und dieses Kind auch nie im Leben abgeben möchten."
Andrea Koßmann 
"Claudia Toman zaubert in ihrem Romandebüt einen charmanten wie überzeugenden Genre-Mix. Frauenliteratur mit *Schmacht* und Herz trifft auf Fantasie und Märchenwelt." 
Thorsten Kneuer, Ex Libris
"Claudia Toman erzählt uns von einer großen Liebe, von Shakespeare, den Gebrüder Grimm, Hexen und Katzen. Manchmal sehr gefühlsbetont, dann wieder sehr humorvoll aber sprachlich immer sehr originell und erfrischend."
Ricarda Ohligschläger, Herzgedanke
"Jagdzeit ist ein, auf eine sehr gute Art, neues und ungewöhnliches Stück moderner phantastischer Literatur - voller Wortwitz, Situationskomik und reinster Magie. Ein äußerst unterhaltsames, kurzweiliges Lesevergnügen, nicht nur für Frauen, das ein bisschen süchtig macht, nach mehr von solch süffigem, prickelndem Stoff."
Bernhard d'Alemagne, Literaturzirkel

Presseauswahl:



VIDEOREZENSIONEN:











Verlag: neobooks.com
Seiten 15

EUR (D) 0,99

ISBN-13 978-3-8476-0225-5
Erscheinungstermin: 01.03.2012





Anna Koschka
Ein Mann für griechische Stunden

"Stella ist über vierzig, in Griechenland geboren und lebt in Wien. Als sie zu einer Hochzeit in ihr Heimatdorf fliegt, ahnt sie noch nicht, was sie erwartet…Stella hasst das Meer. Und den Sand. Und die Hitze. Das sind einige der vielen Gründe, warum sie nicht in ihrer Heimat Griechenland lebt, sondern in Wien als Journalistin arbeitet. Ihren Urlaub verbringt sie trotzdem immer in der alten Heimat, weil immer irgendeine Hochzeit ansteht. So auch dieses Mal und um die Katastrophe komplett zu machen, muss sie auch noch einen spritzigen Sommerartikel über das Abschleppverhalten der Griechen schreiben. Und auch ihre Familie hat eine Überraschung für sie geplant…"



Anthologien im Diana Verlag:



In "Schneegeflüster" enthalten ist meine Kurzgeschichte "Hering mit Heiligenschein", die grob mit Olivias Romanen zusammenhängt, weil es ebenfalls eine Wunschwellengeschichte ist, mit Fee und Märchenbezug. In "Immer schön cool bleiben" gibt es "Ein Sommerabendtraum", eine Geschichte, die viel Spaß gemacht hat, weil sie eigentlich sehr theatralisch ist, sich gar nicht schlecht für Bühne oder Film eignen würde und einen Charakter einführt, den ich irgendwann noch ausführlicher auftreten lassen möchte, den Juwelier Kuppitschek, den Wienerischen Gott der Liebe.

Anthologie bei Wunderlich:



Meine Kurzgeschichte "Christkindmord" ist für mich ein ganz besonderer Text. Es ist mein erster Krimi und es ist vielleicht eine der heftigsten Geschichten, die ich mir je ausgedacht habe. Während ich dran geschrieben habe, hatte ich richtiggehende Albträume, es war schlimm. Aber das Ergebnis hat mich selbst überrascht, weil es ganz etwas anderes ist als alles, was ich bisher geschrieben habe.

Anthologien von Bejot:


Die Storys sind vielseitig, sie sind gruselig, erschreckend, spannend und faszinierend, und alle haben sie gemeinsam: in ihnen gibt es kein Happy End. Eine weitere Besonderheit bietet das Buch: die Leser werden 'John' kennenlernen, die tragisch-komische Comic-Figur aus der Zeichenfeder von Torsten Rybka, die zwischen den Storys so manches erlebt und erleidet.

Jenseits war meine allererste Veröffentlichungsmöglichkeit und es war daher etwas ganz besonderes. Im Internet lernte ich den Kollegen Torsten Rybka kennen, der mich mit Barbara Jung vernetzte. Ich hatte nicht lange davor für einen Wettbewerb des Burgtheaters ein Miniaturdrama geschrieben namens "Take Away - Die neue Kollektion", das Torsten Barbara für die Anthologie vorschlug. Zu der Zeit habe ich viele Gedichte geschrieben, von denen dann der Zyklus Nachts an Teichen und mein Lycanthrop auch noch in die Anthologie kamen. Man merkt den Texten an, dass ich noch sehr jung war, Nachts an Teichen habe ich, glaube ich, mit 20 geschrieben, Take Away auch nicht viel später. Trotzdem mag ich die Gedichte immer noch, sie stammen aus einer Zeit, wo die Worte und Bilder nur so aus mir heraus geströmt sind. Und Take Away ist einfach skurril. ;-) 


Die Autorin

(c) Elisabeth Laufer
Wikipedia Seite

Kurzbiografie

Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zu etwa gleichen Teilen in Mittelerde, Phantasien, Märchenmond und Derry, Maine. Nach dem Schulabschluss packte sie die Theatersucht und sie arbeitete als Regisseurin, Regieassistentin und Inspizientin in Wien, Tokio und Tel Aviv. Von 2001 bis 2012 betreute sie die Vorstellungen der Kinderoper an der Wiener Staatsoper. Seit 2012 arbeitet sie als Guide im Kindermuseum Schloss Schönbrunn. 2009 erschien ihr Debütroman „Hexendreimaldrei“, es folgten „Jagdzeit“ 2010 und "Goldprinz" 2011. Bei Neobooks ist die Kurzgeschichtensammlung "Morgen um dieselbe Zeit" erschienen. Seit 2012 schreibt sie unter dem Pseudonym Anna Koschka über die Heldinnen des Mauerblümchenclubs. "Naschmarkt" und "Mohnschnecke" sind bei Droemer Knaur erschienen. Claudia Toman lebt als Untermieterin einer eigenwilligen Katzendame in Wien und arbeitet derzeit an ihrem dritten Anna-Koschka-Roman.

Autorenfoto

Foto: Peter Bosch



Q&A


Die Top 11 Bücher meines Lebens:
1. Stephen King "Es"
2. J.R.R. Tolkien "Herr der Ringe"
3. Joanne K. Rowling "Harry Potter"
4. Enid Blyton "Dolly"
5. Walter Moers "Die Stadt der träumenden Bücher"
6. Patrick Süskind "Das Parfum"
7. Haruki Murakami "Naokos Lächeln"
8. Helen Fielding "Bridget Jones"
9. Daniel Glattauer "Gut gegen Nordwind"
10. Michael Ende "Die unendliche Geschichte"

11. Ursula Poznanski "Erebos" 


Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Wie die meisten Kinder, mit 4, 5 Jahren. Es fing mit Buchstaben und Zahlen an, die sich in der Schule zu Wörtern und Sätzen verdichteten, bis ich mit 7, 8 Jahren anfing, Geschichten zu erzählen. Im Ernst, ich kann mich an keine Zeit erinnern, wo ich nicht geschrieben hätte, ich kann aber partout nicht sagen, ob es da je einen Punkt gab, wo ich es als aktive Betätigung gesehen habe. Es ist so sehr Teil meines ganzen Lebens.

Wie hast du einen Verlag gefunden?
Eigentlich viel einfach als man für gewöhnlich denkt. Ich kann nur jedem Autor empfehlen, den Weg über eine Agentur zu gehen. Mein Agent Joachim Jessen von der Agentur Schlück war von meinem Exposé und der Leseprobe so angetan, dass er das gesamte Manuskript angefordert hat. Einen Tag später und nur Wochen nach Beginn der Suche war ich bei Schlück unter Vertrag und konnte mir den Verlag tatsächlich aussuchen, da es mehrere Interessenten gab. Andrea Müller von Diana hat mit ihrer Begeisterung aber alle überboten und so kam Hexendreimaldrei zu Diana.

Wie würdest du jemandem, der noch nichts von dir gelesen hat, beschreiben, worum es in deinen Büchern geht?
Es geht in Olivias Geschichte darum, zu lernen, wie die Welt im Wesen funktioniert und wie man Realität erschafft. Dazu verwende ich Bilder, Figuren und Ideen aus Märchen, Mythologie und Phantastik, die alle eine Gemeinsamkeit haben. Diese Gemeinsamkeit ist der Rote Faden, symbolisiert wird er, wie so oft in Geschichten, durch einen Ring, den man erwerben muss. Die große Reise meiner Heldin ist es, die Zusammenhänge zu verstehen und sich ihre Herzenswünsche zu erfüllen, wobei Gefahr, Romance und auch Witz nicht zu kurz kommen. Es sind Bücher für jeden, der gerne träumt und so wie ich eine unendliche Liebe zu Phantasien, Mittelerde oder den dunklen Wäldern Grimmscher Märchen empfindet und trotzdem im Hier und Jetzt lebt, voller Sehnsucht und auf der Suche!

Welches ist dein Lieblingsbuch?
„ES“ von Stephen King. Kein Buch hat mich je mehr in die Tiefe zwischen den Seiten gesaugt, keine Stadt war mir je so vertraut wie Derry, kein Protagonist näher als Bill Denbrough. Dieser Roman ist, so wie ES selbst nicht von dieser Welt, sondern eines der seltenen genialen Meisterwerke, die „larger than life“ sind.

Welche literarische Person würdest du gerne tatsächlich einmal treffen?
Nun, der Typ, der mein Männerideal wohl auf ewig geprägt hat, ist Aragorn aus „Herr der Ringe“. Andererseits ist die Gefahr viel zu groß, dass dann womöglich der Glanz seiner unrealen Heldenhaftigkeit an der Realität abbröckelt, er Bier trinkt und dann rülpst oder so ähnlich, daher verzichte ich auf ein Date und behalte die Sehnsucht. Lieber würde ich mit Gandalf und Professor Dumbledore eine gute Prise Pfeifenkraut rauchen, und über Magie fachsimpeln, während ich Fawkes, den Phönix kraule. Ja, ich glaube, das wäre ein schöner Abend!

Hast du ein Vorbild?
Auch wenn sich das jetzt verrückt anhört, mein größtes Vorbild ist eine fiktive Figur, nämlich „O Captain! My Captain!“ John Keating aus dem Club der Toten Dichter. Nicht nur, dass ich den Film bestimmt zwanzig Mal gesehen habe, jedes Wort darin liebe und Robin Williams in dieser Rolle einfach grandios ist, repräsentiert diese Figur für mich etwas, das ich gerne wäre. Jemand, der andere begeistern kann und damit Leben verändert. Jemand, der Poesie als einen Grund zu leben sieht. Ja, das ist ein Vorbild für mich. Carpe Diem!

Kannst du deinen Lesern, die gerne selbst einen Roman schreiben würden, irgendwelche Tipps geben?
Der wichtigste Tipp ist: Schreibt es auf! Wenn die Geschichte stark genug ist, wird es gar nicht anders gehen, als dass sie raus will. Und ansonsten empfehle ich den Shakespeare-Pakt: Konsequenz, Wahrheit und ganz viel Liebe.





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