Dienstag, 7. Mai 2013

Nina George - Die Mondspielerin



Ar Mor. Jede Auster war wie das Meer. Jenes Meer, das jeder im Herzen trug, weit und frei, wild oder sanft, zartblau oder schwarz.

Ich finde, dieser Satz aus der "Mondspielerin" beschreibt das Buch am Besten. Auch Nina Georges Roman ist so eine Auster. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie tief das Meer ist, das sich mit Mariannes Herz vor dem schwimmenden Leser auftut, ich wäre schon viel früher gesprungen, um mich an ihrer Seite auf die Suche nach dem Inneren der Liebe zu begeben.
Denn Marianne springt. Vom Pont Neuf. Weil sie ihr Leben nicht erträgt, das Leben an der Seite von Lothar. Sein Leben, das sie lebt. Aber sie wird gerettet und findet im Krankenhaus eine Fliese, die als Untersetzer dient. Darauf ist ein Hafen mit einem zierlichen roten Schiff gemalt. Die "Mariann". Und mit kaum mehr als dieser Fliese in der Hand flüchtet Marianne nach Kerdruc, dem Ort in der Bretagne mit dem Hafen. Und der Auberge.
Gemeinsam mit Marianne erlebt, erfühlt und erschmeckt man sich von da an das Leben. Erst findet sie einen roten Kater. Dann Arbeit als Köchin. Dann Freunde und dann die Liebe. Vor allem aber findet sie sich selbst. Mitten in den keltischen Mythen der Bretonen, zwischen liebevollen und an der Liebe doch so sehr scheiternden Figuren wirkt Marianne als "Heilerin" für so manches. Eine gute Hexe öffnet ihr Herz und ein empfindsamer Maler füllt es mit Dingen, die sie nicht gekannt hat. Sieht sie mit seinen Augen so wie sie nie gesehen wurde.
Ich habe jeden Moment dieser Reise genossen. So viel Lust, in die Bretagne zu reisen, mehr über Megalithen zu erfahren, die alten Sagen von Merlin wiederzulesen, Moules zu essen, Butterkuchen zu backen oder das Meer anzuschreien. Ich kann die Geschichte nicht anders nennen als sinnlich. Alle Sinne werden berührt. Nie habe ich besser beschrieben gesehen, wie eine Auster schmeckt oder wie sich Liebe und Tod anfühlen. So nah war ich selten an einer Protagonistin dran und habe mich durch sie in mich verliebt. Oder in das Leben.
Ich kann diesen Roman nicht einfach nur empfehlen. Das wäre nicht genug. Aber vielleicht hilft es, an den Geschmack von Austern, gutem Wein, frischem Weißbrot, den Geruch von Salz, Honig und altem Holz, die Farbe von einem bunten Gemüsegarten im Sonnenlicht, den Klang eines Akkordeons in der Nacht und den Gedanken an Feen und Hexen zu erinnern. So ist "Die Mondspielerin."


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