Montag, 29. Dezember 2014

Geiz ist peinlich - Warum eine Apfeltasche mehr wert ist als ein Roman. Gedanken zur Verramschung der Buchbranche.

© yevgeniy11 Fotolia.com
Montagmorgen beim Fleischer. Ich bestelle einen Fondue-Mix für vier Personen, schließlich ist in zwei Tagen Silvester. Je zweihundertfünfzig Gramm Huhn, Pute, Schwein und Rind. Nur das beste natürlich. Als der Fleischer mir den Preis nennt, schüttle ich den Kopf. "Das ist zu teuer." Der Fleischer und seine Frau tauschen konsternierte Blicke, schließlich fragt er: "Ähm, wie viel soll's denn kosten?" Ich überlege kurz. "Gibt es kein Gratisangebot?" Eine markante, pochende Ader wird auf der Stirn des Fleischermeisters sichtbar. Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen und sieht schließlich seine Frau an. Diese, einsachtzig groß und bullig, stemmt die Hände in die Hüften und sagt mit lauter Stimme: "Also hörn's mal, gnä' Frau, unsere Tiere werden am Biohof geboren, etwa zehn Monate lang gemästet, das ist harte Arbeit, Tag für Tag. So ein Schweinderl muss gepflegt werden. Dann kommen sie natürlich unter Qualitätskontrolle zum Schlachthof, wo sie betäubt und gestochen werden, ausgeweidet, bearbeitet, gereinigt. Damit Sie hier in der Auslage das beste Fleisch zur Auswahl haben. Und Sie wollen nichts dafür zahlen? Wie stell'n Sie sich das vor?"
Und genauso ist das mit dem Bücherschreiben. 
Also, jetzt mal unter uns, wie viele Gratis-E-Books besitzen Sie? Ja, Sie, ich sehe Sie doch gerade nachrechnen. Keine Sorge, ich verrate Sie nicht! Also wie viele? Da wären mal die aus den Amazon-Gratisaktionen. Gibt es ja inzwischen täglich. Warum auch nicht, man muss es nutzen, wenn einem was geschenkt wird, nicht wahr? Vielleicht ein paar Rezensionsexemplare? Dann noch die, die Sie sich von der Festplatte Ihres guten Freundes XY gezogen haben. Ist ja auch nichts dabei, Sie haben sich ja immer schon Bücher von ihm geliehen, das ist bei elektronischen Büchern doch dasselbe. Und der Z hat schon gefragt, ob er die dann auch haben kann. Schließlich kostet auch eine Flatrate Geld. Vielleicht haben Sie auch schon mal das eine oder andere Buch auf einer Seite im Internet gratis gefunden? Hey, wer würde das nicht tun, wenn es dort doch verfügbar ist. Ist ja nicht Ihre Schuld. Und? Wie viele sind es? Zwanzig? Dreißig? Vierzig? Mehr? Und mal ehrlich, wie viele davon haben Sie gelesen? Ein paar? Na, aber haben muss man sie, wenn sie schon nichts kosten. Nehmen ja keinen Platz weg. Und verderben auch nicht, wie das Fleisch, das Silvester übrig bleibt.
Was nichts kostet, ist auch nichts wert.
Ich höre von allen Seiten, dass ein Preis von 2,99 für einen Roman im E-Book derzeit der höchste Richtwert ist. Was mehr kostet, kauft niemand. Ich sehe es auch selbst. Meine Verlags-E-Books kosten über 8,00 Euro. Die beim E-Book-Label auch noch stolze 4,99. Und sie verkaufen sich nicht. Folgen Sie bitte mal kurz meinem Gedankengang: Gehen Sie gern zu Starbucks? Ja? Ich gehe sehr gern zu Starbucks. Was kostet dort ein Kaffee? Ich hab noch mal für Sie nachgeschaut: Einen mittleren Americano oder Filterkaffee gibt es grade noch für 2,90. Ein großer Latte oder Cappuccino kostet 3,95. Ein Caramel Macchiato 4,80. In zehn Minuten ist der ausgetrunken. An einem Buch lesen Sie viele Stunden. Sie können es sogar öfter lesen. Vorlesen. Draus zitieren. Damit angeben. Der Autor hat viele Monate dran geschrieben. Aber drei Euro sind Ihnen zu viel dafür? Ich frage nur. Im Kino war ich auch neulich. Zwölf Euro für zwei Stunden Unterhaltung. Noch etwas Cola und Popcorn dazu und der Abend kostet über zwanzig Euro. Aber ein Buch um drei Euro war zu teuer, richtig? 
Wenn ich mich durch die E-Book-Bestsellerlisten klicke, kostet kaum ein Buch auf den vorderen Plätzen mehr als 99 Cent. Ja, Sie haben richtig gehört. 99 Cent. Weniger als der McSundae Eisbecher oder die Apfeltasche bei McDonalds. Weniger als der durchschnittliche Schokoriegel. Und selbst das ist den meisten Leuten noch zu viel. Sie warten auf das Gratisangebot, so wie ich beim Fleischer.
Ist doch gute Werbung!
"Wissen Sie was", sage ich zum Fleischerehepaar, "wenn Sie mir das Kilo Fleisch schenken und es meinen Gästen zu Silvester schmeckt, werden die sicher auch bei Ihnen einkaufen. Und erzählen allen Freunden, was für gutes Fleisch Sie haben. Dann kommen ganz viele Kunden und Sie kriegen eine Urkunde als bester Fleischer im Landkreis. Das ist doch in erster Linie Werbung für Sie!" Der Fleischer sieht traurig aus, vermutlich denkt er, wie gut sich so eine Urkunde an der Wand neben der Tür machen würde. Seine Frau schubst ihn zur Seite und tritt näher an die Theke. "Ach ja? Und wer garantiert uns, dass das passiert?" "Niemand", antworte ich munter. "Aber Sie haben sich diesen Beruf selbst ausgesucht. Sie wollen doch bestimmt, dass möglichst viele Leute Ihr gutes Fleisch essen, oder? Außerdem, sind wir ehrlich, sooooo schwer ist der Job auch wieder nicht, schlachten kann doch jeder, der ein Messer halten kann."
Autoren müssen froh sein, dass sie gelesen werden!
"Ich habe halt die Hoffnung", sagen viele KollegInnen, die ihre Bücher um weniger als einen Euro verramschen, "dass die Leute dann mehr von mir lesen wollen, wenn ich ihnen mein Buch schenke. Das nächste kaufen sie. Bestimmt." Bestimmt nicht. Erstens: Wenn ich nach meinem eigenen E-Book-Reader gehe, da sind bald 100 Bücher drauf. Viele davon auch Gratisangebote von Amazon. Gelesen habe ich eine Handvoll. Ich lade unverhältnismäßig viel mehr Bücher als ich überhaupt je lesen können werde. Lesezeit ist begrenzt und gehört zu 90% schon meinen Lieblingsautoren. Zweitens: Wer in den Gratis-Charts von Amazon nach Büchern stöbert, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor, sich viele E-Books zu kaufen. Entweder weil sie eh bloß elektronischer Schrott sind oder weil es so leicht ist, sie gratis zu bekommen. Werden einem ja praktisch nachgeworfen. Das ist ein Dumpingkonstrukt aus Hoffnung und permanenter Nichterfüllung. Je mehr man die Leute mit Billigpreisen lockt, desto weniger sind sie bereit, jemals wieder mehr als das auszugeben. Und schwupp hat ein Buch den Wert einer Apfeltasche. Jeder führt dann die paar Selfpublisher ins Rennen, die es geschafft haben, auch eine Menge Käufer zu finden. Ja, die gibt es. Aber dass es King, Rowling und Follett gibt, bedeutet auch nicht, dass jeder Verlagsautor automatisch Bestseller hat. Den Meisten von uns geht es in Relation so wie mir bei meinem Gratisexperiment. Ich habe meine Kurzgeschichte Christkindmord zu Weihnachten für 4 Tage verschenkt. Davor kostete sie 89 Cent. In Buchstaben: Nullkommaneunundachtzig. Weniger als ein Kaugummi. Kauen Sie Kaugummi? Nicht? Ich auch nicht. Ist schon nach Minuten völlig schal. Sind Sie neugierig auf die Zahlen? Wollen Sie wissen, wie es wirklich aussieht? Hier ist die Tabelle:
35 Leser haben die Geschichte um 89 Cent gekauft. An den Gratistagen haben sie 764 Leser runtergeladen. Zwei haben sich auch unmittelbar beschwert, dass das eine solche Zeitverschwendung war und sie sich geärgert hätten, hätten sie was bezahlt. Ich muss dazusagen, dass es sich um eine professionell lektorierte Geschichte handelt, die zuvor in einer hoch dotierten Anthologie im Großverlag erschienen ist. Und der Großteil der 764 Downloader wird die Geschichte vermutlich nie lesen. Ist mir das gleichgültig? Nein. Wofür schreibe ich? Um schnelle Kohle zu machen? Um möglichst viele Exemplare um 99 Cent unters Volk zu bringen? Nein. Ich schreibe, um gelesen zu werden. Und hier sind wir wieder beim Thema: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Man liest es entweder gar nicht oder wenn, dann nur, um es doof zu finden. Kann ja nicht gut sein so für umme. Den neuen Follett, der als Hardcover sowie als E-Book um über 20 Euro erscheint, den liest man sofort. Hat ja schließlich was gekostet, das Ding. Ist bestimmt jeden Cent wert. 
Geiz ist geil?
Ich schäme mich ein bisschen, als ich meine Geldbörse zücke und das Fleisch bezahle. Wie komme ich überhaupt auf die Idee, etwas ganz billig oder gratis haben zu wollen, in das andere Menschen ein Jahr oder mehr Arbeit gesteckt haben? Für das Blut und Schweiß geflossen sind. Genauso geht es mir bei Büchern. Verstehen Sie jetzt? Herzblut ist auch Blut. Und Schreiben ist auf seine ganz besondere Art genauso schweißtreibend harte Arbeit wie Schlachten, Zimmern, Rechtsprechen oder Theaterspielen. Kunst ist nicht etwas, das Menschen machen, weil ihnen langweilig ist. Kunst ist Teil unseres Lebens. Was wären wir ohne all die guten Geschichten, Konzerte, Aufführungen, Bilder, Skulpturen, Songs, Filme? Sie bereichern unser Leben. Darum möchte ich Sie um etwas bitten. Ja, Sie, ich sehe, Sie denken gerade mit einem Lächeln an Ihr Lieblingsbuch oder den letzten Film, den Sie im Kino gesehen haben. An das Gefühl, wenn Sie ein Lied hören, in das Ihre Seele wie in einen Fleecehandschuh schlüpft! Kaufen Sie Bücher, Musik, Filme, Bilder wie Sie auch alles andere kaufen, das Sie zum Leben brauchen! Geiz, und das sag ich Ihnen ganz im Vertrauen, ist nämlich gar nicht geil. Geiz ist total peinlich!

Andere Artikel zum Thema:


Related Article:

42 Kommentare:

mike-floyd hat gesagt…

Absolut auf den Punkt gebracht! Sehe ich genauso.

Anonym hat gesagt…

Ach, was für ein herrlicher Artikel!
Ich stimme von Anfang bis Ende zu! Klar, auch ich habe Gratis-ebooks auf meinem Reader, und ein paar davon sind richtig gut. Aber die Masse wird tatsächlich schlichtweg nicht gelesen.
Ich selbst biete meine Bücher niemals gratis an, auf gar keinen Fall! Eben weil ich weiß, wie solche Aktionen in der Regel verlaufen.
Eine befreundete Autorin hatte eine Gratisaktion, da wurden so um die 1400 Bücher runtergeladen. Keine Kurzgeschichte, ein ganzer Roman! Mir als Kauffrau drehte sich da der Magen um - wie viele Bücher müßte sie regulär verkaufen, um diesen GAU auch nur wettzumachen? Geschweigedenn, irgendwann mal wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
Wobei wir beim Thema sind: Schwarze Zahlen bei Autoren von ebooks. Da denken viele Leser offenkundig, daß die ja in der Herstellung nichts kosten, weil sie ja nicht real greifbar sind. Ha! Weit gefehlt! Wenn wir denen unsere "kostenfreien" Bücher um die Ohren hauen würden, wäre das Geschrei noch größer, als es oftmals eh schon ist!
Kein Korrektorat, nicht einmal durch ein gutes Programm (kostet ja Geld), von Lektorat ganz zu schweigen. Und ein Cover? Nö, das lassen wir. Einfach den Titel auf weißem Grund geschrieben, fertig. Vernünftige Formatierung? Ach was! Auch das kostet Geld! Also einfach die Textdatei hochgeladen, wird schon lesbar sein.
Ja, so müßten Gratisbücher aussehen.
Selbst für lächerliche 2,99€ muß man Unmengen verkaufen, um auch nur die Kosten reinzuholen.
Ich denke, die freien Autoren sollten endlich mal zur Vernunft kommen und ihre Preispolitik überdenken. Gerade jetzt, wo durch KU ja die teuren Bücher mehr Zulauf finden ...
Danke, daß ich hier so zutexten durfte!
Liebe Grüße
Patricia Jankowski

Anonym hat gesagt…

Ja, ein sehr guter Artikel. Dies gilt bitte auch für Autoren, die meinen, man müsse ein Cover geschenkt bekommen oder für Lektorat nichts zahlen. Ebenso für Autoren, die kein Geld für Autorenwebseiten ausgeben und mit den gleichen Sprüchen wie die Leser versuchen ihre Notwendigkeiten billigst zu bekommen.
Da denke ich doch dran, dass vielleicht der Covergestalter, der mit weniger als 99 Euro oder sogar nur 5 Dollar über Webseiten abgespeist wird, vielleicht mein Leser ist und der dann auch nicht bereit ist 2,99 Euro für ein eBook auszugeben.
Die Wertschätzung für Arbeit und künstlerische Tätigkeit fängt schon am Anfang eines Buches an, wer seine Dienstleistungen billigst einkauft, darf nicht meckern, wenn die Bücher kostenlos gelesen werden.

Anonym hat gesagt…

Stimme absolut zu! Was nichts kostet, ist nichts wert, das hat auch meine Omi immer schon gesagt und sie hatte recht.

Stefan hat gesagt…

Habe diesen interessanten Beitrag mal in der Gruppe der Selfpublisher geteilt, dsr reges Interesse findet. Danke dafür

Anonym hat gesagt…

Dieser Artikel spricht mir als Autorenkollegin aus der Seele. Ein dickes Dankeschön dafür!

Wildnis Familie hat gesagt…

Hallo
toller Beitrag!
Ich finde das kann man auf Blogbetrieber ausweiten. Viele regen sich auf, wenn Werbung auf Blogs erscheint. Sie bezahlen Zeitungen und Zeitschriften - lesen aber Blogs unentgeltlich. Ihnen ist nicht bewusst, dass der Blog sich tragen muss und das unter Umständen einfach nur über Werbung geht. Ich drücke daher gerne auf Werbung und bezahle so mein Lesen auf Blogs....als Dankeschön und damit der Blogbetreiber weiterhin so gute Artikel schreiben und ich lesen kann :-) Vor allem wenn sie viel Zeit und Energie verwenden und vom Blog leben -

Anna Diaries hat gesagt…

Sehr guter Beitrag und dazu auch noch so wahr! Ich muss sagen, ich besitze derzeit wenige eBooks. Eins davon habe ich gewonnen (also nicht bezahlt), 6 gekauft. Den genauen Preis ich nicht, da die eBooks von meinem Mann auf den neuen Kindle geladen wurden. Klar finde ich, dass ein eBook billiger sein sollte, als ein TB oder gar Hardcover, weil natürlich kein echtes Papier benutzt wird. Aber 5€ finde ich nicht zu viel. Auch 8€ nicht. Schließlich will der Autor davon leben, die Grafikdesigner bezahlt werden, eventuell noch die Menschen, die das Buch ans Format angepasst haben. Auch hier fließt viel Geld vom Autor vorab bezahlt an die Menschen hinter den Kulissen. Aber ich glaube da bin ich mit unter die Ausnahme. Viele gute eBooks werden - vorallem von Neu und Indieautoren für 99cent angeboten und dann? Kann man davon leben? Das würde mich mal interessieren. Eine Rechnung für die eBookkosten, die ein Autor so hat und wieviel es kosten müsste, damit man damit auch einigermaßen was verdient ôo

Lg Anna

Nadine Edel hat gesagt…

Ich glaube, jeder freut sich über Bücher, die günstiger sind - egal ob es jetzt Printbücher oder Ebooks sind. Und greift dann zu. Zumindest geht es mir so. Meine Lieblingsautoren kaufe ich noch in "echt", diejenigen, die ich nur gern mag, kaufe ich als Ebook. Auch für 10 oder 11 Euro. So ist das nun mal.
Erst vor kurzem habe ich eine Diskussion gesehen, in der jemand fragte, ob es gerechtfertigt wäre, ein Ebook für 2.99 Euro zu kaufen. Meine Antwort: Ja, wenn es mich interessiert! Was überlegt man denn da so lange? Ein Printbuch hätte man doch schon drei mal gekauft. Ich verstehe die Leute einfach nicht.
Dank amazon kann man zumindest schon mal reinlesen, ob das Buch und die Schreibweise einem überhaupt gefällt. Wenn dem so ist, dann sollte man auch zuschlagen.

Claudia Toman hat gesagt…

Ich danke euch für euer positives Feedback. Mir ging es genau darum. Zum Nachdenken anzuregen, mal ganz ohne die Trennung zwischen Publishing und Selfpublishing, ohne polemisch zu werden oder zu verurteilen. Ich verurteile auch Leser nicht, die sich über Gratisangebote freuen. Ich möchte nur den Wert eines Buches wieder in Erinnerung rufen, die Arbeit, die dahintersteckt. Damit, wenn das ärgste Bedürfnis, tausende kostenfreie E-Books auf dem Reader zu bunkern, gestillt ist, auch wieder ein Gefühl für Wert und Qualität entsteht. Erinnert sich noch jemand an Napster? Wie viel von der damals gehorteten Musik hört ihr heute noch? Wie viel habt ihr nie angehört? Ich finde, wir Autoren verdienen nicht nur Downloads. Nicht mal nur Käufer. Wir verdienen Leser. :-)
lg Claudia

vieleineinemblog hat gesagt…

Ich bin froh, wenn Bücher wenn verschenkt werden, denn die Mäcces Apfeltasche, das Raclettefleisch für Silvester- diese ganzen kleinen Genüsse für kurzfristig wenig Geld, das kann ich mir nicht leisten.

Meiner Ansicht nach ist Geiz nicht ausschließlich der Grund dafür, dass viele Bücher schlicht verramscht werden.
Neben eben doch auch steigender Armut, obwohl mehr Menschen arbeiten (die Lebenshaltungskosten sind eben gestiegen, während Genussmittel billiger werden) ist da auch noch, dass viele Romane heute kaum über 200 Seiten kommen, immer die gleichen Themen durchkauen und immer die gleichen Strickmuster verwendet werden.
Mir ist das inzwischen wirklich zu langweilig.
Neues ist zu heikel in der Medienkrise und heikel mag der Kapitalismus nicht. Ich spare mir dann lieber was zusammen und schaue in die autonomen Verlage oder eben die kostenlosen Downloads, ob ich hier oder da nicht vielleicht doch noch eine kleine spannende mutige Perle finde.


Was ich aber auch sehr gut nachfühlen kann, ist der Wunsch danach gelesen und geschätzt zu werden (und vielleicht auch ein bisschen vom Schreiben leben zu können). Vielleicht ist es da gut, häufiger mal direkt irgendwo zu lesen?
Ich erlebe es zur Zeit ganz oft so, dass der direkte, nicht virtuelle, Kontakt zu Menschen, die meine Texte lesen ein sehr warmer und befriedigender ist. Es ist nicht das Gleiche wie Geld um Rechnungen zu bezahlen, aber schon um den Motor zum eigenen Antrieb nicht ausgehen zu fühlen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der Zukunft und weiterhin viel Freude!

Mona Frick hat gesagt…

Ich schreibe selbst und bemerke auch bei meiner aktuellen Preis Aktion von je 99 Cent statt 2,99€ pro lektorierten Roman eine Umsatz Steigerung. Ich kaufe auch oft Schnäppchen, aber dann schreibe ich zum dank immer eine Rezension. Das wäre auch schon mal eine schöne Währung ...

Anonym hat gesagt…

Das Problem, das ich als Leser habe, ist folgendes: heutzutage schreibt jeder. Und jeder veröffentlicht. Klar, es mag der ein oder andere Autor auch gut sein und trotzdem nicht die Qualitätskontrolle der großen Verlage passieren (Mainstream, angesagte Themen , bla bla), aber seien wir doch mal ehrlich: nicht mal fünf Prozent der Menschen, die schreiben und entweder selbst veröffentlichen oder bei irgendwelchen noname- Verlagen erscheinen, können auch was. Das meiste, was in diesen 89 Cent Angebotslisten landet, landet doch nur deshalb dort, weil ein Lektor eines renommierten Verlags es abgelehnt hat, und das meist zurecht.
Die meisten Menschen wollen ihr Fleisch, um bei dem Vergleich zu bleiben, ja auch mit Qualitätssiegel.
Und nur, weil es Mühe gemacht hat, ein Buch zu schreiben, weil es Zeit und Herzblut gekostet hat, muss es längst nicht was wert sein. Noch lange nicht gut geschrieben und lesenswert sein.
Ich lade weder die Gratisprodukte noch irgendwelche 89 Cent Werke runter, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es meist Schrott ist. Ich verlasse mich hingegen auf renommierte Verlage und Kritiker bei meiner Auswahl. Es mag mir vielleicht was entgehen. Aber ich muss mich zumindest nicht über miese Qualität ärgern.

Dobbie von IM ZAUBER DER BÜCHER hat gesagt…

Super Beitrag! Ich sehe häufig auf Blogs, dass sie Rezensionsexemplare förmlich schon horten und teilweise nicht mal mehr mit dem Lesen nachkommen. Ein hoher SuB mit gekauften Büchern mach das eine sein, aber zusätzlich noch Reziexen stapeln muss ja nun wirklich nicht sein...

Vor allem aus diesem Grund (weil ich meine eigenen Bücher auch irgendwann mal lesen möchte) ist bei mir bis auf weiteres Schluss mit Rezensionsexemplaren. Ebenso gibts ab 2015 bei mir ein Buchkauf-Verbot, bis ich auf eine bestimmte Anzahl von SuB runter bin. Das dürfte mich eine Weile beschäftigen.

Wem es nicht passt, der hat Pech. Aber selbst mich als Leser regt es fast schon auf, wenn sich Autoren derart aufdrängen mit einer Rezensionsanfrage, dass kein Nein akzeptiert wird. Sowas hatte ich auch schon erlebt... =/

Ich könnte jetzt glaube ich noch Stunden lang weiter schreiben, aber eigentlich ist oben bei dir sowie auch in den Kommentaren hier bereits alles gesagt. =)

Liebe Grüße,
Dobbie von IM ZAUBER DER BÜCHER

Susanne Leuders hat gesagt…

Du hast das Problem der Wertschätzung in Bezug auf die Leistungen, die hinter Kunst im weitesten Sinne steht, sehr gut auf den Punkt gebracht. Die Idee, dies eins zu eins auf eine Alltagssituation zu übertragen, ist genial, denn nur so eröffnet sich dieses Thema wirklich jedem. Niemand, der das liest, kann so die Augen davor verschießen. Selbstreflexion ist angesagt!! Ich hoffe, du findest viele Leser. Deshalb werde ich diesen Artikel, hoffentlich mit deiner Zustimmung, auf meiner FB-Seite verlinken und dazu auffordern, ihn zu teilen.
LG
Susanne

Claudia Toman hat gesagt…

Natürlich, Susanne, gern! :-)

Sybille Johann hat gesagt…

Einfach nur genial auf den Punkt gebracht. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, dass es absolut nichts bringt, sich durch Billig-/Gratisaktionen in die vorderen Plätze zu spielen, und hinterher wieder abzufallen. Und deswegen mache ich das auch nicht.
Wenn wir glauben, damit gesehen zu werden, schaufeln wir uns unser eigenes Grab. Wenn es nur noch billig und gratis gibt, werden wir daran gemessen. "Wie, du willst auch noch Geld dafür?" Nein, natürlich nicht, ich hatte monatelang nichts besseres zu tun als zu schreiben und mir was auszudenken. Hätte ich das nicht getan, hätte ich am Ende noch die Wohnung gestaubsaugt. Aber damit Geld verdienen? Igitt.
Steht endlich zu Eurer Arbeit, liebe Kollegen, dann werdet Ihr auch gesehen. Ihr macht Euch nur selber klein.
LG
Sybille

Katharina Kraemer hat gesagt…

Ein lesenswerter Artikel über die falsche DEMUT des Autoren ... eigentlich ist sie fehl am Platz. Aber auch ich habe kostenfreies Material im Umlauf. Weil es alle machen, nicht weil ich denke, sie seien NULL wert. Stolz auf unser "Geschreibsel" zu sein, und dafür einen Lohn einzufordern (die Arbeitszeit wird eh nicht genug bewertet) ist wahrscheinlich verpönt! Das ist ähnlich wie mit "leichten Mädchen", die bekam MANN ja auch oft für ein Appel und ein Ei !!! Quasi geschenkt. Sind wir nicht mehr wert als ein lauwarmer Schluck Brause?

Andrea hat gesagt…

Toller Text, der spricht mir voll und ganz aus der Seele.
Ja, ich habe auch Gratisbücher im Regal und auf meinem Reader. Aber nur solche, die ich auch lese und lesen werde. Die meisten meiner 1300 Bücher sind regulär gekauft. Und das, ohne auf den Preis zu achten, sondern einfach, weil ich sie haben wollte, lesen möchte und vor allem den Autor durch meinen Kauf seine Arbeit weiterhin sichere.
In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr, vielleicht lernen wir uns ja noch persönlich kennen ;)
Liebe Grüße
Andrea

Anonym hat gesagt…

Ich habe zwar auch einige von den Gratis ebooks , die ich auch lesen will , aber ich kaufe mir auch die wo ich umbedingt haben will . Ich finde bei manchen ebooks kann man ruhig mehr verlangen !!

Lara Smith hat gesagt…

Tja, wenn die Stadt voller Metzger ist, die ihr minderwertiges Fleisch verramschen, bekommt auch der Metzger mit dem guten Fleisch manchmal solche Anfragen. Er muss ja nicht auf den Zug aufspringen.
Aber eigentlich ist es für den Ramschautor auch egal ob ihr Gratisangebot angenommen wird oder nicht, wenn die Leute das Buch sowieso nicht lesen und nie kaufen würden.
Lg Lara

Zwie Licht hat gesagt…

Man fragt sich schon warum Autoren ihre 500 Seitenschmöcker für 0,99€ anbieten. Solange das Überangebot an billigen Büchern bleibt, wird sich daran nichts ändern. Also liebe Autoren: Statt mit Gewalt den Markt über den Preis zu erobern, entwickelt eure Marke doch besser Schritt für Schritt. Mit dem Discountpreis macht ihr den Markt kaputt, nicht der Käufer.
Fleisch ist ja übrigens auch zu billig. Aber ist da ebenfalls der Verbraucher Schuld?
Solange der Produzent den Geiz anbietet, wird sich an der Situation nichts ändern.
Egal Wem man gerade die Schuld geben mag.

skreutzer hat gesagt…

Da sind ein paar Denkfehler drin. Wenn ein Schwein 10 Monate lang gemästet und gepflegt wird, müssen die Kosten dafür durch den Verkauf der daraus resultierenden Fleischwaren gedeckt werden. Die Fleischwaren kann man nur einmal verkaufen, weil Fleisch physisch bedingt ein knappes Gut ist. E-Books sind keine knappen Güter, sie sind immateriell, d.h. die Kosten können über einen unendlich fortgesetzten Verkauf gedeckt werden. Jetzt hat auch nicht jedermann einen Schweinestall hinterm Haus und eine Schlachterei in der Garage, während quasi jedermann einen Computer auf dem Schreibtisch stehen hat und nicht nur schreiben, sondern auch in industriellem Maßstab publizieren und distributieren kann, an Knappheit ist also nicht zu denken auf dem Gebiet. So werden E-Books überhaupt nicht „aufgebraucht“, weniger oder schlecht wie Fleisch, sondern einfach immer mehr. Essen braucht man zum Überleben, Unterhaltung ist ein Luxusgut (Sachtexte ausgenommen). Texte fordern die volle Aufmerksamkeit (und auch hier zehren die Lieblingsautoren, von denen man sich auch nur eine begrenzte Anzahl leisten kann, am Zeitkontingent), während man einen Kaffee nebenher konsumieren kann und Kino einen hohen Grad an Passivität ermöglicht. Noch dazu kann man für die restriktiven Nutzungslizenzen gar keinen hohen Preis verlangen, weil im Grunde dem Käufer auch nicht wirklich etwas geboten wird. Man bezahlt bei Starbucks ja auch nicht die 2,99 oder was auch immer, um mal am Kaffee riechen zu dürfen.

Würde ein Preis oder ein höherer Preis die Wahrscheinlichkeit, gelesen zu werden, erhöhen? Womöglich. Würde eine Gratis-Aktion die Wahrscheinlichkeit, gelesen zu werden, erhöhen? Womöglich. Ist da dann der konkrete Preis überhaupt wichtig, ob hoch oder niedrig, wenn es darum geht, die Wahrscheinlichkeit, gelesen zu werden, zu erhöhen?

Kunst ist der Versuch, andere Menschen mit eigenen Vorstellungen zu konfrontieren, sich geradezu aufzudrängen, die idealerweise auch noch irgendwie begeistern zu können, dass die das gut finden, und optionalerweise auch etwas Geld damit verdienen zu können, um mehr Kunst machen zu können, die Leute gut finden. Wenn die das nicht gut finden, wird daraus nichts, wie der Metzger den Laden zumachen kann, wenn in seinem Einzugsgebiet ausschließlich Vegetarier leben. Die Leute sind keineswegs zur Abnahme verpflichtet und können auch zur Konkurrenz gehen, wenn die gleiche Ware zu günstigerem Preis liefert. Kunst ist üblicherweise ein Verlustgeschäft, Investitionen dort hinein sind enorm riskant (was die Refinanzierung angeht), den Künstler kümmert das aber nicht besonders, denn sonst hätte er gar nicht erst anfangen brauchen angesichts des Risikos, dass sich niemand dafür interessiert. Man kann ja auch mal seinen eigenen Kunstkonsum beobachten, wie viel man diesen Monat für Bildhauer, Straßenmusiker, Font-Designer, Dichter, Landschaftsgärtner, ... ausgegeben hat, deren Werke wir im öffentlichen Raum ständig konsumieren, ganz zu schweigen von industriell produzierter Kunst.

Claudia Toman hat gesagt…

Da sind aber auch ein paar Denkfehler drin. :-) Mir ist schon klar, dass man Fleisch nur einmal verkaufen kann. Aber dafür kann man es auch nur einmal essen. Bücher hat man auf Lebenszeit in seinem Besitz. Sie werden nicht schlecht. Sie können mehrfach verwendet werden. Das bitte bedenken. Und zum Thema Unterhaltung ist ein Luxusgut und zum Überleben nicht notwendig, das ist ein sehr altes Argument. Und dennoch wirst du keinen Menschen finden, der ohne Unterhaltung ein glückliches Leben führt. Und hier sind wir beim Sinn des Lebens und werden allgemein zu philosophisch, das wollte der Artikel gar nicht, er wollte einfach absichtlich einen ganz alltäglichen Vergleich zum Thema Preis und Wert eines Produktes machen, ohne Anspruch auf wirtschaftliche Rechnungen. Und du kannst nur für dich sprechen, wenn du kein Geld für Kunst ausgibst, die du konsumierst. Man kann auch Kunst, die um einen herum passiert, ohne dass man sie freiwillig konsumiert nicht mit dem Download eines Buches vergleichen, das man ja schließlich haben möchte, es lädt sich ja wohl kaum selbst gratis auf den Reader. Das ist schon der Hauptdenkfehler: Ich ersuche Leute, etwas zu bezahlen, das sie bewusst runterladen. Dem Straßenmusiker etwas geben, das ist Großzügigkeit. Ein E-Book, das man lädt bezahlen, ist normal.

David Ostra hat gesagt…

Interessanter Artikel und interessanter Kommentar. Es ist ein Markt mit Überangebot, das wird auch nie mehr anders werden, und leider kann das auch die beste Bewusstseinsbildung und moralische Appelle nicht umkehren. Ich stelle mir als Schreiber die Frage: Ist es für mich wirklich wichtig, von möglichst vielen gelesen zu werden? Reicht nicht schon das Verfügbarmachen für den einen idealen Leser, der genau meinen Text sucht? Der wird dann auch ein paar Euro dafür bezahlen.

Anonym hat gesagt…

Ich kann auch nur jedem Autor dringlich von Gratisaktionen abraten. Ich habe einen meiner Romane 4 Tage lang gratis angeboten. 500 Downloads, nicht eine einzige Rezension als Gegenleistung. Diese faulen Schnorrer sollte man nun wirklich nicht verwöhnen. Und die Verkaufszahlen wurden durch den "erhöhten Bekanntheitsgrad" nicht besser, sondern schlechter.

Tiana Loreen hat gesagt…

Hallo,
dieser Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Lesezeit ist (leider) sehr eingeschränkt und man greift eher zum Lieblingsautor, als zum Gratis-Ebook.
Aber manchmal stößt man per Zufall auf einen neuen Autor und beschließt das nächste Buch zu kaufen. Klar, oft ist es nicht so, oft liest man die Gratisexemplare so gut wie gar nicht, aber so habe ich zwei wirklich interessante Autoren kennengelernt.
Ausnahmen bestätigen die Regeln, ich weiß...die "Geiz ist Geil" Mentalität ist schrecklich und ich hoffe, dass man irgendwann darüber hinweg ist...was an Wunschdenken grenzt. Leider.
Der Beitrag zeigt einen aber deutlich, dass etwas geändert werden muss! Ich werde jetzt auf jedenfall darauf achten, dass ich meine EBooks nicht mehr monatelang ungelesen auf den Reader lasse, sondern nur noch kaufen (und das wirklich), wenn Bedarf besteht. Manchmal vergisst man einfach, dass hinter den Büchern Menschen stehen, die sich freuen, wenn man Feadback bekommt.
Danke, dass du mir die Augen geöffnet hast! War bitter nötig!
Alles Liebe,
Tiana

buecherdidi hat gesagt…

Ja, Feedback ist wichtig! Ich lade mir hin und wieder Bücher runter, wenn sie gratis angeboten werden - ich kaufe auch welche. Die Gratis-Bücher lese ich und beurteile sie (auch wenn's manchmal lange dauert). Wenn ich die Lektüre abbreche, sage ich, warum. Wenn zu viele Rechtscheibe- und Kommafehler drin sind, empfehle ich meinen Korrekturservice. Finde ich das Buch schlecht, sage ich warum und belege das! Ich sage auch, was ich an einem Buch gut finde. Eine qualifizierte Beurteilung ist meine Gegenleistung für den Gratis-Download. Das erhoffe ich mir auch von anderen, kommt aber selten. Je mehr Leute sich an diesen Gedanken halten, desto eher kann sich eine solide Geben-Nehmen-Kultur entwickeln. Hoffe ich.

Anonym hat gesagt…

Zugegeben ich gehöre zu den 764, ich hatte nicht genug Vertrauen in deine Fähigkeiten. Krimi und Thriller sind weit weg von Dotti und da es keine Rezensionen von Lesern die ich kenne gab war ich über das Gratisangebot erfreut. Die anderen eBooks die ich besitze habe ich fast alle bezahlt, ich lade Gratis eBooks nur für den Urlaub und mit Verlaub, die meisten sind nur Schrott, oder vor langem erschienene erste Teile einer Reihe zum anfüttern, das ist dann wirklich Werbung zu kaufe Teil zwei bis fünfzehn. Aber ich habe meine Beurteilung vom Christkindmord erstellt und bei Amazon und in der Eule veröffentlicht, ein Respekt vor der Leistung- gegebenenfalls Schlechtleistung des Autors gebietet das.

Heike Schulz hat gesagt…

Und jedes Wort ist wahr! Ein Unding, dass unsereins sich noch immer dafür rechtfertigen muss, für die geleistete, professionelle Arbeit auch bezahlt werden zu wollen. Kein Klempner, Busfahrer, Anstreicher, Gärtner etc. käme auch nur im Traum darauf, seinen Anspruch auf Bezahlung verteidigen zu müssen.

Ryek Darkener hat gesagt…

Gut getroffen und zusammengefasst, auch wenn der Vergleich mit Handwerkern und Dienstleistern immer ein wenig hinkt. Da ich es mir nicht aussuchen kann, nicht essen zu wollen (zumindest nicht für lange :-) )
Dass etwas, was nichts kostet oder günstig zu haben ist, nichts wert ist, wage ich zu bezweifeln. Die wertvollsten Dinge des Lebens sind mit Geld weder bezahlbar noch erhältlich.
Für alles andere gibt es einen (persönlichen) angemessenen Preis. Und dieser angemessene Preis ist eben nicht nur das Ergebnis von Angebot und Nachfrage (hier sei die Qualität von Fleisch als Beispiel genannt) sondern auch ein Zeichen von Wertschätzung.
Das Problem, das ich sehe: Wertschätzung findet sich häufig nur noch auf den Powerpoints von Unternehmenspräsentationen oder in den Reden von in den Medien auftretenden Personen jeglicher Couleur statt.
Wertschätzung, auch geldliche, ist ein mächtiges Werkzeug (Hand hoch: wer hat dieses Jahr für Wikipedia gespendet?).
Die Ist-Aufnahme hier ist nicht neu. Aber was sind die nächsten Schritte? Mein Vorschlag: Wo immer es geht, sachlich und offensiv Werbung für Wertschätzung zu machen. Die Botschaft, etwas polemisch formuliert: Fehlende Wertschätzung führt tendenziell von Vielfältigkeit zu Einfältigkeit.
Diese Werbung kann jeder machen, der in sozialen Netzwerken unterwegs ist. Sie kostet nichts, und sie nimmt den sozialen Netzen ein wenig von ihrem Euphemismus.

Nochmals danke für einen sachlichen, nachvollziehbaren Beitrag und ein erfolgreiches Jahr 2015!

LG
Ryek

Anonym hat gesagt…

Liebe Autorinnen und Autoren,

wirklich interessanter Beitrag von Ihnen, Frau Toman. Und sehr aufschlussreich, hier einzelne Kommentare. Sie schreiben Geiz ist geil, und was machen ein paar Autoren? Doch im Prinzip Ähnliches: Ich gebe dir was für umme oder ein paar Cent und du schreibst mir gefälligst eine Rezension. Und wenn du das nicht tust, bist du ein Schnorrer. Als ganz normale Leserin bin ich diese Diskussion mittlerweile so leid und besonders krass finde ich es, wenn ich mich beschimpfen lassen muss. Ja, liebe Autoren auch ich muss mit meinem Geld haushalten, auch ich gehe arbeiten und auch bei mir geht mal die Waschmaschine kaputt und eine neue muss her. Und dann wird gespart wo es nur geht - und wenn der Autor sein Werk so günstig anbietet - mein Glück. Und bevor Sie jetzt kollektiv aufschreien, was für ein Ungeheuer ich bin, überlegen Sie sich alle mal, was wohl die Friseurin (vor Mindestlohn) von Ihrem 10 Euro Haarschnitt hat?

Mit freundlichen Grüßen von einer die die Nase voll hat und sich nicht mehr länger beschimpfen lassen will - denn vergessen Sie bitte nie, der Kunde ist König und er sitzt am längeren Hebel.

Anonym hat gesagt…

Ich kann nur sagen: "Chapeau"

Anonym hat gesagt…

Hier werden normale Leser oder Kunden gar nicht beschimpft. Sehr merkwürdig dieser vorherige Kommentar ...

Es ist eine Tatsache, dass auch die Herstellung eines professionellen Buches Geld kostet ... Auch Lektoren, Korrektoren, Grafiker und Buchsetzer wollen bezahlt werden - im Voraus. Autoren stecken viel Zeit und Arbeit in ihre Werke, haben das Handwerk jahrelang erlernt. (Ich rede nicht von so manchen "Hobbyautoren", die es zweifelsohne auch gibt, deren Bücher kaum lesbar sind.)

Anonym hat gesagt…

Alles richtig. Leider sieht es aber nicht nur bei Buchautoren so aus. Ich bin in erster Linie Musiker, Komponist und Texter. Inzwischen produziere ich meine Sachen selbst und verkaufe sie auf meinen Konzerten. Auch da komt dann immer wieder die Frage: Warum kostet eine CD denn zwischen 15 und 19 €? 50 Rohlinge kosten im Supermarkt doch auch nur 7,99 €. Es macht sich aber niemand Gedanken wie eine Musikproduktion hergestellt wird, was ein Studio und entsprechende Musiker kostet, was die Pressung selbst und auch letztlich die GEMA-Meldung kostet. Rechnet man das alles zusammen, muss man wenigstens 3000 CD´s verkaufen um +/- 0 zu sein. Die Chancen sind jedoch inzwischen verschwindend gering, weil Musik ja im Internet teilweise kostenlos gedownloaded werden kann. Bands wie U2 verschenken bei I-Tunes ein ganzes aktuelles Album und machen damit den Markt kaputt. Allerdings ohne darauf hinzuweisen, dass sie dafür vorher von I-Tunes einen fetten Millonenbetrag eingesackt haben. So entsteht eine eklatante Wettbewerbsverzerrung. Auf dem Markt etablieren sich nicht mehr qualitativ hochwertige Künstler, sondern nur noch die, die die besten Sponsoren haben, die ihre Aktionen finanzieren. Das sind in der Regel "Hitparaden kompatible" Künstler. Für Spartenmusik wie z.B. Swing, Jazz, Country, Blues etc. ist da kein Platz mehr, weil keine Sponsoren. Das macht die Medienlandschaft immer ärmer.

Janika Hoffmann hat gesagt…

Fantastischer Text, ich musste beim Lesen abwechselnd über den Schreibstil grinsen und über die traurige Wahrheit in den Worten den Kopf schütteln. Sehr gut zusammengefasst, danke dafür!

Anonym hat gesagt…

Es stimmt, was Claudia schreibt. Warum wird von e-book Autoren verlangt, sie sollen verschenken? Ein gut geschriebener Roman darf seinen Preis haben. Und jeder Autor, der verschleudert, sollte sich selbst prüfen, warum er das tut. Und sollte der Leser unschlüssig über die Qualität des Autors sein: es gibt die Leseprobe zum Runterladen. Dann sollte der Leser sogleich über Stil und Einstieg informiert sein. Es ist gut, dass jetzt eine Diskussion über die Verschleuderungs-Mentalität aufgekommen ist.

Anonym hat gesagt…

Ich bin sogar mal über eine Autorin gestolpert (hauptberuflich scheinbar Übersetzerin), die auf ihrer Webseite eine Anleitung für Piratenplattformen gegeben hat - direkt neben dem Infokasten zu dem Buch, dass es von ihr zu kaufen gibt.

Meinen Kommentar und den meiner Freundin hat sie übrigens nicht freigeschaltet.

Anonym hat gesagt…

Liebe Claudia Toman!
Ich habe ein Gratis E-Book, gewonnen auf der Blogtour von Martina Gercke, noch nicht gelesen und dann die, die auf meinen E-Book Reader waren, als ich den im vorigen Jahr von meinem Mann bekommen habe, auch noch nicht gelesen und dann cirka tausenfünfhundert Print Ausgaben, die ich mir Woche für Woche von den offenen Bücherschränken hole, ich wohne auch in Wien und ein paar Rezensionsexemplare sind auch dabei, die lese ich gleich, die anderen strikt der Reihe nach, eines nach dem anderes und besprechen sie dann auf meinen Blog und danben schreibe ich und lasse mir meine Bücher seit cirka 2000 jeweils fünfzig Mal von digitaldruck.at drucken, kennen sie die, kann ich empfehlen, zahle cirka fünf oder sechs Euro pro Stück und verkaufe die Bücher, wenn sie jemand haben will, auch dafür.
Ich bin glaube ich eine von der Literatur besessene erfolglos seit den Neunzehnsiebzigerjahren schreibende Frau, die auch sehr viel liest, aber pardon noch einmal, keine zwanzig Euro für das Hardcover und zehn für das TB zahlen will. Zu den E-Books komme ich dann gar nicht mehr, zu lang ist meine Leseliste. Sie werden das alles sicher nicht lustig finden, ich hätte wahrscheinlich auch lieber einen Suhrkamp Verlagsvertrag, so blogge ich seit 2008, benütze die Bücherschränke und werde wenn ich einmal was von ihnen dort finde, das sehr gerne lesen und natürlich auch auf meinen Blog besprechen. Mit den besten Wünschen für Ihren Kampf für das gute alte Buch, vielleicht sehen wir uns auf der GV der IG Autoren, da liegt gerade die Einladung auf meinen Mittagstisch. Gerhard Ruiss ist auch ein aufrechter Kämpfer dafür, mein internetaffiner Mann und Blogwart hält ihn für ein wenig weltfremd um das einmal klagsfrei zu formulieren
Allles Liebe Eva Jancak

Anonym hat gesagt…

Das Problem scheint doch eher zu sein, dass durch Self-Publishing die bis dato vorhandenen Filterinstitutionen ausgehebelt werden.
Frei nach dem Motto: Jeder ist ein Künstler kann also jede und jeder, der sich zum Schreiben berufen fühlt, fröhlich seine oder ihre Machwerke unters Volk jubeln. Das diese (in der Regel schon vorher bei Verlagen abgelehnten) Autoren dabei jedes Mittel nutzen, ist nicht von der Hand zu weisen. Frei nach dem Motto: Hauptsache erst mal viele Leser/Downloadzahlen/Rezensionen und dann wird mein Buch bekannt und ich werde es allen meinen Kritikern zeigen.

Da ist ja wohl oft der Wunsch Vater des Gedanken, dass das eigene Geschreibsel ein unerkannter Schatz ist, den dummerweise noch niemand entdeckt hat.
Das diese Perlen der Literatur so tumbe Verlage und Lektoren bislang eben nicht erkannt haben, scheint ja wohl eine Realitätsverzerrung auf deren Seite zu sein und schwupps - veröffentlicht man halt selber.
In den meisten Fällen stellen eben genau diese Autoren dann fest, dass durch die Billigstpreise die Anzahl der verkauften oder gratis abgegebenen Bücher, der unters Volk gebrachten Exemplare gewachsen ist, die Rezensionen aber ausbleiben bzw. nicht derart ausfallen, wie erhofft.

Auf die Idee zu kommen, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, als bislang unveröffentlichter Autor ein Werk über Self-Publishing zum Bestseller mutieren zu lassen scheint da niemand zu kommen.
Und das das eigene Geschriebene eventuell zurecht von den Verlagen abgelehnt wurde, erst recht nicht. Als Kunde kann ich da tatsächlich nur konstatieren, dass es eine sehr große Reihe von Autoren gibt, die an absoluter Selbstüberschätzung leiden, was das eigene schriftstellerische Vermögen angeht.

Warum sollte ich als Leser meine Zeit damit verschwenden, in einem Haufen Mist nach einem Goldstück zu suchen? Der Preis ist da für mich nicht mal das Entscheidende. Ein schlechtes Buch verschwendet meine Zeit und nur, weil es billig ist, heißt noch lange nicht, dass es mir dann leichter fällt, es zu lesen. Im Gegenteil. ich lese es erst gar nicht und Preise von 99 Cent sagen mir da eigentlich nur: Finger weg. Da verlasse ich mich lieber auf Verlage, die diese Filterfunktion noch wahrnehmen und selbst da gibt es in meinen Augen noch genug Schwachsinn, der veröffentlicht wird.

Und wenn ich mir da all die Rezensionen durchlese, die ja meistens im unteren zweistelligen Bereich rumdümpeln, dann springen mich bei manchen Machwerken so offensichtlich gelobhudelte Rezensionen an, die ganz offensichtlich von den lieben Freunden und Verwandten und mit Hilfe von fake accounts erstellt wurden. Gute Indikatoren für mich sind dabei jedesmal, wenn das Cover erwähnt wird, die leichte Lesbarkeit und wenn das das Werk „tief berührt“ hat.

Und was den Zeitaufwand angeht: Klar möchte man als Autor seine Arbeitszeit nicht verschenken und eine faire Entlohnung für sein Werk bekommen, Ich denke, dass stellt auch niemand in Abrede aber davon leben können wohl leider nur noch mainstream Autoren.

Mona Silver hat gesagt…

Vielen Dank für diesen Artikel. Spricht mir aus der Seele und ich habe ihn gerne auf meiner FB-Seite verlinkt: https://www.facebook.com/MonaHerbstAautor/posts/1058731807493253

Maria Espinal hat gesagt…

Unglaublich, aber wahr Gott ist immer groß. Nach mehreren Versionen meiner Bewerbung von der Bank, erhielt ich ein Darlehen durch eine sehr nette Dame. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an ihr per E-Mail an: marilinetricha@mail.ru es Darlehen in Höhe von € 3.000 bis € 3.000.000 bis jemand in der Lage zur Rückzahlung es mit Interesse an einer niedrigen Rate von 2 bietet % nicht, dass die Nachricht zweifeln. Dies ist eine perfekte Realität. Verbreiten Sie das Wort an Freunde und Familie, die in Not sind.
Rückzahlung beginnt fünf Monate nach Ihrer Kredit-Empfang
Gott segne Sie.

Kommentar veröffentlichen


Loading...

Popular Posts

Followers

Youtube

You can replace this text by going to "Layout" and then "Page Elements" section. Edit " About "
Claudia Toman. Powered by Blogger.
 

Nathan Fillion saved my life...

Wir waren da!

Search This Blog

Wird geladen...

Translate

Es ist ein Fehler bei diesem Gadget aufgetreten.
                                         Steampunk Maus im Header gezeichnet von David Petersen.

Der Meister spricht...

Copyright 2010 Claudia Toman - Autorenseite. All rights reserved.
Themes by Bonard Alfin | Distributed by: free blogger template videobest blogger templates of 2013 | best vpn anonymous best vpn on mac